Montag, 30. Januar 2012

Ob schöne Musik noch Hüllen füllen kann?

... vielleicht für ein paar Momente.
Und diese königliche "Drei-Tage-Riesen-Weiße-Bohnen-Suppe in Tomatensoße" mit reichlich Zwiebeln, Knoblauch und sonstigem Gewürz, die am dritten Tage am allerbesten schmeckt?
Für einen Moment?
Groß wie Kakerlakken, diese weißen Riesenbohnen.
Und auch so eiweißhaltig - heißt es.
Schon wieder - alles weg.

Traum?

Wieder Traumbrei, von Wohnungen. In der alten Wohnung in der M.-Strasse steht die Tür mal wieder offen, rastet nur leicht ein. Ein Windhauch vermag sie aufzustoßen. Vor der Tür steht ein stattlicher junger Nachbar, verwundert und kritisch äugend über die offene Tür der  leerstehenden Wohnung. Ich sage "Guten Tag" von innen - er geht beruhigt weiter. Hat nicht gleich gesehen, daß ich nur ein Geist bin. Hol endlich Deinen Geist zurück, spricht es in mir. Nein nein - nur nichts zurückholen. Hol endlich Deinen Geist zu Dir. Ja, so ist es besser.
Im Hinterhof-Labyrinth in der Innenstadt auf einer fremden Terrasse gelandet. Wie "bei mir" liegt sie tiefer als der Wohungsboden - "bei mir" muß ich sogar aus dem Fenster klettern, um auf diese zu gelangen. Ich habe hier nichts verloren,  weiß nicht einmal, was ich hier tue. Jemand Anderes wohnt dort. Er duschte gerade und schaut mich überrascht, noch splitternackt und nass, von innen aus seiner Terrassentür heraus an. Kommt derart raus, erstaunt aber nicht unfreundlich, geht wieder rein, zieht sich etwas an - steht ihm auch gut - steht dann wieder auf der Terrasse vor mir und fragt nicht einmal, was ich dort verloren habe. Habe gar nichts verloren, suche etwas ... eine neue Bleibe.
Ein Riesengelände, brachliegend. Zahlreiche, dickbauchige alte Tongefässe darauf lagernd. Aus manchen erklingt tanzendes Wasser, sie haben offensichtlich eine Quelle in sich. Wildes wucherndes Grün auf dem Gelände, hier könnte mensch einen Paradiesgarten anlegen. Dunkel zur Rechten und von vorne, überall von alten, feuchten, viel zu hohen dunkelblutrotziegeligen Altbau-Mauern umgeben. Von links kommt etwas Licht und manchmal Sonne. 
Lärm von Maschinen, das kenne ich. War schon mal lauter, schlimmer, durch Mark und (B)ein dringend. Ich suche eine Abkürzung. Jetzt ist es Musik aus dem Radio, die da über die viel zu hohen Mauern herüberfällt. Eine Frau ist aufgetaucht, Nachbarin, Hinterhofstädterin. Nein danke, ich möchte nicht so wohnen.
Noch mehr Wohungen. Alle in der Stadt. Packe Kisten, trage sie in neue Bleiben, in denen ich nicht bleiben will.
Bahne mir den lebensgefährlichen Weg über die Strassenbahngleise am W.-Platz. Ein ständiges Springen von hier nach da und schnell nach dort ist überlebenswichtig, immer gerade nur so viel freier Raum, um nicht von den unablässig kreuzenden Strassenbahnen überrollt und totgefahren zu werden. Auf einer Länge von mehreren Hundert Metern geht es so weiter, kein Platz für Menschen auf zwei Beinen. Welches beseelte Sein will hier schon bleiben?

Erwachen ... im Echtzeit-Traum. Immer wieder dieser Schmutz unter den Fingernägeln am Morgen, wie kommt der bloß jedesmal dorthin?
Die 16-jährige ist leer. Eine leere Hülle. Kurzer Schreck. Ist das Kind noch da? Auch nicht da. Und jetzt? Ist vielleicht eine Frau Ende Vierzig da? Keine da. Erschrockenes, leeres Wesen. Erschrockener Verstand, der sich erfolglos zu orientieren sucht. Identität? Was? Niemand zu finden. Alles Blasen, Bilderblasen. Nichts von Bestand, nur Fragmente. Wenn der Faden, der diese Bilder bisher aufreihen wollte, wegfällt - ist nichts da. Alles leer. Alles nur ein Traum, viele Träume.

Wieso der Schreck?
War es nicht das, was gesucht wurde in den Bildern - die Leere?
Ja, schon, aber ...
Ja?
Doch nicht so.
Schallendes Lachen.
Wie denn?

Nachspüren in den leeren Hüllen. Ist es wirklich so schlimm - oder ist es gerade gut so? Auch die Leere wird wohl wieder verschwinden - und mit noch mehr Unsinn gefüllt werden, womöglich noch mit der Erkenntnis von Leere. Was für ein Witz!
Es tut gut, gestorben zu sein. Wobei ich bei der 16-jährigen gar denke, sie hat nicht mal selbst (... - ???) gelebt. Und wie sieht die 25-jährige, die 35-jährige aus?
Will ich das wirklich erinnern?
Was erinnere ich?
Bilder. Bilderblasen. Lauter leere Hüllen, die mit Inhalt nicht zu füllen sind.

Bilder, Träume, Taumen, Psychosen ... und nicht mal die gehören mir.
Schon von den Alten nur übernommen, im Ätherleib aufgesaugt und angesammelt, angeklebt, geteert und gefedert schon vor der Zeugung, alte Ansammlungen und Formen, längst verbraucht, nichts Frisches dabei. Modrige, wabernde, spinnwebige, klebrige und leere Bilderblasen-Gebilde. Der vermoderte Faden löst sich von selbst ab. Zerfall. 

Gar nicht übel, leer zu sein.
Wirklich. Nach dem ersten großen Schrecken.
Irgendwie leicht.
Erschreckend leicht.

Ob ich mich jetzt wieder zusammenbauen soll, zu einer Person mit Lebenslauf? Ich meine ja nur - sagt der verzagte Verstand, auch nur eine leere Blase - wie soll es denn sonst weitergehen - und mit wem?
Nein, Nein, Nein !!! Klare Antwort. Das nicht!
Laß sie um Himmels willen leer, diese Bildhüllen. Laß ihre längst verrotteten Inhalte im Äther verschwinden, von sie kamen, aus dem sie auftauchten.
Der erste Schreck ist längst verschwunden.
Wandelt sich langsam in Genuss.
Auch die  Angst - nur eine Blase.
Nie zuvor war es so leicht wie mit diesen leeren Bildhüllen, befreit von den uralten Geist-Gespenstern, die zu niemandem gehören und immer ein Wirtstier und einen Faden brauchen, um zu überleben.
Danke.

Sonntag, 29. Januar 2012

Manisero

Eigentlich, verdeutscht, ein: Erdnussverkäufer. Auf Cuba gibt es viele Erdnuss-Spezialisten. Der eine verkauft dir geröstete Erdnüsse in der Tüte - der andere bietet sie als Riegel an. Alles köstlichst!

mani
mani
mani
mani
mani
mani
mani

Heute erinnere mich eh schon an viele vergessene Mensen - also auch an den Manisero an der Ecke meiner Behausung in Santiago de Cuba - einer von sovielen freundlichen Menschen. Kaufte oft und gerne Mani bei ihm. Eines Tages öffnete ich den Kühlschrank, um ein köstliches Stück herauszunehmen - und eine fette Kakerlakke kroch gerade genüßlich auf meinem deponierten Mani herum. Es ekelte mich ein wenig. Sie war mir fremd mit ihren langen, tastenden Fühlern. Eigentlich kannte ich sie schon ganz gut, denn sie begegnete mir schließlich überall und an jedem Bordstein. Und nicht nur dort - auch in jeder Nacht machte sie mich verrückt, denn sie huschte mit ihrer großen Familie laut raschelnd durch mein Zimmer. Eine zu fangen, um sie aus dem Raum zu verweisen, ist sehr schwierig, sie scheinen noch schneller als die Spinnen zu sein. Vor allem aber machen sie beim Rennen dieses grauslich laute Geräusch, dagegen sind Spinnen in ihrer Stille geradezu angenehm.
Sie sind überall, große Kakerlakken. Mensch muß sich an sie gewöhnen - sie sind klüger und schneller - und sie waren zuerst da.
Ja - sie waren schon lange vor uns da - und haben Überlebenskraft, die wir uns nicht einmal mehr vorstellen können. Ganz faszinierende Kreaturen.
El Manisero - en otra manera, muy bonito, aqui

Mayra Mayra ...

... ruft ihr Bruder, ein von den Göttern begnadeter Zauberer auf dem Klavier. Obatalá, androgyner Orisha der Weisheit

Samstag, 28. Januar 2012

Eingebrannt

Als 16-jährige hatte ich meine ersten Ferienjobs. Ich ging zur Studenten-Jobvermittlung und arbeitete tageweise irgendwo. Im Kaufhof-Restaurant an der Spülmaschine, wo es ganz schön zur Sache ging. Fließbandarbeit quasi. Das Geschirr, das aus der Maschine kam, mußte gepackt und schnell wieder einsortiert werden. Es war noch ziemlich heiß, als es rauskam, und einmal ließ ich aufgrund eines motorischen Fehlers einen ganzen Stapel Teller fallen. In Windeseile kamen alle Arbeitenden angelaufen, kehrten die Scherben zusammen und bedeuteten mir, das nichts geschehen sei. Die Arbeit ging weiter. Ich freute mich sehr über diese Unterstützung mir fremder Menschen, die mir derart zur Seite standen. Hätte sonst völlig umsonst gearbeitet - in einem Knochenjob, in dem manche schon seit vielen Jahren für wenig Geld schufteten. Mein Job dauerte hier schlappe zwei Tage - und ich war hingerissen von dieser Szene - und darüber, daß sie mich außerdem auch noch liebevoll mit gutem Essen versorgten während der Mittagspause. Die Belegschaft bereits Ende der Siebziger multinational, Italiener, Jugoslawen (gab´s da noch), Deutsche. Ein - ehemaliger - Bilderbuch-Koch mit dickem Bauch, Schürze drüber und breitem, wohlwollendem Grinsen.
Im Krankenhaus drei Wochen in der Wäscherei im Keller. OP-Laken und Anderes in die Mangel geben nach der Wäsche, oft fanden sich noch abgeschnittene Schamhaare, Blut und Eiter darin, das wurde natürlich erneut in die Wäsche gegeben. Eine persönlichkeitsstarke Italienerin stand dort schon seit Jahrzehnten tagein tagaus und schuftete -  für wenig Geld. Sie imponierte mir, ihre Zähigkeit faszinierte mich, und ich arbeitete gerne mit ihr in ihrem unerschütterlichem, gleichförmigen Rhythmus. Mir tat, obwohl ich damals jung, energiegeladen und fit war, an den ersten beiden Abenden jeder einzelne Knochen weh und ich fiel todmüde ins Bett. Nicht mal pinkeln gehen konnte mensch außerhalb der offiziellen Pausen. Fast alle "Kollegen" - bis auf die üblichen Verbitterten, die mensch überall antrifft -  waren sehr freundlich zu mir. Manchmal mußten wir nur federleichte Trockentüchlein hineingeben oder herausnehmen und falten - das war dann quasi das Wellness-Programm. In der Kantine saß ich mit den Alteingesessenen zusammen, sie hatten mich adoptiert. Eine Frau aß einen Pudding zum Nachtisch - und spuckte den eben in den Mund geschobenen Löffel überm Tisch wieder aus. Sie war trockene Alkoholikerin und in dem Pudding war Rum. Sie sagte es schlicht, wie es war, ohne Verstellung - und es war gut so. Die Ärzte hatten einen abgetrennten Essensbereich und saßen nicht mit dem restlichen Personal zusammen. Auf meine Verwunderung über solche Hierarchien erklärte mir jemand - das sei wohl ganz recht so. Die würden manchmal seltsame Witze über ihr Metier reißen, das könne manchen verstören, der zarter besaitet sei. Naja ....
Mittendrin ein Ausflug in die Leichen-Abteilung, ebenfalls im Keller. Auf Einladung des dortigen, etwas suspekt anmutenden Mitarbeiters, der mir lächelnd davon erzählte, wie er manchmal ein paar Eingeweide im Ausguss wegflutschen lasse.
Irgendwann noch ein Job im Krankenhaus - Gardinen aufhängen auf der Männerstation. Sehr spaßig. Und zur höchsten Erbauung der vermeintlich Brachliegenden - die sich in ihrem Enthusiasmus über soviel jugendliche Schönheit zu übertrumpfen versuchen. Ein Machtwort genügt, um sie wieder auf ihre Lagerstättten zu werfen. 
Einige Wochen arbeitete ich in einem schön gelegenen Nobel-Restaurant der Kolonie, meist wieder im Spülbetrieb aber auch als "Mädchen für alles", wenn irgendwo Arbeit anstand. Fenster putzen mutete gegen den Spülbetrieb sehr erholsam an.  Auch hier wieder vorwiegend freundliche Menschen, die mich Küken durchaus kollegial aufnahmen.Wieder solche, die schon seit Jahrzehnten anderer Leuts Dreck wegmachten und teils lange Anreise zum Job hatten - alles für wenig Geld.
Dort hat sich ein Mann in mein Hirn eingebrannt als Sinnbild für Unverhältnismäßigkeit der Mittelverteilung. Er war der Topfspüler und saß tagein tagaus in einem gekachelten, kühlen Raum, wo er die Töpfe per Hand reinigte, da dies maschinell nicht möglich war. Ich setzte mich manchmal zu ihm und wir unterhielten uns. Er kratzte diese Töpfe oft mit seinen Fingernägeln aus, wenn auch die Bürsten nichts mehr bewirkten, weil alles so angeranzt und eingebrannt war. Ein Alleinstehender, der in einem Männerheim untergekommen war. Trostlose Existenz. Dennoch war der gut drauf und freundlich.  Er verdiente am wenigsten von allen.
Damals war ich sehr zornig auf die Welt und ihre Unverhältnismäßigkeiten. Noch bei der Mutter wohnend, machte ich abends einen weiteren, sinnlosen Versuch, mit ihr darüber und über die Welt zu sprechen. Wie gewohnt stieß ich - hätte es wissen können, war aber noch unerschütterlich - auf Granit mit meiner Frage "Was ist denn das für eine Welt? Wieso bekommst Du in deinem verhältnismäßig bequemen Bürojob (den sie erst seit wenigen Jahren ausübte, zunächst unentgeltlich, um meinen damals überforderten Vater zu unterstützen und nach seinem Tode ganztags gegen reguläres Salär) doppelt soviel Kohle wie dieser Mann?" Irgendwas erschien mir offensichtlich nicht gerecht. Meine Fragestellung war sicher ungestüm, aber sie hätte auch sonst die gleiche Antwort gegeben: "Ach, laß´ mich doch in Ruhe." Das sie mindestens doppelt soviel  bekommen mußte, war mir irgendwie  klar, obwohl sie zu Lebzeiten nie gesagt hatte, wie hoch ihr Einkommen war.
Das war Ende der 70er Jahre - als die meisten Menschen trotz ersichtlicher Unverhältnismäißigkeiten noch mit ihrem Job über die Runden kamen. Damals dachte und wünschte ich, daß diejenigen, die den Dreck der Anderen wegwischen, doch wenigstens ordentlich dafür entlohnt werden sollten. Ein frommer Wunsch - der zur Zeit weltweit komplett ausgehöhlt ist.  Aber alte Träume halten sich. Sollen auch nicht aufgegeben werden. Kinder und Jugendliche haben schließlich noch recht unverdorbene Instinkte, wie es vielleicht sein könnte.
Dieser Topfauskratzer und all die anderen Menschen kamen mir heute morgen äußerst lebendig, nach so vielen Jahren,  wieder in den Sinn und ich war erstaunt, wie sich dieser kindlich-jugendliche Weltschmerz doch manches Mal wieder seinen Raum nimmt - obwohl ich ihn lange vergessen glaubte.
Ein Blumenstrauss für die lange vergessenen Menschen.

