Dienstag, 27. September 2011

Ur-Laub

Zu Zeiten des herunterrieselnden Ur-Laubes im Oktober/November werde ich mich der Natur anschliessen und zur Ur-Lauberin werden. Nach vielen vielen Monden ohne Ent-Laubung ..... und einer somit gesteigerten Überreizung meiner ohnehin zwillingssonnenstrapazierten Nervenenden habe ich es begriffen: Es ist Zeit für Urlaub.
Diesen besprach ich unverzüglich mit dem Unternehmer, als dieser aus einem solchen zurückkam.
Ich gehörte bislang meist zu der Spezies der "Gehtdochallesstelldichnichtsoan"-Tierchen, die immer weiterlaufen wollen. Der Körper mit seinen mittlerweile massiven und nicht mehr ignorierbaren Schmerzen -belehrt mich. Die Seele - weiß es schon lange. Der Geist - hat es verdrängt. Der Körper -  ist die letzte Instanz und spricht unüberhörbar. Danke.

Montag, 19. September 2011

Spontan verliebt - in einen 81-jährigen ....

Ich hole den Herrn Dr. Soundso daundda ab ... kaum habe ich ihn gesichtet, mag ich ihn auch schon. Er kann kaum gehen, wirkt sehr fragil, doch er hat diese Würde, die darauf besteht, all die Dinge so lange selbst zu tun, so lange es eben geht  Ich mag diese Würde - sehr. Ich frage ihn, ob es so geht - sonst komme ich ihm gerne zur Hilfe ..... Ja! Es geht - es dauert nur ein wenig. Ja - das sehe ich .... und habe Zeit.
Als er dann neben mir sitzt, kommt er mit der Hand nicht an den Türgriff und ich sage ihm, daß ich jetzt aussteigen und die Tür schließen werde. Er insistiert darauf, daß es gehe ... und hängt sich etwas akrobatisch halb aus dem Auto, worauf ich lachen muß und rufe "Hören Sie auf, sie fallen mir hier gleich raus." Während ich noch lache, hat er es doch geschafft!Eigentlich - bin ich derzeit und gerade gar nicht gut drauf - da sagt er zu mir "Oh, es freut mich sehr, Sie derart fröhlich anzutreffen" - das hebt meine Stimmung um ein Vielfaches!!!!  und ich frage mich leise - was sehen die Menschen denn so ..... und doch hat er recht!
 Ich bin nicht fröhlich unterwegs - doch er hat mich als fröhlich erkannt in diesem Moment, in dem ich wußte, daß er mir eine wahre Freude sein wird mit seiner authentischen  Kultiviertheit.
Er ist ein Geschenk für mich heute.
Ich geniesse seine Präsenz, seine Gegenwart vom ersten Augenblick an und bin sofort völlig verliebt in ihn. Seine Stimme tut ein Übriges ... das ist ein sehr überlegter Mensch, der in seinem Leben viel kommuniziert hat und mit sehr vielen Menschen zu tun hatte..
Er ist dazu sehr entspannt ... trotz siener Gebrechen und Schmerzen .... und wir unterhalten uns und scherzen ein wenig.
Ich bin sehr froh, endlich mal wieder auf einen Menschen zu treffen ! und nehme seinen freundschaftlichen Rat, nicht so alt zu werden wie er, gerne an.

Dumpf- und Stumpfsinn

Seit vielen Tagen und Monden erlebe ich es als mehr und mehr schmerzhaft, 12 Stunden am Tage in einer Limousine zu sitzen, bis jemand kommt. Wenn es gerade gut läuft und interessante Menschen anzutreffen sind, geht es noch alles, ist der Körper durch den Geist und/oder die Seele abgelenkt von seinen zunehmenden Beschwerden, trotz Gelenk- und Knochenschmerzen .... erst wenn du aussteigst - merkst du es wieder - sehr krass.
Wenn aber gar nichts läuft - tut einfach nur alles weh inzwischen. Beim langsamen schmerzvermeidenden Aussteigen müssen erst einmal vorsicht die Gelenke wieder auseinandergefaltet werden.
Hier wird also - wie bei vielen anderen Horror-Jobs - "geliefert" - um es mit Phillipp Röschen zu sagen, unserem blütenzart-erscheinenden Bundeswirtschaftsminister mit der sensationellen Rückendeckung von 2,5 Prozent ....
Es ist ja so: Ich gehe nicht zum Spaß raus auf die Strasse, wo ich Menschen treffe, die ich von Herzen nicht treffen wollen würde - sondern lediglich wegen der Kohle antreffe. Dazu noch ohne Einflluss darauf - auf wen ich gleich treffe. Ich fahre zwar - zu meinem eigenen Erstaunen - immer noch gerne Auto, aber Letzteres mag ich sicher nicht mehr.
Nach ein paar Jahren - hat sich die Anzahl der an der Oberfläche interessanten Menschen erschöpft ... etwa 85 bis 90 Prozent .. also eher 99 Prozent - erzählen immer das Gleiche. Ich habe inzwischen eine akute Wetter-Smalltalk-Allergie. Immer öfter ertönt meine Antwort als unüberhörbares und entschiedenes  Schweigen im engen Raum. Selbst erstaunt bin darüber, daß es immer öfter funktioniert und ich derart in Ruhe gelassen werde.

Samstag, 17. September 2011

Taxifahren, Satsang, Therapie, "Sessions" .......

... in gewisser Weise - gibt es wenig Unterschied.
Überall triffst du auf Menschen und auf Durchgeknallte.
Eine feine Nuance kann sein, daß Menschen, die auf der Suche "nach sich selbst" sind, immerhin schon  darum wissen, daß sie durchgeknallt sind.
Die aber, die in spirituellen Wellen baden oder sich in lichtvolle(re)n Sphären wähnen - und nicht wissen, daß sie durchgeknallt sind - das sind die Anstrengendsten - zusammen mit denen, die schlicht an Linearität und Materie glauben.
Die Einen führen sich selbst auf eine Schlachtbank der Vergangenheit - ob ihrer schlimmen Erlebnisse in der Kindheit, Karma oder sonstigem Un-Sinn - die Anderen führen sich selbst auf die Schlacbtbank des Alters und der entsprechenden seltsamen Logik - wer alt wird, wird krank - etc.

Über die machtvolen Zwischenräume inmitten all dieses unsinnigen GEGLAUBES reden die wenigsten.

Mensch muß ja auch nicht wirklich drüber reden - aber es direkt zu erspüren, das hilft!