Einem verehrten Zornigen ...

... Erwin Dombrowski aus Brüssel
alias Georg Schramm
Der Interwiewer kongenial.

"Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar ist" -  zitiert der Herr Schramm ... der Urheber wird genannt - ich kann ihn beim besten Willen nicht in die Tasten geben, aufgrund von Vorlebenstraumen .... dennoch ist der Satz genial, in entsprechend sinnreiche Zusammenhänge gestellt.

Ein lebendiges Interview mit dem zornigen Genius - ohne Rolle 
Zum essentiellen Thema BIL-DUNG - natürlich bleibt er nicht bei einem Thema, sondern grast zornig die Weltpolitik ab - mal eben, eine Stunde vorm Bühnenauftritt. Eine kleine Geduldsprobe und interessanter Kontrast - Schweizer Sprachbehäbigkeit trifft auf blitzschnellen Genius.

Noch eines - nur für die Ohren

Freitag, 27. Januar 2012

Bei "Rossmann" knickte heute vermutlich der Umsatz ein ...

... gestern abend bei Maybrit Illner eine sehr interessante Runde zum Thema "Verquickung von Wirtschaft und Politik". Allen voran ging der Herr Rossmann ab wie ein Hütchen, um den Herrn Wulff zu verteidigen - Schuß ging eher nach hinten los. Tenor von Zuschauern dazu im Netz "Bei dem gehe ich nicht mehr einkaufen". Die Leute wachen auf. Nicht etwa, daß die enge Verbandelung von Wirtschaft und Politik neu wäre - aber die Schlammschlacht um die Person des Bundespräsidenten bringt mehr Bodensatz hoch, als vielen recht ist. Inzwischen fragen sich viele, ob nicht unsere Einheitspartei durch die Bank korrumpiert ist. Die Antwort liegt nahe.
Leider etwas zu kurz kam das Thema "Lobbyisten" rund um den ehemaligen Reichsparteitag. Einer von mehreren Tausend dort herumschwirrenden, mehr als gut verdiendenen "Interessenvermittlern" zwischen Wirtschaft und Politik trat auf und bekannte frohen Mutes: "Der der mehr Geld hat, kann da mehr kaufen". Gebandelt und verhandelt wird in edlen Clubs, deren Mitgliedschaftsbeitrag für genügend Abstand zum Pöbel sorgt. Dieser "Interessenvermittler" benannte sein Honorar: 650 Euro die Stunde, Tagessatz mal 10. Bei länger dauernden Projekten sei eventuell ein Nachlass  möglich.
Ein ehemals Grüner, heute CDU´ler und ein Schwätzer vorm Herrn fiel mir wieder ein, der von ganz oben herab auf Proleten und Prekäre schaut und sich dazu bekannte, daß er unter 3.000 oder 5.000 Euro Vortrags-Honorar gar nicht erst  vor die Tür gehe. Solcherlei Menschensorte bedeckt sich jedoch nicht, über Hartzler ihren gnadenlosen Stab zu brechen.

Ich weiß jetzt gar nicht, ob es diese unverfrorene Unverhältnismäßigkeit von Leistung und Bezahlung in diesem Staate ist, die ich (seit ich denken kann) zum Kotzen finde, und die ja gar nicht koscher sein kann - oder ob ich vielleicht ganz tief auf meinem eigenen Bodensatz neidisch bin, weil ich derzeit für 650 Euro nicht eine, sondern in der lauen Zeit an die 100 Stunden arbeite? (persönliche Ergänzung: Ich war auch schon oft im Leben unverhofft und sogar mehr als reichlich gesegnet mit Geld - reite also irgendwie auf den Wellen des Materiellen - überlasse es den Göttern aus erlebter Erfahrung - und eigne mich definitv nicht für "Lobbying"  bzw. "Fremdes-Zeugnis-Predigen" gegen Geld)
Diese Fremdprediger sitzen dazu noch bei edlen bis feisten Speisen in furzweichen Sesseln in feinstem Ambiente, ohne Strassentheater. Sehen nicht jeden Tag die Schar der Müllsammler anwachsen, die sich mittlerweile kaum noch die Mühe macht, ihre Tätigkeit unauffällig auszuüben. Also die MüllsammlerInnen jetzt. Armut und die "Würdelosigkeit", anderer Leuts Müll aus den Eimern zu angeln, sind auf den Strassen in den vergangenen Jahren zum ganz normalen und immer öfter anzutreffenden Strassenbild geworden.

Ebenfalls zu kurz geraten ob der hochinteressanten An- und Ausfälle des Herrn Rossmann der Teil der Sendung, in dem nochmal die Verquickungen des Herrn Maschmeier mit dem Herrn Ex-Kanzler Schröder und der Einführung der privaten "Riester-Rente" = private Rentenzusatzversicherung angesprochen wurden. Ein Riesenfass für die Versicherungen. Aber auch das - ist nicht wirklich neu. Obwohl es für viele eben doch "neu" zu sein scheint.
Der Journalist Christoph Lütgert saß mit am Tisch, der die aufschlußreiche Doku "Der Drückerkönig und die Politik" über Maschmeier und Co. gemacht hat - und kam leider auch zu kurz.

Blamabel der "Restraum", der Oscar Lafontaine zugestanden wurde, wobei dieser glücklicherweise zum eigentlichen Thema zurückverwies. Für mich übrigens der einzige Politiker, der seinen Finger immer in die offenen Wunden gelegt hat.  Und der wahrlich auch kein Heiliger ist, sich aber auch nicht diesen Anschein gibt.

Das Interessante an dieser Sendung waren die Menschen, die die "ganz normalen kleinen Vergünstigungen" verteidigten und ihr Verhalten. Teils kaltschnäuzig, teils ausfallend. Zuletzt habe ich sowas "Lebendiges" glaube ich in den 80ern im Televisionsapparat gesehen .... und je länger bzw. grundsätzlicher, also nicht nur auf eine Person namens "Wulff" gerichtet, dieses Thema hochgerührt wird, desto mehr Privilegiengeniesser werden vermutlich noch ihre Maske fallen lassen aus Wut. Desto mehr Leute beginnen vielleicht, mal selbst nachzudenken, wie weit wir gekommen sind und wer, wie eh und je, profitiert. Wieder nichts Neues, aber in dieser Zügellosigkeit schon extra-ordinär.

Als psychologische Studie empfehle ich die Sendung wärmstens weiter.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Am 30.01.2012 soll der ESM abgesegnet werden ...

Was so harmlos klingt - ist die Befähigung von einer Handvoll selbst-auserwählter, nicht-gewählter, sich selbst absolute Immunität einräumender Leute, jederzeit Zugriff auf das Geld anderer Leute zu nehmen. Also auf Deins, wenn Du welches hast. Und auf Deins - obwohl Du keins hast - aber Du wirst sollst auch kein Bein mehr auf den Boden kriegen. Wie schon soviele Leute in Europa jetzt nicht mehr. Und auf dem Planeten schon seit langem.
Wie wir ja alle wissen: Wer das Geld hat - hat die Macht. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Usw. Die Geldschiene - ist nur das Mittel für alle weiteren Zwecke. Und wie jeder gesunde Menschenverstand seit vielen Äonen erleben kann, richten sich die Zwecke von selbsterklärten Eliten und deren Ausführungsorganen nicht auf das Gemeinwohl. Vergiß mal den Wulff und die seltsame Mediendiskussion um Klein-Kriminalität der Großen, von der wir sicher auch alle etwas haben (allerdings abgestraft werden bei Erwischung).

Hier geht´s wirklich um was:
Ich meine, es lohnt sich, sich einmal ein paar Passagen dieses Werkes, welches jeden und jede von uns betreffen wird, anzuhören bzw. durchzulesen. Ein informatives Video von nicht einmal 24 Minuten dazu, zu finden bei "Nuoviso-TV". Wem auch das noch zuviel Einsatz ist, der beginne gleich bei 2:45, da trägt ein Anwalt die einschneidenden Passagen vor, mit der offenen, freundlichen Aufforderung, doch mal zu gucken "was das mit Ihnen macht".
Das Inkrafttreten dieses Machtergreifungswerkes wurde im Übrigen noch forciert, nämlich um ein Jahr vorgezogen. In diesem Sommer geht dann ganz offiziell los, was schon lange läuft.

An einem 30.01.(1933) fand auch die Machtergreifung der Nazis in Deutschland statt. Per Zu-Fall wurde ich gerade über einen tiefgreifenden Text daran erinnert.
Wäre ich eine Freundin von Verschwörungstheorien, würde ich denken, daß manche Termine nicht zufällig gewählt werden. Siehe auch immer wieder die Kombination von 3ern, 9ern und 11en ... Zahlenmagier scheinen am Werk zu sein.

Natürlich - danke für die wichtige Erinnerung und Ergänzung an den geschätzten Sternenkundigen - weiß niemand wirklich, was genau geschehen wird. Recht hat er, wenn er sagt "Sie vergessen die Götter". Vielleicht erinnern wir uns einfach mal wieder mehr an diese.

Montag, 23. Januar 2012

Zorn ist vitaler als Ohnmacht ...

Warum zum Teufel - sollte  ich nicht zornig sein?
Meine und vielleicht deine kindlichen und instinktiven Ideale  wurden mit breiten Fußtritten zertreten.
Ich lebe in einem globalen  Irrenhaus, in dem sich alle Paralysierten als für "normal"  befinden.
Ich lebe in einerm System - in dem viele sagen "ja, ich weiß ja, daß Kreaturen gequält werden, aber ich muß trottzdem weiter Fleisch essen." und "Ja, ich weiß ja (bestenfalls, wenn sich jemand überhaupt dafür interessiert), daß es fast nur noch Monokulturen gibt und die tierische und pflanzliche Artenvielfalt stirbt."
Jaja....jaja .... was soll ich denn tun.
Jaja ...
Scheiß auch auf Ethik -  jetzt wird schnell noch überall "gewulfft", was das Zeug hält. Weit gefährlicher eine Lagarde, die aktuell eine Billion für einen "Rettungsschirm des Wahnsinns" fordert.
Bevor alles untergeht.
Gut - daß es untergeht.
Ich freu mich drauf.
Vielleicht - gibt es nochmal eine Chance.
Und: Sei bloß kein "Gutmensch" - solange dieses System der Irrsinnigen noch besteht -
das ist das übelste Schimpfwort, welches sie gegen dich nutzen.

Bist Du nicht zornig?
Komisch .....

Die Faust in der Tasche ....

... ist ein wichtiges Attribut im Taxigewerbe.  Als Tagschicht habe ich noch Glück, da ich sie seltener fest zusammenballen muß, außer im Karneval oder beim "Reste-einsammeln" morgens am Wochenende und bei manchen Besoffenen, die nicht zu meiner Regelkundschaft gehören. Die arme Nachtschicht - denke ich heute nur - am Anfang meiner Zeit in dem Gewerbe konnte ich das noch gar nicht wirklich nachvollziehen, was die so alles über sich ergehen lassen müssen - mit der Faust in der Tasche.
Mein erster Kunde heute morgen war völlig volltrunken. Er wurde mir von zwei seiner Kumpels "geliefert" und auf den Sitz gesetzt. Ein türkischer Mann aus dem türkischen Café am Taxistand, welches rund um die Uhr auf hat. Seine Freunde sagten mir, ich solle ihn nach Hause fahren - das Geld bekäme ich später im Café. Ok - kann aber dauern, bis ich wieder hier anlande, ich fahre überall in der Stadt Hä? Egal ... jaja, ich komme später und hole mir das Geld  Und sie sollen ihn bitte noch anschnallen. Und - ganz wichtig - ich brauche seine Adresse. Wer weiß, wie tief der mir einschläft auf dem Weg ... Bekomme die Richtung und die Strasse raus, fahre ihn dorthin. Er bleibt glücklicherweise recht friedlich, außer, daß er auf dem Weg ein wenig halluziniert und sich woanders glaubt. Ich frage mich kurz, ob ich nicht besser Vorkasse gemacht hätte - aber mein Gefühl sagt mir, daß diese Leute sich an Absprachen halten werden. Der eine der Freunde beteuert, er sei der Café-Besitzer.  Der friedlich im Vollrausch Befindliche wacht auf meine Ansprache hin wieder kurz auf und sagt mir, wo er aussteigen möchte. Fragt sogar noch, wieviel er mir schuldet. Ich sage - das geht schon in Ordnung. Achja, erinnert er sich, bezahlt ja der Chef. Er kann also noch nicht im Koma sein. Später gehe ich ins Café mit einer Quittung - der Chef ist nicht da. Ich erzähle zwei Fremden, worum es geht und bekomme anstandslos mein Geld. Werde ein bischen nostalgisch und denke an Zeiten, in denen es auch hier noch Handschlag-Geschäfte unter anständigen Menschen gab. Die leben eben eine andere Kultur, und davon gibt es sehr viele verschiedene in so einer Kolonie. 
 
Die Faust in der Tasche - muß ich erst bei der letzten Fahrt machen. Wieder so ein Schnulli, der Machtspiele liebt.  Jemand, der absolut auf Ärger aus ist. Auf Kölsch heißt das "Auf Krawall gebürstet." Da machst Du  nichts dran - deswegen machst Du dann diese Faust in Tasche. Wobei ich die Faust nicht wirklich mag - ich atme lieber, gaaanz tief in den Bauch.
Erst freue ich mich, daß ich überhaupt noch eine Fahrt bekomme - dann läßt der mich sinnlos warten, obwohl er schon lange aus dem Fenster rief, daß er kommen würde. Parterre ... nichts passiert. Ich gebe nach etwa 14 Minuten seit Auftragsannahme eine "Fehlfahrt" ein unter "anderer Grund" - sowas wie "Sonstiges". Der schien mir irgendwie nicht koscher, benebelt, als er aus dem Fenster rief, wer weiß, ob der überhaupt noch kommt. Als ich schon langsam zum Wegfahren ansetze, erscheint er doch noch, mit Koffer, und will zum Bahnhof. Sitzt mit Smartphone telefonierend neben mir - ich frage "welcher Eingang" - und er beendet das Gespräch imt "Moment Mal - muß hier was klären."  Domseite. Gut. Können Sie das Radio ausmachen - ich kann mich sonst nicht auf´s Telefonieren konzentrieren. Ich bin baff erstaunt - nach sieben Jahren Lenkzeit ist es das erste Mal, daß ich registrieren muß, daß sich sämtliche Umgangsformen völlig ins Gegenteil gedreht haben zu scheinen. Drehe das Radio leise (Randbemerkung: Deutschlandfunk - Wortbeitrag, eh moderat) und sage - halb scherzhaft und halb zynisch "Ach - das ist jetzt das erste Mal in sieben Jahren, daß ich das erlebe. Bisher kannte ich meist nur so, daß die Leute mich fragen, ob es ok ist, wenn sie telefonieren. Aber - vielleicht ist mir ja was entgangen in der Zwischenheit und ich kann wieder was dazulernen."
Jetzt - geht der ab wie ein Hütchen. Wie gesagt "Auf Krawall gebürstet."
"Ja, jetzt können Sie mal was Neues lernen!!!"
Ich weiß genau, was kommt. Bin es sooo müüüdee. Der wird mir jetzt mal die richtigen Manieren beibringen - wollen. Was nicht funktionieren wird. Aber er wird mir drohen, pöse pöse drohen. Und ich soll Angst bekommen. Vor den pösen pösen Konsequenzen.
Fakt ist - das Radio ist kaum noch zu vernehmen - und er hätte nun in Ruhe telefonieren können. Fakt ist auch - hinten wäre ein schöner freier Sitz gewesen, wo er ungestörter gewesen wäre. Immerhin - lenkt mich diese ewige Telefonierei auch immer ein Stück ab. Ich bedene die Limousine, ein Display, manchmal das Navi und die Fahrgäste gleichzeitig. Wo ist also sein Problem?
Hier: Er ist auf Krawall gebürstet.
Habe keine Lust mehr - auf solche. Mache Faust in Tasche. Er tut, was ich locker hellsehen kann: Ruft Zentrale an. Erzählt von pöser pöser Fahrerin. Ich hätte gesagt, er sei unhöflich. Und er sei doch Kunde - und wenn er ein Taxi bezahlt, gehöre dieses doch ihm in der Zeit.
Aha? Interessant. Inklusive Untergebenen ... vermutet er.
Wie das jetzt genau sei - ob ich das Radio ausschalten müsse oder nicht.
Die Kollegin in der Zentrale antwortet diplomatisch, das sei eine Frage der Absprache. Wie das denn rein rechtlich genau sei -  ob er nun recht habe, wolle er wissen. Wie? - das wisse sie nicht genau. Jetzt will ich aber mal sofort ihren vorgesetztesten Vorgesetzen  sprechen, den Wichtigsten, keinen Handlanger.
Ich bin ja sooo müüüdeee ....  sage nur noch "Sie können sehr gerne mit einem anderen Kollegen weiterfahren. Es gibt schließlich Grenzen im Umgang miteinander - und die meinen haben sie schon bei weitem überschritten."
Das ginge leider nicht, er wäre jetzt auf mich angewiesen, er muß schließlich nach Thailand.
Ich - werde ihn überleben, soviel ist sicher. Meine Müdigkeit ob derartiger, alberner Drohgebärden ist in diesen Situationen eine gute Freundin. Sie sorgt dafür, daß ich ruhig bleibe und tief in den Bauch atme.
Das wäre ja das Allerletzte, daß die nicht mal weiß, wie die Rechtslage ist. Redet der mit mir?
Sie verbindet ihn mit der Schichtleitung.
Der Kollege von der Schichtleitung - versucht ihn unten zu halten, damit es nicht weiter eskaliert. Ja, wenn er es wünsche - müsse ich selbstverständlich das Radio abdrehen. Ja, er habe recht.
Jetzt - muß ich lachen ... es ist absurd. Das Radio ist doch schon längst abgedreht.
Der Krawallige reicht mir sein Smartphone Richtung Ohr - gut, daß ich auch im Schlaf fahren kann - ich nehme es auf und höre vom Schichtleiter der Zentrale eine Art Belehrung.
Das - ist es, was mich letztlich abtörnt. Ich brauche jetzt keine Belehrung - ich brauche jetzt Unterstützung vom Dachverband. Kriegt der neben mir aber nicht mit. Ich tausche ein paar Worte mit dem Schichtleiter und sage "Das geht hier schon die ganze Zeit so - keine Chance. Das Radio IST doch schon lange leise." - und muß lachen, weil es so absurd ist.
Der neben mir schreit "Geben sie mir jetzt sofort mein Handy wieder, das ist schließlich mein Handy" - und meldet, ich würde ihn jetzt auch noch auslachen. Wie genau er mich denn belangen (utbestrafen) könne für mein ungebührliches Verhalten? Dieser Schichtleiter erklärt ihm das en detail - aha aha, ja - gut. Das kann ich auch von Thailand aus veranlassen. Sehr gut - und wie kann ich anschließend nachprüfen, ob ein Disziplinarverfahren stattgefunden hat? - aha aha ..... gut.
Der droht sich einen Wolf - und ich bin nur müde. Müde müde müde. Habe keine Lust, mich wegen derartigen Leuten  in zwei oder drei Monaten wieder erinnern zu sollen an eine Fahrt von Tausenden, bei der jemand mein Gesicht nicht gepasst hat. Mich hinzusetzen und alles zu "rechtfertigen".
Ist übrigens erst zweimal geschehen in sieben Jahren - einmal völlig absurd, jemand behauptete, ich hätte ihn nicht zum Flughafen fahren wollen, was per se Unsinn ist, dort fahren wir sehr gerne hin.  Nur - sein Gepäck paßte definitiv und trotz allen guten Willens nicht in meinen damaligen Kombi. Und beim zweiten Mal - habe ich mein Versehen gerne zugegeben,weil es eines war. Ich hatte tatsächlich etwas übersehen auf dem Display.
Aber dieser hier - ist schon eine absurde Nummer mit seinen verpuffenden Drohgebärden und "Erziehungsmaßnahmen".  Habe keine Lust mehr, mich ob solcher Leute rechtfertigen zu sollen.
Mittlerweile - telefoniert er schon sehr konzentriert ca. 15 Minuten - für nichts.  Geht doch!
Am Bahnhof gibt er mir 10 Euro und 20 Cent und kanstatiert, er bekomme noch 15 Cent zurück. Ich sage laut "Sehr gerne, Herr Soundso!"  und gebe ihm sein 20 Cent-Stück zurück - von den gewonnen 5 Cent kann er sich eine Sitzung beim Psychiater kaufen. Sage ich aber nicht. Dann bemerke ich, daß der noch ein Foto von mir knipst mit seinem Smartphone. Es fruchtet alles nicht. Eine Faust in der Tasche, einmal geballt, mit tiefem Bauchatem .... ist gute Medizin. Was der wollte - er wollte meine Angst riechen. Meine Kleinheit. Nach oben buckeln, nach unten treten. Ne, Herr Dings .... sie machen mich einfach nur müde mit ihrem albernen Spiel. Und wie gesagt - in solchen Fällen hält die freundliche Müdigkeit mich davon ab, darauf anzuspringen.
Er schaut noch dreimal zurück, ich registriere das an der Peripherie - ich habe ihn nicht einmal angeschaut während der ganzen Darbietung und tue es auch jetzt nicht. 

Wer mich wirklich gefuchst hatte, war der Kollege aus der Zentrale. Als ich zuhause bin, rufe ich bei der Schichtleitung an - und erwische genau diesen, der sich gut erinnert an die absurde Situation vor etwa einer Stunde. Ich sage ihm, wie es ist: Ich bin ein wenig frustriert darüber - derart wenig Backup vom Dachverband zu bekommen in solcher Situation - die er sehr gut erfasst hat. Er erläutert mir, daß es für ihn erst mal um De-eskalation geht. Empfiehlt mir, ggf. beim nächsten Mal einfach die nächste Polizeistation anzufahren - da es teils Nötigung gewesen wäre. Ich selbst - wäre gar nicht auf eine solche Idee gekommen, außer den Fahhrgast weiterzurreichen an einen anderen Kollegen.  Ein altes Muster von mir - "ich schaff das schon". Was mich wirklich ärgert, ist, daß ich mich eventuel auch noch schriftlich rechtfertigen soll für solche Menschen, die mich und jeden Kollegen jederzeit übelst denunzieren können. Aber davon - weiß er sogar noch mehr Geschichten zu erzählen, als ich. Und - ich möchte auch nicht seinen Job haben. Der ist sehr freundlich  und klug- wie sich im Gespräch herausstellt. Das - war mir wichtig zu wissen. Ob es denn noch eine Art Zusammenarbeit gibt.
Vermutlich käme von dem eh nichts mehr hinterher. Er hat Erfahrung. Ich berichte ihm noch, daß dieser Vogel geflötet hat, er würde für 2.000 Euro im Monat Taxi fahren - der Kollege meint "Unsinn". Das - würde er sicher wissen. Aber auch das - wäre ja schließlich kein Grund, sich alles gefallen zu lassen - sage ich jetzt.

PS: Ich werde noch die vielen Schnelligkeitsfehler korrigieren und falls eine Beschwerde kommt - diesen Post zu obiger Angelegenheit an die Zentrale weiterleiten.  Ganz unsachlich ....  die Arbeit ist getan. Hallelujah!

PSPS: Ich bin sehr zornig -ob dieser Würmer!

Sonntag, 22. Januar 2012

Vor-Ur-Teile

Vorurteile sind eigentlich Vor-Ur-Teile, also aus der (andauernden) Urzeit stammende, instinktive Reaktionsmuster. Du siehst und "schmeckst" jemand - und denkst "Achtung - der ist nicht aus meinem Stamm".
Heute extrem geschehen beim Beobachten von Foto-Gesichtern bei diesem Kurs in Sachen "TCM-Gesichtsdiagnostik" Ich hätte mich manches Mal übergeben können ob der vielen Vor-Ur-Teile, die anhand gezeigter Fotos kamen.
Die erste Übung war, einfach mal ohne Vorwissen verschiedene an die Wand projizierte Fotos von Gesichtern zu betrachten und einzuschätzen, was das wohl für ein Mensch sein könne. Zum Teil erschütternde, knallharte Aussagen wie "Auweia, der arme Mensch" (harmlose Variante) oder "Igittigitt". Ich bemerkte für mich, daß ich - obwohl oft ungeduldig - mir lieber die Zeit nehme, um etwas länger bzw. sorgfältiger zu beobachten und dann schaue, welche interessanten Seiten so ein Mensch wohl haben kann, statt mich einfach allzu vorschneller Urteile zu bedienen. Stellte zufrieden fest, daß die mehrjährige Lehrzeit in Sachen fremder Menschen in der Limousine irgendwo gefruchtet hat. Freute mich, daß ich jedem Gesicht - mit Ausnahme eines stark retuschierten der aktuellen deutschen Kanzlerin (sie ist mir einfach nicht geheuer) und eines Kunstgesichtes eines Hollywood-Stars - viele interessante Eigenschaften entnehmen konnte. Rein subjektiv und ohne Vorkenntnis diverser "Zuordnungs-Systeme". Die knallharte Wertung mancher Kollegin schockte mich insofern, daß sie vielen Gesichtern so gar nichts "Bezauberndes" abgewinnen konnten, zunächst. Die nächste Aufgabe war, das relativ glatte und auf den ersten Blick dadurch unmarkante und etwas undurchsichtig scheinende Gesicht eines etwa 35 bis 40 jährigen Mannes zu beschreiben - jede für sich und schriftlich. Während ich diesem viel Gutes abgewinnen konnte - wurde er allgemein eher für unsympathisch gehalten und durch den Reisswolf gedreht. Im Laufe des Tages - erschien dieser immer wieder als Beispiel für die TCM-Diagnostik von Charakteren - und die übelste Richterin war über sich selbst erschrocken. Gut so!

Obwohl die Limousine für mich doch nur ein derzeit notwendiger Broterwerb ist, war ich ganz dankbar für die Begegnung mit so vielen  Menschen und immer wieder mit meinen eigenen Vor-Ur-Teilen, bei denen immer lernen darf und muß, wieviele verschiedene Menschenerscheinungen es gibt. Und wie falsch ich manchmal liege mir meinen ersten Eindrücken. Wie hübsch und/oder interesssant es sich manchmal entfalten darf - wenn ich selbst einfach offen bin/bleibe für das, was geschieht.

Meine letzte impressionabile Erinnerung war ein Mann mit heftigem "Parkinson" -  der vermutlich von vielen schlicht für debil gehalten würde, wird.  Ich fuhr ihn zum zweiten Mal - habe ein Elefantengedächtnis für Fahrgäste und Gesichter. Nach dem ersten Mal dachte ich noch "Hoffentlich nicht wieder so eine kurze Tour". Beim letzten Mal - habe ich viel dazugelernt zu diesem Menschen. Es ging ein bischen weiter, aber das war nicht das Entscheidende. Das Entscheidende war seine Würde - .und damit waren wir beide glücklich. Er fragte mich, ob ich lieber Kleingeld oder Scheingeld wolle - ich sagte ihm: "Das ist mir wurscht - machen Sie das, wie Sie möchten - manchmal ist Kleingeld sehr hilfreich." Er schaute mir beim Aussteigen direkt in die Augen und ich konnte ein lebendiges Funkeln vernehmen. Er riet mir - wie schon viele zuvor - besser nicht älter zu werden ... Älterwerden sei Scheiße ... und wir lachten zusammen. In dieser Un-Kultur - ist das sicher nicht leicht.
War auch kurz Thema beim Workshop - und ich sagte ebendies: In anderen Kulturen werden alte Menschen geschätzt - bei uns - entmündigen die sich sogar selbst. Auf dem Weg nach Hause hielt ich noch an einer Supermarkt- Kette, die zumindest hier in der Kolonie quasi in türkischer Hand ist - und dort erlebe ich immer wieder ganz andere, herzlich und respektvoll anmutende Gespräche zwischen Jung und Alt (verstehe kein Wort, nehme nur die Schwingungen wahr) - heute mit dem "Baba", der dort einkaufte und den normal-zackigen Betrieb aufhielt, indem er viele Worte mit dem sehr freundlichen zweisprachigen jungen Mann an der Kasse tauschte .... eigentlich eine Zwillingssonnen-Gedulds-Probe - aber ich lerne gerne für mich daraus, wieder etwas langsamer und vielleicht "menschlicher" zu werden. Schaute diesem "Alten" noch sehr direkt ins Antlitz -  und fand einen klaren, scharfen Blick, nichts Entmündigtes.

Fazit - es gibt durchaus sehr interessante und aufschlußreiche Aspekte bei dieser Kunst, in Gesichtern zu lesen. Aber sie sollte mit der gebotenen Vorsicht und Zurückhaltung ausgeübt werden. Keinesfalls mit einem "Absolutheitsanspruch". Besonders von solchen, die glauben, sie könnten Heiler für Andere sein, doch bislang verabsäumt haben, sich erst einmal selbst in den Reisswolf zu begeben und gut durchdrehen zu lassen.

Schreiberitis umleiten ...

Seit einiger Zeit habe ich wieder mal "Schreiberitis". Es drängt mich dazu, zu schreiben.  Nur, was da rauskommt, ist nicht das, was mich wirklich bereichert. Das "Sujet" fehlte - bis heute. Eigentlich war es schon da, wurde aber wieder verworfen. Die Taxi-Begegnungen sind es nicht, die wabern nur noch am Rande herum. Immer wieder hatte ich daran gedacht, lustige Geschichten aus meiner "spirituellen Karriere" zu schreiben, doch auch die sind es nicht. Überhaupt - sind es nicht unbedingt Geschichten, die mich rufen. Ich erlebe ja genug davon und mehr, als mir manchmal lieb ist,  beim Broterwerb.  Zudem lese ich seit vielen Jahren keine Romane, weil ich das Leben selbst viel spannender finde als fiktive Geschichten.
Also werde ich jetzt etwas schreiben, was nützlich, sinnvoll und hilfreich ist und bei dem vor allem ich selbst jede Menge lernen und vertiefen kann: Einen praktischen Selbsthilfe-Blog. Da kann ich alle Komponenten, die mir lieb sind, einfliessen lassen und vielleicht liest das sogar jemand und probiert es einfach mal aus. Ohne Ärzte und Medikamente und am besten ganz ohne Krankheit. Diese wundersame Blasenentzündungs-Schnellheilung vorgestern und das Seminar gestern haben das auf Seite gelegte Projekt nochmal befeuert. Mal sehen, ob es gedeihen möchte. Heute gibt es nichts weiter zu tun, als mir einen Blogtitel auszusuchen und  vielleicht ein passendes Design.

Kleine große Freuden

Hole ein nettes Ehepaar in edler Abendrobe ab in einem der betuchteren Viertel der Kolonie. Sie fragen, ob ich ihnen wohl einen Gefallen tun könne, indem ich nochmal hupe beim Losfahren, für die Kinder - die würden sich freuen. Ja, klar, mach ich sehr gerne, hupe zweimal kurz und sage "Wenn es so leicht ist, Kindern eine Freude zu bereiten, hupe ich gerne noch viele Male". 

Gestern abend komme ich nach Hause und sichte ein offenbar vergessenes Schlüsselbund auf dem offenen Briefkasten der Vermieterin. Ich schließe den Briefkasten ab, nehme die Schlüssel und bringe sie hoch. Ein junger Mann öffnet, freut sich über die gebrachten Schlüssel, die sie schon vermißt und gesucht hätten und recht  mir die Hand mit einem "Sie sind ein Schatz." Kurz darauf klingelt es und die Vermieterin steht glücklich vor der Tür, um sich erleichtert nochmal persönlich zu bedanken.

Das - ist es:. Die unerwarteten, kleinen Momente der Freude, die das Leben versüßen. Die einfachen Dinge - nicht die Megaprojekte. Wünsche allseits sonntägliche Momente des Glücks.

Freitag, 20. Januar 2012

Selbsthilfe und Selbstheilungskräfte

"Der Vater sprach zu seinem Kind: Mein liebes Kind, wenn Du in Deinem Leben je eine helfende Hand brauchst - dann findest Du eine am Ende Deines Arms." Habe schallend gelacht, als ich das vor vielen Jahren erstmals hörte. Was vielen ArtgenossInnen brutal erscheint - ich fand´s genial.
Heute morgen fiel mir dieser Spruch wieder ein - nachdem ich "mal eben" eine akute und sehr überraschende Blasenenzündung mit ein wenig Erinnerung an Gelerntes innerhalb weniger Minuten lindern konnte. Ein paar Handgriffe und Druck auf entsprechende Reflexzonen im Gesicht, ein bischen Strömen des Zeigefingers, der u.a. Blase und Niere reflektiert ... und ich war schon gut über den Berg.  Hatte erst einen Schreck, heute nicht fahren zu können, denn ich habe mir dieses WE eh schon freigenommen für ein weiteres Seminar in dieser Richtung: Selbstheilungsmethoden mittels Multi-Reflexologie - simpler: Du bist Dein eigenes Gesamtabbild an unzähligen Zonen Deines Körpers . Jetzt freue ich mich drauf und die vielen Gedanken alá  "Wozu mach´ich das eigentlich?" - waren verflogen durch dieses Wunder kurz nach dem Aufstehen. Dann löste sich noch eine uralte Konditionierung restlos auf: Die, daß mensch Tabletten nehmen müsse. Ich nehme eh keine mehr seit Jahren - doch es dachte erst in Panik: "Oh, da mußt Du gleich sofort in die Apotheke und diese Kapseln mit Bärentraubenbläter-Extrakt besorgen - die helfen."  Und dann - war da einfach die Entschlossenheit, gar nichts von Außen zuzuführen, sondern weiter mit den Händen und den Selbstheilungskräften zu arbeiten - ausschließlich.
Habe also schnell noch ein "Werkzeug" für die Bearbeitung der Reflexpunkte bzw. -zonen im Gesicht eingepackt - und den Tag bestens überstanden. So sitze ich also wieder mal in der Limousine und wurschtel mir im Gesicht rum, mache Selbstexperimente - und staune nicht schlecht, wie einfach es sein kann.
Ab und zu schickt mir das Leben solche goldenen Selbstexperimente, damit ich die Wirkung dieser uralten Techniken am eigenen Leib spüre. Sonst - könnte ich es auch niemanden glaubhaft weiterempfehlen. Mit Hilfe von Jin-Shin-Jyutsu hatte ich mir vor einigen Monden binnen zwei Tagen eine entzündete Warze auf sanfteste Weise weggeströmt, was nicht zum Körper gehörte, fiel einfach ab. Steine tun auch Wunder. Mensch kann das vermutlich nur glauben, wenn er es erlebt - wir sind ja meist "Ärztehörig" oder brauchen zumindest "externe Heiler".
Diese wuchernde Heilerszene, die meist nur die Anderen für unheil hält, geht mir allerdings ziemlich gegen meinen Strich und ich habe für mich schon lange klar, daß das einzige, was ich vielleicht noch weitergeben möchte, Hilfe zur Selbsthilfe ist. Daher - sind solche Eigenexperimente für mich ein Segen und eine gute Erinnerung.
Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, daß mensch lediglich einen gesunden und geschärften Geist benötigt, um sich wieder ins Lot zu rücken. An diesem - habe ich aber noch reichlich zu schleifen.
Ein perfekter Tag - trotz Unbilden.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Auf der Insel selbst ....

... gibt es "Havanna-Style" und "Matanzas-Style" .... unterschiedliche Konversationen zwischen den drei Batá-Trommeln. Rein historisch bedingt - durch die unterschiedlichen Sklaven, die dort anlandeten und ihre Kultur zu pflegen versuchten, so gut es ging. Kurz gesagt. Wer nach Cuba geht - sollte versuchen, beides zu erleben - bzw. auf jeden Fall auch nach Matanzas zu kommen. Viel Stolz haben die Menschen auf der ganzen Insel bewahrt - stehen zu ihrer Kultur, zu ihren Wurzeln. Und - können diese spielen, singen und tanzen - aber auch sehr differenziert verbal berichten. 
Sie hiellten ihre Götter lebendig. indem sie den katholischen Götzen ein afrikanisches Mäntelchen überwarfen -  Stichwort "Synkretismus". Da man ihnen ihre poly-rhythmische Göterkultur zu verbieten suchte - fanden sie einen sehr gewieften Weg - um ihre Götter lebendig zu halten: Sie transferierten ihre Götter in die katholischen Heiligenfiguren. Ich finde das sehr sehr klug ... und wer weiß, welchen Hintergrund so manche "katholische Messe" auf dem Planeten in der Tat hat .....
Und es gibt es noch eine "Feinheit" - jeder darf mitsingen - in der eigenen Tonlage - auch, wenn es zunächst nicht harmonisch klingt.
Was aus alldem hervorkochte - ist wunderbar. 

Nur - damit die Grundlagen mal klar werden ...

Hahaha .. 
Keiner hört dem anderen zu.
Hier geht´s besser.
Mit der Kommunikation - increibile ese senor peqeno.

Mulla Nasruddin´s Lösung von Finanzkrisen

An den Markttagen stellte sich Mulla Nasruddin auf die Straße und ließ sich zum Idioten abstempeln. So oft ihm die Leute auch eine große und eine kleine Münze anboten, er wählte stets die kleinere.
Eines Tages sagte ein wohltätiger Mann zu ihm: "Mulla, Du solltest die größere Münze nehmen. Dann hast Du mehr Geld, und die Leute haben keinen Grund mehr, Dich auszulachen."
"Das mag wohl wahr sein", sagte Nasruddin, "aber wenn ich immer die größere wähle, werden die Leute aufhören, mir Geld anzubieten, um zu beweisen, daß ich blöder bin, als sie. Dann hätte ich überhaupt kein Geld." (Sufi)

Im Rahmen meiner weiterhin andauernden Rundum-Entrümpelungs-Aktion saß ich neulich den ganzen Tag ungeduldig in der Limousine und konnte es kaum erwarten, endlich nach Hause zu kommen - um mit der Arbeit anzufangen. Diese findet auch über viele Stunden am PC statt - daher kann ich mich zwischendurch immer mal bei einem kleinen Posting erholen. Es scheint also, zumindest in einem guten Lauf, keinen Energiemangel zu geben. Es sei denn, mensch glaubt dran.
Wenn ich mit allem durch bin, werde ich über Nasruddin´s Methode nachdenken - die scheint mir recht klug zu sein.

Koloniale Hinterhof-Geräuschkulisse

Regentropfen fallen leise trommelnd bei wieder milden 11 Grad vom grauen Himmel, in der Ferne rauscht ein Zug über die Gleise und ein heller Ton ist zu vernehmen. Ist es die Hupe, Tröte (wie heißt denn das bloß bei einem Zug ......) - oder ist es die opernsingende Nachbarin im dritten Stock, mensch weiß es nicht genau.  Die Amsel trällert fröhlich und der Wind tanzt in mildem Rausch durch die Hinterhöfe. Ein kurzer Moment der Stille.  Dann wieder ein hoher Ton ... es war nicht das signalgebende Teil (Horn?) vom Zug, es ist die Opernsängerin, sie übt bei offenem Fenster. Mit ihrem Mann zusammen, der auch Opern singt. Etwas tiefer, aber auch so anstrengend-gepresst-klingend. Mein Sujet ist das nicht. Was für ein Glück, daß die drei Etagen über mir wohnen und nicht direkt Wand an Wand. Musik kann schließlich auch zu Folterzwecken verwendet  werden. Habe mich inzwischen an die trampelnden Kinder über mir gewöhnt - ziehe diese dem schmetternden Gesang vor und weiß, daß sie tagsüber immer weggebracht werden und abends früh zu Bett gehen werden.
Hier geht es zu einem höchst erbaulichen Text, den mensch bei Clara Himmelhoch lesen kann - es geht um Kinder, Kindheit und Helden, zu Zeiten, als die Kinderwelten noch Freiräume boten.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Song for my Grandfather ....

Einfach nochmal "Danke" an die nicht wirklich musikalisch-aktiven Ahnen, daß sie mir das ganze Leben offengelassen haben - in jeder Hinsicht. Der einzige musikalische Mensch in der Ahnenreihe soll mein mir unbekannter Großvater gewesen sein, der am Wochenende ein Trichtergrammophon im Garten aufgestellt haben soll, um zu tanzen ... danke an diesen - unbekannterweise. 

Lieber Bruder Hermes ....

... lange habe ich an Deine Absolutheit geglaubt - bis die Erleichterung kam, mittels weniger Zeilen im Tarot-Heftchen von einem gewissen Robert A. Bergh zur Karte XI - hier: "Gerechtigkeit". Nein - es ist nicht einfach "Oben wie unten" oder "Innen wie Außen". Der Herr Bergh schreibt zu diesem "Spiegelgesetz", daß die Wahrnehmnung sowohl direkt wie umgekehrt als auch verzerrt sein kann. Und mit diesen wenigen Worten -  hat er Deine doch recht absolute Aussage aufgehoben. Die mich lange am Grübeln hielt - wo Du doch sonst eher flexibel bist.

Nochmal Flötentöne ...

Heute als freundliche Hommage an meine ehemaligen "Erziehungsberechtigten", von denen ich öfter hörte, sie würden mir "die richtigen Flötentöne schon noch beibringen." Ich glaube oder weiß inzwischen - daß es eher so ein sinnloser Satz aus der eigenen Hilflosigkeit heraus war. De facto - hatte ich es ganz gut mit ihnen erwischt - und die meisten Drohungen blieben ohnehin leer. Hier also ein Lied mit Flöte für Euch, liebe Ahnen.

Vom gleichen Stamm

Ich bekomme die "Lokleitung" auf´s Display, sehr erfreulich. Halte mich an der Peripherie des Messebetriebes, da gibt es schöne andere Aufträge. Dieser hier kommt zügig - wir fahren öfter die Lokführer der Bahn von einem zum nächsten Einsatzort, damit sie ihre Anschlußtouren erwischen. Mit diesem hier ergibt sich ein angenehmes Gespräch, er ist aus meiner Generation und dazu aus dem gleichen "Stamm". Er lebt einen Traum von mir, wohnt in einem Haus am Waldrand und heizt mit selbstgehacktem Holz. Hat so einen Kochofen und ist damit auch autark, wenn mal ein hübscher Stromausfall kommt, was wohl bei ihm tatsächlich auch eintritt, wenn beispielsweise Schneemassen wir im vergangenen Jahr die Stromleitungsbäume umhauen. Wir sind uns einig, daß ein Mensch sich durchaus den ganzen Tag über sinnvollst mit einfachen, grundlegenden Dingen beschäftigen kann, ohne elektronisches Zeugs. Leider sind meine eigenen Erfahrungswerte hier noch sehr begrenzt, doch weiß ich ihm von einer Woche auf einem Berg in der Toscana zu erzählen, in der ich Haus und Hof hütete für die reisenden Besitzer, die mir das anvertrauten - ich saß eh fest, da mein schöner alter Peugeot-Kombi den Geist aufgegeben hatte. Der Tag war ausgefüllt mit Hühner füttern, Stall sauber halten, in die Landschaft gucken, trommeln, dies und das in Ordnung halten. Es fehlte an nichts, im Gegenteil, es war ein viel selbstverständlicher verbrachter Tag und Nächte mit mehr als üppigen Sternenhimmeln. Ich schlief trotz garstiger Mückenbisse am liebsten draußen. 
Er - lebt in seinem Traumhäuschen, zu dem er per Zufall kam. Doch auch er - darf nicht nur glücklich sein darüber, da seine Frau es nicht wirklich immer ist. Soviel nochmal dazu, daß jeder sein eigenes, kleines Päcklein tragen darf.
Wir freuten uns gemeinsam etwas hämisch auf den Tag, an dem es einen großen Stromausfall gibt und die Menschen - verloren an sich selbst - wirr umherlaufen, weil PC und Handy ausfallen. Redeten über die Smartphone-Generationen, die sich derzeit wie eine seltsame Seuche ausbreiten. Alles gucken sie nach bzw. "vor" auf ihren Geräten, es gibt keinen Platz mehr für Überraschungen auf dem Planeten, selbst in der Wüste werden süchtig die neuesten E-Mails gecheckt. Er ist Motorradfahrer und früher immer nach Karte gefahren. So wie ich auch, mit dem Auto und mit der Limousine. Heute - für die meisten nicht mehr vorstellbar, nach sehr wenigen Jahren, seit es Navis gibt. Kein Raum mehr für Abenteuer und Unerwartetes. Kontrollsüchtige Eltern statten ihre Kinder mit diesen Dingern aus, um sie jederzeit "backtracken" zu können - eine komplette Horrorvorstellung für beide von uns, die wir noch relativ unkontrolliert unsere eigenen Erfahrungen machen durften - als "freilaufende Kinder" und in der seinerzeit wilden Welt des Heranwachsens. Viele Sinne verkümmern durch den Elektronik- und Allesvorherwissenwollen-Wahn. Selten steigt noch ein jüngerer Zombie ohne sein Smartphone in die Limousine, auf dem er dann permanent irgendwas antippt - was ich nicht wissen muß und will. Eine Art Seelenverkauf gegen meist unnütze Information. Und dazu - haben diese Teile nicht einmal die Funktion, sie wirksam abzuschalten. Backtracking rund um die Uhr. Mit einer jungen Frau unterhielt ich mich neulich über diese Tatsachen und damit über eine völlig neuartige "Gestasi", der die Menschen auf diese Weise auch noch freiwillig alles preisgeben - und ihr war das völlig wurscht. Es gibt kaum ein Bewußtsein über die Kontrollmöglichkeiten und -mechanismen, die  dadurch wie eine Lawine in die Hände von möglichen Übelgesinnten gespielt werden.
Absurde Begrifflichkeiten wie "Transparenz" und "alternativlos" werden den Zombies so lange um die Ohren gehauen, bis die dran glauben. Seit wann - ist das Leben "alternativlos"? Die Tatsache, daß das Leben immer ganz anders und weit gewiefter spielen kann, als irgendwer glaubt, läßt mich weiter optimistisch sein - trotz wachsender Zahl an in Elektronik-Trance durch die Kolonie wandelnder Smartphone-Zombies. Und hier und da - hat die Vernetzung auch unbestritten ihr Gutes. Der-/die ein oder andere Zombiene - ist wachgeworden, indem er/sie mal ein paar überraschende Seiten geöffnet hat, die das bisherige Weltbild erschütterten.
Es tut mir gut, an diesem Tag einen von meinem Stamm zu treffen - sie sind rar geworden.
Ich habe mich verquatscht und bin reflektiv gefahren ... muß nochmal wenden. Ist uns beiden wurscht, es ist eh eine Festpreis-Fahrt, niemand zahlt drauf. 
Zum Ende gibt es nochwas zu lachen - auf dem DB-Gelände kommt uns ein DB-Transporter mit zwei sehr urigen, langbärtigen Lederjacken-Trägern entgegen, sehen aus, wie eine Delegation der "Hells Angels". Wir müssen beide lachen - und er erzählt mir noch eine witzige Geschichte von einem taxifahrenden Rocker-Bezirkschef  in seiner Gegend ... irgendwie muß so einer ja auch sein eigentliches Gewerbe tarnen.

Dienstag, 17. Januar 2012

Nochmal eine Hommage an den Zaunreiter

Aqualung -  Als die Zäune noch nach allen Seiten offen waren ...
ein herrlich Verrückter
darin gut Vertrauter
und ein Sehender

Von einem perfekten Tag ...

... erwartest Du nichts - und er bringt Dir unerwartet viele Geschenke. Sonst verschlossene Seelen öffnen sich und lassen Dich wissen - daß alles im gleichen Rhythmus tickt. Du weißt wieder sehr gut dein eigenes, kleines Päckchen zu tragen. Schritt für Schritt - geht es weiter inmitten des Un- und Irrsinns.

Der perfekte Tag .....

... ist der, an dem Du Dich über all die Wunder freust, die vor Deinem Auge erscheinen.
Jetzt - habe ich schon wieder mindestens zwei perfekte Tage erlebt, auch dank einer - meine immer noch währende Naivität - bestätigenden Bemerkung von einem relativ unbeschwertem Heranwüchsigen, der mich seither durch viele ungezählte Tage kraftvoll begleiten wird.
Er ist mein erster Fahrgast an diesem Morgen.
Ich geniesse seine unverdorbene Freude über die Welterscheinungen sehr.
Wir bewundern gemeinsam schwelgend die Corona der Mondin und reden über zu- und rückläufige Mondsicheln ... die Sonne kündet sich mit ihrem farbenspielenden Licht am Horizont an. Raureif liegt auf den Wiesen, die jenseits der Autobahnabfahrt unschuldig schimmern .... Dieser frohgemute etwa Dreizehnjärige sagt:
Ein perfekter Tag !!!
Ich stimme ihm liebend gerne zu - freue mich über soviel wunderbare Resonanz - und frage mich am Ziel, wieso ich wohl gerade diesen hellen Sonnenschein in eine sogenannte "psychiatrische Tagesklinik" fahre? Ist er vielleicht zu gut drauf  für die Kaputten um ihn herum?
Mich - wird er noch sehr lange gut begleiten und mein Herz erfreuen in seiner eigenen freudigen Unschuld, die Welt mit all ihren Erscheinungen in sich aufzunehmen. Wir staunten auch unschuldig zusammen über die vielen Autos und Menschen, die da jeden Morgen unterwegs sind.
In dieser "psychiatrischen Kinderklinik" ging ich dann noch zur Toilette - und grüßte auf dem Weg zurück zur Limousine ein vielleicht sechsjähriges Wesen beim Rausgehen mit einem freundlichen "Hallooo" .... es hatte bereits eine sorgenvolle, zusammengekrampfte Gesichtsmuskulatur. Ein schönes Kind .... ich fragte mich - wer zum Teufel bereits über diese unschuldigen Seelen richtet - sie seien nicht "in Ordnung".
Weißkittel wedelten wichtig um diese Wesen herum.
Eine völlig verrückte Welt -
und doch jedesmal ein perfekter Tag.

Vielleicht groovt es doch noch? Zumindest anders ...

... habe mit der Tänzerin und dem für mich durchaus segensreichen Knöpfedrücker gesprochen. Zunächst mit der Tänzerin selbst -  die mir nochmal einige Denkspiele aufgab, von wegen - ich solle doch mal bei mir nachschauen (was ich ohnehin und grundsätzlich zuerst tue) und ggf. derartige Herausforderungen annehmen .... im "zwischenmenschlichen Wachsen " quasi. Ich hörte ihr aufmerksam zu, da ich weiß, daß sie eine kluge Frau ist. Reflektierte also nochmal - was glaskklar war: Kein Groove! Ich schrub es ja schon: Ich will GROOVE! Von mir aus auch mit Arschlöchern, das ist mir egal - ich diene dem Spiel (der Musik und dem Leben) selbst.
Aber es muß diese Musik da sein .... diese "Harmonie" - die in die Dimensionen trägt, in der sich all diese Spiele per se auflösen. Ich suche hier nicht nach Menschen - sondern ich will die Essenz selbst erleben! Und - das weiß Gott - habe ich schon genug probiert .... mit Menschen und Selbstreflektion. 
Ich schrub also eine SMS - das ich nicht dabei sein werde. Heute ein Rückspiel. Nachdem ich für mich alles sehr sonnenklar habe und hatte. Ich hatte defintiv abgesagt. Darauf - hat sie dem "Kollegen" abgesagt - da dieser nicht alleine spielen wollte und niemand mitzubirngen weiß. Dazu - fand dieser Knöpfedrücker unser mechanisches Zusammenspiel wohl auch noch als irgendwie bereichernd .... hmmhhh.  Beide anderen - fanden das gut. Ich nicht.
Siehe oben unter "Groove"- Und daüberhinaus will ich aus dieser Nummer raus - Zuspieler zu sein. Will nur noch das tun, was aus meinem eigenen Bauch heraus kommt.

Ich lasse mir von der Tänzerin die Nummer des Trommlers geben - das muß und kann nur direkt gelöst werden. Rufe ihn an  - und wir reden über die beiderseits gedrückten Knöpfe ... Da schau her - ich war gar nicht im allzu falschen Film - im Gegenteil, er schildert mir meine eigene Wahrnehmung. Nur dieser alberne, völlig   unangebrachte "Machismo" - hat mich abgetörnt.
Ich habe keine Ambitionen, alleine zu spielen - im Gegenteil, ich freue mich über Zusammenspiel. Vielleicht - bin ich für meine Mitmenschen zu unbedacht - ich bin einfach sehr direkt - in jeder Hinsicht. Und: Ich will spielen - alles Andre ist mir zunächst mal wurscht - und dafür lasse ich liebend gerne alle Konventionen außen vor.
Mein Instinkt bestätigt sich: "Greenhorns" reden zuviel .... - wobei es auch noch ganz andere Typen gibt, die zuviel reden ...Zwillingssonnen vielleicht auch - manchmal?

Jetzt -"TUE" ich es schon wieder - was ich ohnehin permanent und mein ganzes Leben lang schon TUE - daher bin auch manchmal sehr müde: Auf Andere zugehen und ihre Motive  verstehen. Versuche, eine "freundliche Lösung" zu finden, vielleicht doch nochmal ...  Ich rufe den "Kollegen" an, um diese Irritationen zu klären - oder auch nicht. Es ist ein friedensreiches Gespräch - in dem er offen über seine Angespanntheit berichtet - die ich deutlich und körperlich spürbar - aufgenommen hatte -  und ich bin ganz zufrieden, jetzt nochmal neu auf ihn zuzugehen. Heute - schien er mir sehr sympathisch und einfühlsam ... hahaha. Hatte sich sogar sehr über meinen sehr direkten Anruf (via Telekommunikationsmittel ) gewundert und gefreut, findet das "mutig". Hmmhh ... für mich sind ganz andere Sachen "mutig". Zum Beipiel hier: Bei mir bleiben und nicht schon wieder einen halbherzigen Kompromiss finden. Er - hätte sich wirklich gefreut über einen neuen Anlauf, wir hatten sogar einen Termin gefunden, um nochmal neu zusammenzukommen.  Aber ich merke es - ich will nicht wirklich. Die Luft ist raus. Und ehrlich gesagt - war der Anruf für mich selbst wichtig, nicht für Andere.
Fazit: Ich spiele nicht zum Workshop - keine echte Lust mehr. Und - ich darf mich noch mehr als bisher auf mein Bauchgefühl und alle anderen Wahrnehmungen verlassen. Dafür hat sich der Einsatz gelohnt.

Sehnsucht nach unbezähmbaren Barden und -Innen....

In künstlich-erbärmlich-ärmlich-durchgestylten Zeiten, in denen Stars "Lady Gaga" heissen - und mir auch auf den Punkt "gaga" erscheinen, samt dranhängendem Kommerzapparat -  sehnt sich meine Seele nach neuen Barden wie diesem hier, der - zuvor derart unerhört - mit seinem Insrument die Elemente durcheinanderwirbelt und Geschichten erzählt. Meine erste LP seinerzeit, frühpubertierend. Nach gut vier Jahrzehnten  später - frisch wie eh und je.

Das Original - immer noch zu finden - was sicher einen guten Grund hat - da wird die Geschichte über zwei LP-Seiten lang erzählt in allen Einzelheiten. Ian Anderson und Jethro Tull - Thick as a brick - etwa "Dumm wie Bohnenstroh" zu deutsch ....
Oder literaler übersetzt "Begriffsstutzig wie ein Backstein". Muß sich als Musikwerk nicht einmal vorm Herrn Bach verstecken. Ja, habe ich schon mal verrlinkt vor mir nicht mehr an der Zahl bekannten Monden - ich glaube, ich werde es wieder tun.
Solche Musiker wie Ian Anderson sollten mal diversen aktuellen "Superstars" die richtigen Flötentöne beibringen ... *

*: Ehemals von vielen und desolat unmusikalischen Eltern benutzte, Unheil androhende Redwendung:  "Dir werde ich schon noch die richtigen Flötentöne beibringen:"  Hahaha ... sie wußten gar nicht , welche Töne sie da wirk-sam und tat-sächlich ansprachen.

Sonntag, 15. Januar 2012

Gediegen und äußerst angenehm - reines Balsam

Heute vormittag fuhr ich einen älteren, einheimischen Herrn zu seinem Wunschziel. Bereits am Telefon - er meldete sich über die Rufsäule am Halteplatz - konnte ich eine sehr bodenständige, sehr ruhige Art heraushören, die mir sehr wohl tat. Ich bin immer noch "zu schnell" und "zu ungestüm". Solche Leute sind wie balsamischer Baldrian, wohlig warm und sonnig. Ich genoss es also - und ging gerne mit ihm in eine sehr gelassene Atmosphäre. Wir unterhielten uns über diverse aktuelle und vergangene Bauprojekte  in der Kolonie, er kannte sich gut aus damit. Dafür kannte ich den Weg doch noch besser als er, obwohl ich zuvor einen kurzen Blackout hatte. Eine dieser Strassen, die ich regelmäßig mit einer anderen verwechsle - immer wieder der gleiche Knoten im Hirnapparator. Aber wenn ich´s wieder hab´, dann hab´ich´s auch.
Beim Aussteigen bedankt er sich herzlich und sagt "Es war sehr angenehm mit Ihnen". Ja, das gebe ich ihm gerne zurück, ich hab´ ihn auch genossen.  Mittags noch so eine Sonne, diesmal eine Frau. Ich erzähle ihr von einer sehr interessanten Radiosendung, der ich die Stunde zuvor aufmerksam lauschte. Thema war, wie RichterInnen mit dem menschlichen Zwiespalt zwischen ihren eigenen Emotionen und der erforderlichen Beurteilung der reinen Beweislage umgehen. Empfehle ich hier mal wärmstens als Podcast weiter, Titel ist "Im Namen des Volkes". 
Auch interessant im Hinblick auf die zuvor genannten "Scheiß-Spiele" in Sachen Macht und Profilierung, im Feature u.a. auch "Hahnenkämpfe" und "kleinliches Kasperltheater" genannt. Und es geht um "Urteile" ...

Samstag, 14. Januar 2012

Eigentlich - ist Älterwerden eine ganz entspannende Angelegenheit ....

.... du kannst einfach deine Akzente da setzen, wo du willst und wo sie für dich angebracht sind.
Die Erwartungen sind scheißegal geworden.
Nichts mehr zu beweisen.
Changuito ist einer "der Meistertrommler" - und ich habe nicht den Eindruck, als habe er es hier noch nötig,  etwas anderes zu tun, als einfach nur das zu spielen, was ihm gerade kommt.

lustvoller frevel

...  in den meisten esoterischen oder "heiler"-kreisen gibt es ein dogmatisches "elftes" gebot:
du sollst keine urteile fällen und/oder haben.
das ist ein weiteres, sinnloses gebot - soweit es meine erfahrung betrifft. ich sage - mittlerweile gelöst von all diesen lustigen ideen: nutze das schwert deiner wahrnehmung. und wenn es stumpf geworden ist - mach es wieder scharf. das war - natürlich -  ein reines selbstgespräch ......
Hommage an OYA, auch Kali ...
meine liebste Göttin in den Pantheen - und sicher nicht nur lieblich

Einlenken oder draufhalten? -Hier: Draufhalten ...

Das Jahr beginnt für mich mit einigen Artgenossen, die mir sämtliche, alte Knöpfe drücken, wie ich ja schon schrub ...  was für ein Segen! An dieser Stelle also endlich mal wieder ein herzliches Dankeschön dafür an solche. Das schlimme Wort mit dem ersten Buchstaben des Alphabets am Anfang - sage ich jetzt nicht. Heute hat es mein Gegenüber verwendet und ich habe vornehm Contenance bewahrt. In dieser Woche haben mir "die Männer" meine Knöpfe gedrückt mit ihrem herrschaftlichem Selbstverständnis, mit dem alle übrigen Anwesenden sich "abzufinden haben sollen".  Erst war es der Herr, den ich via Trommeln traf und mit dem kein echtes Zusammenspiel entstand, heute war es einer auf den Strasse der Kolonie, der mir gerade recht kam, da das Fass eh schn aufgemacht war und überlief.
Bis zum frühen Nachmittag ein sehr ruhiger und friedlicher Tag auf den Strassen. Nix los, leider. Wartegeduld längst am Ende, keine Geduldsr-Rserven mehr - was das sinnlose Warten auf Kundschaft betrifft. Nach einer wiederholten Warte-Tief-Trance von etwa einer Stunde kommt endlich ein Auftrag, zum Fruste meines Vordermannes, denn ich habe noch gar nicht die "Spitze", aber die erwünschten Kindersitze. Mein Lesestoff befasst sich ebenfalls mit "Trance-Themen", so fallen mir heute immer wieder die Augen zu und ich träume einen ganzen Schatz an Träumen. Auch nicht schlecht - bringt bloß keine Kohle.
Um zu meinem nächsten Job zu fahren, muß ich durch sehr enge Strassen des Viertels, die erstaunlicherweise noch keine Einbahnstrassen sind, wie sonst überall in der Kolonie. Dazu werden sie auf beiden Seiten zugeparkt bis auf die letzte Möglichkeit, so daß man sich zwangsläufig in diesem Viertel immer mal wieder ausweichen muß. Als ich in eine dieser Strassen auf meinem Weg einbiege, sehe ich zwar das sinnlose "SUV" (große, fette Autos, die Parkplätze für zwei besetzen, gierig Sprit saufen und in der Stadt keine echte Funktion haben, außer der, Geld und Macht zu symbolisieren). Ich fahre aber dennoch weiter, denn das SUV hat auf seiner Seite gleich zweimal eine große, freie Parkbucht, in der es rechterhand  einlenken könnte und wir so beide freie Bahn hätten, uns umfahren könnten. Ich sehe sowas sehr schnell, rein beruflich, ansonsten - hätte ich zurückgesetzt und ihn erst kommen lassen. Jetzt - fängt der Typ aber an, demonstrativen Ärger zu machen. Er bleibt in der Mitte der engen Wohnstrasse  und zieht nicht einen Millimeter Richtung freiem Platz, um genauso demonstrativ vor mir mit seinem höheren Kühler stehenzubleiben und mich auf diese Weise dazu zu nötigen, wild zu rangieren. Ich gucke mir das nochmal an - und bleibe ebenfalls stehen. Wie gesagt - rein technisch gab es kein Platzproblem. Aber nun zog er soweit in meine Richtung vor, daß ich mir einen Wolf hätte lenken müssen.  Er - immer noch genug Platz auf seiner Seite, um unbeschwert einzulenken. So standen wir uns nun gegenüber, Kühler vor Kühler, und standen. Ich denke "Bleib mal ganz ruhig." Die Minuten vergingen, hinter ihm noch zwei weitere Fahrzeuge, die gerne einfach ihren Weg genommen hätten. Nach gut zwei Minuten, die sich in dieser Situation durchaus ziehen können, bedeute ich ihm mit Handsprache, er möge doch bitte nach rechts einlenken. Nichts. Direkt neben mir ist auch eine Parkbucht frei, aber ich komme so nicht mehr rein, bräuchte etwas mehr Raum, um einzulenken.  Er bedeutet mir, ich solle weichen. Es ist ein pures und albernes Machtspiel, aber wie gesagt - es gibt da ein paar Knöpfe auf meinem Akkordeon, die noch gespielt werden wollen bzw. in diesen Tagen vom Leben justiert werden.
Nach gut 5 langen Minuten steige ich aus und gehe zu ihm hin. Er will natürlich Recht haben - verstehe ich ja sogar.  . Er hat aber keines in dieser konkreten Situation. Er beschimpft mich, ich hätte ihn doch genau gesehen und hätte zurückfahren und/oder warten müssen. Ich weiß sogar, was der meint - aber diese Situation ist nicht so. Es geht ums Knöpfe drücken. Er hätte locker einen Bogen um mich machen können, aber wollte es nicht, weil er die Faxen dicke hatte. Deswegen kriege ich auch seine angesammelten Projektionen zu hören "ICH wohne hier. Und das gleiche Spiel erlebe ich mit EUCH ARSCHLÖCHERN  jeden Tag." Ich bin nicht sicher, ob er jetzt alle Autofahrer oder speziell unsere Berufsgruppe meint ... aber ich mag ihn auch nicht. Und habe meinerseits auch eine Menge Ressentiments gegen Typen wie ihn angesammelt:  "Relativ junger und zugegebenermaßen ganz gut aussehender Managertyp, der glaubt, ihm gehöre die Welt und alle Anderen müssen vor ihm weichen."  Dazu noch den eigenen, kindlichen Sohn im Auto, der diesen kurzen, aber nußharten  Krieg miterleben muß. "Aha" - sage ich "Arschloch also auch noch, interessant ..." Setze mich wieder in Limousine und weiß - hier weiche ich keinen Millimeter.  Memoriere das Kennzeichen, von wegen "Arschloch", und notiere es ... eine kleine Darbietung nur (im Moment!), im Grunde will ich einfach den Weg frei haben, um zu meiner wartenden Kundschaft zu kommen. Im Grunde - bin ich auch eher friedfertig. Aber gegen diesen Typen habe ich derartige Ressentiments, daß ich zu Granit werde. Sage meinerseits noch beim Abgang, daß ich das für ein Scheiß-Spiel halte. Highnoon  also - immer noch.
In Millisekunden laufen die gedrückten Knöpfe bei mir durch. Kindheitssprüche wie "Der - bzw. meistens DIE?! - Klügere gibt nach. Ich halte es aber gerade nicht für klug, so einem Typen nachzugeben, also lasse ich es auch. Ich hatte in meinem Leben gute Väter, Mäzene, Männer, die mich gefördert haben, niemals hat mir nur einer von  !diesen suggerieren wollen, daß ich etwas nicht könnte als Frau. Im Gegenteil. Ich stehe also in dieser eigentlich albernen Situation - dennoch zu dem, was gerade ist - nämlich, daß dieser Fuzzi in seinem SUV ausweichen darf - weil er de facto den Raum dazu hat.
Denke auch noch "Herzchen - leg´ ´Dich doch mal mit einem gut-durchtrainierten "Arschloch-Kollegen" aus der Mucki-Bude auf diese schäbige Weise an."
Beobachte mich selbst in der Situation - wenig Übersprudeln - mehr Entschlossenheit. Gut! Keine Kohle - aber wieder was gelernt heute - Wunderbar!
Nach vielleicht acht Minuten - hahaha - kommt mir das Leben selbst zur Hilfe und löst die Sache, recht zügig und zu meinen Gunsten: Ein älteres Ehepaar auf meiner Seite möchte gerne ins Auto einsteigen und losfahren. Von der anderen Seite gesellt sich ein Anwohner dazu und fragt, was denn eigentlich los sei? Ich stehe wieder vor der Limousine und sage "Der Mann möchte nicht zur Seite fahren - er möchte, daß ich es tue - obwohl für ihn  offensichtlich leichter ist."  Der Anwohner redet nochmal mit dem SUV-Typen - und dieser möchte wohl sein Gesicht nicht verlieren, fährt also nun endlich ein wenig .... auf die Seite. Aber nur genau soviel, daß ich gerade ein paar Dezimeter weiterkomme, er fuckt also immer noch rum - für die Anderen nur mit aufmerksamem Blick sichtbar.
Nicht, daß das etwa mein "Hoby" wäre, mich mit derartigen Schnuzzis anzulegen - aber was sein muß, muß sein.
Und ich sehe solche auf den ersten Blick doch sehr albernen Situationen auch in ganz anderen Dimensionen und Zusammenhängen ... Sicher bin ich auch eine "Prinzipienreiterin" in solchen Situationen. Keine "Emanze" - das haben Frauen gar nicht nötig. Das - habe ich für mich nie angezweifelt, das Menschen nicht besser oder schlechter sind als andere Menschen. Dieser Schnuzzi - hat mich vermutlich nicht einmal als Taxeuse registriert im Anbeginn seines - und dann auch meines -  "Machtspiels".  Darum geht´s - um diese Scheiß-Machtspiele ... wie auch immer sie geartet sein mögen. Reichlich - wenn es sein muß, auch albern - in Zeiten des sterbenden Mammons.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Ahnen und Götter

Musik und Lieder - verbinden mit Ahnen und Göttern - eine Verbindung zu den "Ahnen" - oder zu Deinen eigenen Wurzeln. Nenn es anders als ich - ist egal. Als ich die Tänzerin frage - ob es ok ist, wenn ich  - wie zuvor - die (afrokubanischen) Götter via Lied einlade - muß das erst mit dem "deutschen Schamanen" besprochen werden. Hmmmh .... zuvor war es  willkommen und sogar geschätzt und geliebt von den Menschen ... ich werde das nicht verhandeln. Entweder - ist es nach wie vor willkommen - und füllt die überraschten und sehnsüchtigen Seelen - oder eben nicht. Es ist kein Handel!
Der "deutsche Schamane" fragt mich, ob ich mit den Göttern der "Santería" gut bin.
Ja! Bin ich! - Mit den Orishas? - Ja! Das sind ...  wie sag ich´s bloß ...meine Freunde.
Er hat wohl Angst, gibt sich aber herablassend und skeptisch.
Fragt nochmal nach - Orishas? Obatalá und so?`
Redet von "Zauber" .... ich muß lachen.
Ja - sage ich, genau die!
Und ergänze - Elleguá ist auch Hermes und Merkur, Zeus ist Jupiter und Shangó und Shiva. Oshun ist Freya, Venus  und Aphrodite. Du findest sie in jeder Kultur auf diesem Planeten, die gleichen bzw. sehr ähnliche Götter. Ayay, Yemaya - was für ein "Schamane" ist das denn? Ich denke, die bereisen die Parallelwelten und legen sich mit Gewürm und Dämonen an?
Ja - ich spiele mit den Göttern - oder sie mit nir. Sie dürfen mich gerne als Instrument benutzen - weil sie nicht verkörpert sind als Mensch. Und ich - weiß mich gut unterstützt durch diese. Wobei ich halt zunächst denen der "Santería" begegnete - die mich dann auf die Reise durch andere Pantheen schickten, bis ich wieder zuhause war bei Kelten und Germanen.
Ich sage noch "Du könntest ja die Elemente einladen ..." worauf er erwidert, die seien sowieso immer da. Ja, Witzbold - die GötterInnen ja auch. Ich erweise Ihnen mit einem Lied nur eine kleine Ehre und verleihe ihnen kurz eine Form, die auch für solche spürbar ist, die nicht an sie glauben.
Ne, das hat keinen Sinn mit dem Mann.

Übrigens - in unserer aktuellen Unkultur wird ja auch allseits zwei Göttern gehuldigt - dem allmächtigen, strafenden und moralinsauren "Gottvater" und dem unbändigen, unersättlichen Mammon. Für mich - die falschen Kandidaten aus der Vielfalt der Götterwelten - und eher ein Konglomerat aus Dämonen, die sich als göttlich aufblasen.

Trommel-Traumen und Trommel-Segen

Eieiei ... gut, daß ich ein wenig ruhiger geworden bin und mich immer öfter dran erinnere, daß ich lieber Spaß habe, als recht zu haben.  Eine Tänzerin, mit der ich schon mal zusammengearbeitet habe - ich habe gespielt auf ihren Workshops - lud mich erneut ein, diesmal aber zusammen mit jemand, den ich noch nicht kannte. Und er mich also auch nicht. Sie hat gerne auch "männliche Energie" dabei - wobei ich selber sicher bin, daß ich genug davon habe beim Trommeln. Dennoch wußte ich in etwa, was sie meint. Bei den beiden vergangenen Workshops bzw. Zusammenarbeiten waren auch jeweils mehr Männer mit dabei, als es unbedingt üblich ist - und auch ich finde das sehr angenehm.
Im Telefongespräch vorab zur heutigen "Wokshop-Besprechung" sagte ich ihr, daß ich seither nichts mehr gemacht habe. Sie antwortete darauf, daß ihr das keinerlei Sorge bereiten würde, da sie mich ja bereits erlebt habe. Ja, sagte ich darauf, ich mache mir auch keine ernstlichen - aber ich sag´s Dir halt einfach, wie es ist. Wir hatten uns bei den vorhergehenden Workshops kurz vorher über einen "Ablaufrahmen" abgestimmt - und im Grunde sehr wenig festgelegt -  da es bei solchen Zusammenkünften sowieso immer ganz anders kommt und mensch sich ohnehin auf die jeweiligen Gegebenheiten und Menschen einstimmen muß, die dann da sind, wenn es soweit ist. Sie hat ebensowenig Berührungsängste vor einem offenen Raum, vor Improvisation, wie ich. Und beide - legen wir wenig Wert auf allzu enge "Struktur", dafür umso mehr darauf, was sich - teils sehr spontan - entwickelt.
Zwar habe ich viele Jahre in festen Strukturen das Handwerk gelernt - aber irgendwann bin ich daraus ausgeschert. Immer schon - im Rahmen von Spielen und Üben - aber eben im Rahmen eines Zusammenspiels, in dem man zurückkommt in die Form - und dann jemand Anderem den Raum mittels Struktur bzw. "Teppich" - wie es so schön heißt beim Trommeln - einen offenen Raum zu schaffen. So kann man sich die Räume gegenseitig geben oder sich "die Bälle zuwerfen". Um dann irgendwann zusammen zum Thema zurückzukehren.
Mit manchen Menschen ist das ein regelrechter Hochgenuss, manchmal gar orgiastisch. Meist waren es in meinen Begegnugen Profis, die es genossen, endlich mal wieder ihre vorgegeben Muster sein lassen zu können - um wirklich zu spielen. Spielen! So kam dieser Vergleich mit einem Orgasmus auch nicht von mir, sondern von der Profi-Seite.  Tatsächlich gibt es auch manche Musiker, die diesen tatsächlich empfinden beim Spielen. Neulich hörte ich sogar von Mathematikern, denen es so ergeht, wenn sie nach einer Lösung suchen.
Für mich ist das Spielen jedenfalls eine höchst sinnliche Erfahrung, bei der der Denkapparat in den Hintergund tritt. Von einem ehemaligen Kolegen gefragt, was ich denn da eben für ein "Pattern" gespielt hätte - mußte ich gestehen, daß ich keine Ahnung habe. Irgendwas, was die Götter gerade spielen wolten ...  war nicht "von mir". Bereits als "frische Conga-Azubine" nahm ich mir während der Kurspausen in zahlreichen Workshops bei gut 15 Lehrern und Leherinnen in der Mittagspause Zeit, um zu improvisieren, stellte mir einfach mal 5 statt 2 Congas hin und spielte drauf - was kam. Einmal stand einer meiner "Meister" neben mir und schüttelte mit dem Kopf.  Anerkenend - nicht mißbiligend. Es ist ein Talent - welches ich in die Wiege gelegt bekam. Ein ausgezeichnetes Gehör und gute, motorische Fähigkeiten - sowie die Liebe zur Musik, da sie für nicht über Verstandeswahrnehmung läuft. Sie ist nur fühlbar. Dennoch ist Üben Üben Üben wichtig ... ohne das - geht nichts. Auch Muster und vorgegene Srukturen müssen gut gelernt und verinnerlicht  werden- damit mensch später mit ihnen tanzen kann und sich nie verliert.  Das ist wichtig, um immer wieder auf den o.g. "Teppich" zurückzukommen. Ob Du alleine spielst oder mit Anderen. Es gibt immer einen "Grundrhythmus", den Du weiterspielst, egal, was Du "drüberlegst", welche Blumenteppiche sich ergeben. Je besser das alle Mitspieler wissen - desto "verquerer" können alle spielen - um sich doch wieder an einem Punkt zusammenzufinden.
Es geht also überhaupt nicht um irgendein "Ego", welches sich beweisen oder profilieren möchte - für mich geht es um ein Spiel, welches sich um der Musik willen selbst  spielt. Und gut darauf achtet, das der Turm niemals einzustürzen droht. Kann natürlich auch passieren, wenn mal zuviel übertrieben wird  -  führt aber nur zu Lachen, wenn kein "selbstdarstellerisches Ego" dabei ist.
Von je her habe ich es verabscheut, wennjemand sich lediglich persönlich hervorheben und/oder darstellen wollte, wie gut er es doch kann - und wie laut.  Mir geht es um die Schönheit dieses Spiels und darum, daß es mit sich selbst spielen kann - gerne auch orgiastisch. Ich spiele auch gerne durchgehend den Teppich, wenn es dafür gut ist, daß darauf Blumen spriessen.
Nach vielen eher ent-täuschenden Erlebnissen mit Menschen, denen es offenbar nicht um die Musik selbst ging, die sich da entfaltet, sondern eben um Selbstdarstellung und Profilierung, statt um das nicht greifbare Mysterium des Spielens selbst, habe ich noch lange alleine weitergespielt. Was seinerzeit, als ich noch in Übung war und fliegende Hände hatte, dazu führte, daß ich manchmal aus dieser Not an "seelenverwandten" Mitspielern heraus für drei spielte. Irgendwann - hatte ich keinen Proberaum mehr und ließ es ganz sein.
Die Flamme wurde kleiner und kleiner - nicht ob der Musik selbst - und verwandelte sich in kalte Asche.
Das Gehör - blieb. Manches Stück singe ich mit, während ich es zum allerersten Mal höre. Und lache darüber -  daß es sogar harmoniert. Wie gesagt - ich bin es nicht, es ist etwas anderes, was spielt.

Heute war ich also, anch längerer Pause, auf dem Weg zu einem Treffen, bei dem sich zeigen solte, ob die beiden MusikerInnen miteinander harmonieren. Ich nutzte die Gelegenheit, um für mich im Vorfeld zu klären, was ich mir, . wünsche. Mein Wunsch ist immer noch der gleiche: Ich möchte, daß es "groovt". Dabei ist es nicht einmal wichtig, wer was kann und wer wie virtuos spielt  Viel wichtiger ist es, zu hören, was entstehen will und kann. Glücklicherweise hatte ich das für heute sehr klar vor Augen. Es geht mir mit der Tänzerin um die Freude und die Spontaneität, die entstehen kann - wie wir es bereits zweimal auf sehr verschiedene Arten zusammen erlebt haben.  Es hängt von allem ab, was gerade zusammenkommt. Und meine Rolle ist zunächst einmal recht klar: Einen guten Teppich geben für die tanzenden Füße.
Jetzt war es also so, daß sie gerne zwei sich noch fremde Spieler zusammenbringen möchte (im gestrigen "männliche und weibliche Energie" - s.o., was meine "männliche Trommelenergie" betrifft) . Der mir noch unbekannte Mensch hat neulich spontan life gespielt bei einem "Tag der offenen Tür" in dem schönen Zentrum, in dem der Workshop stattfinden soll. Ich habe daher für mich einen guten Anlass, mich nochmals mit all meinen ehemals frustrierenden Erfahrungen im Zusammenspiel mit Menschen zu beschäftigen. Was ich ja oben "schrub" ("Schrub" kommt von "schrubben" - reinigen).

Es gibt Dinge im Leben, von denen ich möchte oder weiß, daß sie wie das Wasser laufen - können. Harmonisch, dem freien Fluss an sich gewidmet, jeglichen Widerstand und eventuelle Hindernisse schlicht umspielend bzw. spielend meisternd. Liebe und Musik gehören dazu..
Soweit mein persönliches Feedback zu diversen vergangenen Geschichten.  Viele nicht erwähnt hier.  Ich habe also gut bei mir selbst nachgeschaut und gehe heute so offen zum Treffen, wie ich es vermag. In der ersten halben Stunde beobachte ich mich und meine althergebrachten Reaktionen aufmerksam ... bleibe da, trotz Fluchtinstinkt. Zuviel Gerede, Theorie, Blabla ...  keine Freude am Tun. Kein Spiel - sondern verkopftes Zeug. Mich hält die Schönheit der vergangenen Erlebnisse mit der Tänzerin am Ort - wir hatten auch noch einen gebuchten Auftritt für einen Geburtstag zusammen, der  mir wieder einfält gerade. In einem afrikanischen Restaurant in der Kolonie. Auf der gegenüberliegenden Stassenseite - standen plötzlich tanzende Afrikaner, lauschten und wunderten sich wohl irgendwie über soviele Blasse, die da ihre helle Freude an ihrem Kulturgut hatten..... Die Tänzerin selbst - hat afro-amerikanische Wurzeln und ist daher schon eine gute Vermittlerin zwischen den Kulturen. ich = ES sang noch ein Lied von den Göttern für die Geburtstagsfrau - und die afrikanischen Restaurantbetreiber nickten mir = den Göttern zustimmend und wissend zu anschließend.
"ich" - kann gar nicht singen (was ich will). Aber ich lasse durch mich singen ... und bin selbst verwundert, welches Volumen dann durch dieses Körper-Seele-Geist-Instrument strömen kann. Gilt aber nur für die Weisen der Götter - bei Popular-Musik versagt dieses Instrument, welches offenbar nur durch die Ahnen ertönt.

Der mir noch unbekannte, potentielle  Trommelpartner fragt mich eingangs, welchen Hintergund ich denn habe. Ja .... also .... angefangen habe ich mit afrikanischen c-Rhythmen, dann habe ich sehr viel Conga gespielt und dann bin ich nach Cuba, um Batá zu lernen." Kurz, sehr kurz, eine Vita kann viele Wörter enthalten - und wenig Rhythmus.  Er - lernt und spielt Malincke-Rhythmen auf der Djembé. Ok ....  Ich spiele was dazu. Sagte zuvor- daß ich das alles gelernt habe, aber nicht mehr in Patterns memorieren kann. Ich spiele quer Beet ... improvisiere. Er spielt diverse Malincke-Rhythmen, ich höre das, erinnere mich. Versuche, mich einfach in das Spiel zu geben. Geht schon ... Nehme mich gerne auch zurück und sage doch sehr laut und deutlich etwas wie - wir sollten mal auf die Bedürfnisse der Tanzenden schauen - und nicht einfach "durchbrettern" auf den Trommeln. Also - eine gewisse Dynamik reinbringen - und uns gegebenfalls  auch zum Wohl des Ganzen zurücknehmen." Die erste Reaktion, die kommt, ist etwa die "Ahja - gut, daß Du es ansprichst, ich trommle ja gerade nur mit Afrikanern - und da wird einfach draufgehauen. Also - ruf mich ggf. zurück." Ich sage "Ruf Dich doch selbst zurück- das ist die bessere Übung" Daraufhin ernte ich massiven Protest! In keinem Fall - würde er sich selbst beschränken und zurücknehmen wollen! Ich denke - dann lass es sein - und lern halt nix. Sage nochmal, daß es mir nur um eine Dynamik geht - mit den Menschen, die dann da sein werden - und um die Dynamik des Moments. Habe keine Lust auf "Durchdrescher". Er spiele aber geade mit den vielen, tollen Afrikanern, wo eben durchgedrescht wird. Tja .....
Es ist keine  naturgegebene männliche Eigenschaft, durchzudreschen - im Gegenteil.
Ich habe schon das Glück genossen - sehr sensible Meister-Trommler zu treffen. Afrikaner, Kubaner ... scheiss-egal. Zu mir sind schon Afrikaner gekommen, die meine Hand schütteln wollten und mir sagten, ich sei die beste Trommlerin überhaupt. Was meine Palm-Herzen in den Händen sehr erfreute.
Der potentielle Kollege von heute - war mir zwar viel zu verstandesorientiert - und meinte "Ja, wir wissen beide, wo die 1 ist"! - ich singe in Claven, in Rhythmen, egal ....... aber er ist tempofest und kann seine Djembe-Sachen gut spielen. Mal sehen - ob oder ob nicht. Er bemerkte treffend - ich würde agnz anders spielen, als er. Ja, sage ich - ich spiele mit den Zwischenräumen, kann nicht auf 1234, das ist mir zu langweilig. Was mich noch mehr erstaunte, war, daß er sogleich dabei war, als ich sagte - daß ich doch lieber Congas statt Djembe spielen will beim Workshop. Djembe - ist mir zu begrenzt im Sound.

Es geht um nichts - und ich habe eine goldene Gelegenheit, mir all das unnötige Zeugs nochmal anzusehen.
Wir haben ganz gut zusammengespielt. Nichts Orgiastisches, eher Mechanisches - schade - aber:  Der Kollege ist tempofest - und sicher - das ist ein guter Teppich - den wir ggf. für die Tanzenden legen könnten.  
Als die Tänzerin uns verliess - um nach einem Termin zu schauen - unterbrach ich weitere, verbale und theoretische Ergüsse mit den Worten: Weißt Du - ich rede nicht gerne soviel über Musik - Lass uns lieber was spielen."  Und es ging ganz gut ...jedenfalls haben sich die Leute vor der Tür sehr gefreut.
Jetzt - nach so vielen Worten - die Essenz:
Als ich nach Hause kam - war ich völlig spannungsfrei. Alle körperlichen Beschwerden und Verspannungen - die ich reichlich angesammelt habe durch die Bewegeungslosigkeit in der Limousine - sind nur durch ein wenig Trommeln abgefallen und alle Kanäle waren frei. Danke für die Erinnerung!
Und: Ich werde nicht mitspielen - heute morgen beim Aufwachen war es sonnenklar!. Weil es halb- bis viertelherzig wäre von meiner Seite und die echte Freude fehlte, es war kein "Groove" da, kein "Feeling". Die englischen Wörter treffen es in diesem Falle besser als die deutschen.
Früher hätte ich mich selbst nicht so wichtig genommen und es nochmal versucht. Und vielleicht nochmal. Jetzt freue ich mich darüber, daß ich mich auf mein Bauchgefühl verlasse und mir weiteres Gekrampfe mit Leuten, mit denen es nicht zusammenpaßt, einfach erspare. 
Ja - stimmt - jetzt habe ich ganz schön viel über Musik geredet .....

Dienstag, 10. Januar 2012

EU-Normen

Gestern kaufte ich beim Inder Okraschoten ..... und diese Köstlichkeiten: Nicht EU-genormte, kleine Auberginen und eine Mango ....  hier mal ein Größenvergleich zu dem genormten Zeugs - es paßt alles locker in meine Hand. Mit doppeltem Geschmack.


Schweigende Konversation

In den vergangenen Monden frage ich manches Mal die Hunde, warum sie sich freiwilig von den Menschen versklaven liessen und sich seither an kurzen Leinen, meist immer noch am Hals, herumzerren lassen. Manche tragen ja wenigstens ein Geschirr um den Körper. Es ist für mich meist grauslich anzusehen, wenn die Menschen ihre Hunde am Hals strangulieren, damit sie "bei Fuß" gehen oder auf ihrem ungeschützten Hinterteil "sitzen".  Ich habe zum Glück auch viele andere Hunde gekannt, die viel Freiraum genossen bei ihren Leuten und keine Leine trugen. Jedenfalls - bin ich seither in stiller Kommunikation mit den Hunden. Sie kommen meist eh, wenn "Herrchen" oder "Frauchen" es nicht verbieten, um mal zu gucken. Aber jetzt ist es lustig geworden - denn sie bleiben sogar stehen, schauen sehr intensiv zu mir zurück und scheinen drüber nachzudenken. Ich meinerseits erhoffe, von ihnen einen fundierten Beweggrund zu erfahren - wofür es sich wohl lohnen könnte, sich selbst zu unterwerfen. Wir reden noch miteinander ...

Ich rede ungern über das Wetter - aber jetzt muß ich doch mal was dazu sagen

In diesem Job kriege ich "irgendwie" sogar in der Stadt die Jahreszeiten und das Wetter mit, da mein Arbeitsplatz ja auf den Strassen liegt. Ich bin also von morgens bis abends "irgendwie" draußen - zwar meist im geschützten Raum einer motorisierten Blechkiste, doch bei Bedarf kann ich ja auch aussteigen. Und wieder einsteigen, falls es draußen zu ungemütlich ist. Ich muß also nicht etwa den Tag in einem neonbeleuchteten Bunker verbringen, was ich fürchterlich fände. Dadurch bin ich es wohl gewohnt, daß Wind und Wetter sich an manchem Tage mehrfach wandeln. Oft gibt es Wechselbäder - wenn Du aus dem Trockenen ins Nasse gehst und umgekehrt. Oder im Sommer, wenn Du während einer Fahrt erleichtert den sonnenerhitzten Innenraum der Limousine mit der Klimaanlage runterkühlst, um die nächste Wartezeit besser zu überstehen. Es wechselt eben, ständig. Manchmal gehe ich zu Fuss im Regen zu meinem Arbeitsplatz, glücklicherweise selten bei Schnee und Eis, manchmal gehe ich durch Sommeroasen, in denen eine grillende Horde neben der anderen liegt. All das - ist in Ordnung und ist, wie es ist. Ich sehe wunderschöne Sonnenauf- und Untergänge im Frühling und im Herbst. Und jeder Tag - ist neu, anders und gut, wie er ist. Auch, wenn er mir nicht nur behagt. Mit Petrus, dem Wettergott, habe ich keine Schwierigkeiten. Wieso zum Teufel - das ewige Genörgel - wo er doch seine Arbeit sehr gründlich macht?
Das Wetter, Petrus - scheint der letzte Fußabtreter in der langen Reihe der Unglücklichen, die nicht woanders ihren Tritt, ihren Rhythmus finden.
Ich liebe dieses satte, lebenspralle Grün in dem Land, in dem ich lebe - ohne Regen gäbe es das nicht. Gäbe es nicht die Sonne, würde all das vermodern. Gäbe es nicht den Wind, der die Samen weiterträgt, die Erde, die uns aufnimmt und durch´s Leben trägt  .... die nährenden Elemente .... wäre niemand von uns je hier gelandet. Das ist doch nicht so schwer zu begreifen?
Und dann gibt es soviele Menschen, die Regentropfen scheuen, die jeden Tag duschen, aber kein Wasser vom Himmel auf ihren Kopf fallend ertragen - die Angst um ihre Frisuren haben ... die weder Kälte, Nässe, Feuchte, Wärme noch irgendetwas spüren wollen, geschweige, sich an all dem erfreuen können?
Mit dem Wetter - habe ich keine Irritationen.

Wo guckst Du hin?

Als ich die Dame abhole, ist der Himmel "norddeutsch", wie ich es sehr liebe: Dunkle Wolken im Wechsel mit hellen und stellenweise blauer Himmel mit Sonnenschein. Alles da, die ganze Schönheit. Über den Tag wechseln sich Schauer mit trockenen Phasen ab. Aprilwetter heißt das wohl ... auch die Januar-Temperaturen liegen im sehr milden Bereich - kein Klimawandel in der Kolonie, sondern durchaus üblich, wenn kein erstaunlicher Winter das mediterrane Klima durcheinanderwirbelt.
Die ältere Dame steigt ein und lamentiert sofort: "Ach, ist das nicht fürchterlich, schon wieder so dunkle Regenwolken." Ich erwidere sehr ungehalten ob derartiger Ignoranz von soviel Schönheit wie aus der Pistole geschossen = genervt: "Dann schauen Sie doch auf die andere Seite - da haben Sie doch alles, was sie wollen!"
Tatsächlich ist der Himmel gespalten - rechts die dunklen Wolken und links das herrliche Lichter- und Wolkenspiel. Selbst schuld, wer nur das Dunkle sehen will und einseitig schaut.
Während der Fahrt - ist Ruhe im Karton. Und der Himmel weit.

Wandelnde Blutkräfte

Körper, Geist und Seele wandeln sich - ich befinde mich vor der Schwelle zum Älterwerden ... zwar bin ich dort schon von Geburt an, doch die aktuelle Etappe wird allgemein "Wechseljahre" genannt. Was auch nur ein hohler Begriff ist, denn es erlebt ja jede Frau ganz anders. Ein Fahrgästin erzählte mir vor ein paar Wochen, sie bekomme mit Mitte-70 noch Hitzewallungen, es höre nicht auf. Na, dann ... ich bin bereit.
Habe heute zum zweiten Male einen Vorsorgetermin abgesagt, weil der volle Mond mich wieder rief. Ein paar Monate war diese Quelle versiegt - dann tat sie sich, pünktlich wie eh und je, umso heftiger sprudelnd wieder auf. Habe heute auch keinen neuen Vor-Sorge-Termin mehr gemacht, da ich kürzlich beschlossen hatte, mir nie wieder vorher Sorgen zu machen, bevor etwas tatsächlich eingetreten ist.
Beim letzten Vollmond kaufte ich mir "Super-Tampons", worüber die Quelle nur lachte ... es ist schon sehr erstaunlich. Früher kam ich mal mit "Mini" ganz gut aus. Zuhause benutze ich eh lieber einen Kelch, aber unterwegs und in der Limousine ist das manchmal nicht so gut handhabbar.  Gestern abend füllte sich dieser binnen weniger Minuten. Ich finde das alles sehr interessant und beeindruckend - und da ich nicht "schulmedizinsch" intervenieren werde, also keinen solchen Einfluss darauf nehme, beobachte ich es einfach neugierig und unaufgeregt - was auch heißt, daß ich es so nehme, wie es eben ist. Habe nicht die geringsten Ambitionen, mir Hormonpillen o.ä. zuzuführen und geniesse es lieber als ein Art "Katharsis".
In der Tat ist es eher  ein unvermeidlicher Rückzug aus dem tobenden Irrsinn der Welt in etwas, was Dich holt und was Dir sagt, daß Du Dich in ihm nicht um die Welt kümmern brauchst. Erstmals dachte ich nun, wie schade es ist, daß die Männer nicht diese eigenartige Geborgenheit des Vor-sich-Hin-Blutens erleben können. Vielleicht würden sie dann nicht so eifrig in Kriege ziehen, um das Blut von Anderen zu vergiessen? Oder ich würde es ebenso halten, wäre ich einer? Wer weiß ....
Sicher gibt es auch viele, die das Thema "unappetitlich" finden. Ich finde es einfach naturgegeben und denke mehr über diesen Lebenssaft nach, seit er mich einfach überwältigt. Ein Tabuthema immer noch, trotz unserer so "modernen Zeiten" - doch sicher steuert uns das Blut auch heute weit mehr, als wir wahrnehmen. Dabei interessieren mich nicht chemische Zusammensetzungen und auch nicht überromantisierte Frauenliteratur dazu - mich interessiert die Essenz des Blutes als Informationsgeber für meine psychische Verfassung, für meine Wahrnehmung und mein Verhalten in der Welt, welches es ändert. Die Botschaften, die es mir deutlich hörbar übermittelt, wenn es als Mensis kommt und da ist. Es versiegelt mir zum Beispiel den Mund, ich rede nur sehr wenig und ziehe mich innerlich zurück, und ich bin inzwischen sicher, daß das auch ein Gegenüber registriert - in der Limousine kann ich es leicht beobachten: In dieser Zeit reden auch die Mitfahrenden nicht allzu viel, versuchen es nicht einmal.
Ich freue mich, daß ich es noch so erleben und beobachten kann - dachte doch, es sei versiegt.
Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen ... nehme ich dafür gerne mit ins Paket.  Das einzige, was ich zur Linderung nun probieren werde, ist die Schafgarbe. Die soll sehr gut tun und den Blutfluss regulieren, also ausgleichen. Und es ist die "Hirschpflanze",  also den Zwillingssonnen in der indianischen Astrologie zugeordnet. Nehme es als Ruf zu ihr, mich endlich intensiver mit ihren Wirkkräften zu befassen. Es ist eine Einladung - kein "Leiden".
Unangenehm wurde es allerdings beim letzten Vollmond in  der Limousine. Da sprudelte diese Quelle derart  freudig in mir, daß sie völlig überlief, als ich eben sehr zügig zu einer Bäckerei gehen wollte, um ein bevorstehendes Unglück zu verhindern .... ich hab´s nicht mehr geschafft. Fuhr schnell nach Hause, war - hier wieder Glück - ganz in der Nähe, wusch die Jeans kurz an der betreffenden Stelle mit Salz und warmem Wasser aus, wechselte die Klamotten und fuhr weiter.  Es war nicht einmal peinlich, da es ja niemand außer mir mitbekommen hatte. Allerdings kapitulierte ich am späteren Nachmittag und stellte den Mercedes eine Stunde früher ab. Wie schön, daß ich mit Leuten arbeite, die solche Tabus nicht haben - ich konnte einfach sagen, was ist und wir lachten sogar noch drüber.
Die Schwestern in aller Welt fallen mir immer wieder ein, die nicht mal eben über maschinell-gedrehte Tamponaden oder gar über Kelche verfügen - und dennoch weiter funktionieren müssen auch in diesen Tagen. Auf Kuba bieten manche Leute an den Haustüren Baumwolle an für die Frauen, zum Selberdrehen quasi. Und die Großmütter hier, die noch ihre Stoffbinden selbst auswuschen, mitten im Krieg. Und und und. Schon beachtlich, wie die Frauen das so meistern in den ärmsten Zeiten und Regionen, wo sie keine Drogeriemärkte haben.
Obwohl jede Frau einmal pro Mondzyklus blutet, ist das hier in unserer vermeintlich aufgeklärten Welt ein völliges Tabu - und diese sauberen Werbedamen für´s Tampon kommen mir gerade so albern vor. Man sieht nichts, man riecht nichts .... also ist es auch nicht da. So - halten wir es doch inzwischen mit fast allem. Längst nicht mehr nur mit dem, was natürlich ist. Stimmt aber nicht. Meine Nase riecht es sehr deutlich auf den vielen öffentlichen sanitären Anlagen, die ich während der Arbeit nutze, ob vorher eine Blutende da war. Ich registriere auch, daß da viele Informationen enthalten sind, aber ich bin zu degeneriert, um sie entziffern zu können. Da haben uns die Hunde einiges voraus - die ja gerne menstruierende Frauen anspringen und "mal eben lesen, was da steht".
Wie komme ich jetzt von den Hunden zu einem Ende .... welches ja offen ist, da ich weiter beobachte .... Instinkt vielleicht? Ach - ich lasse es einfach so stehen.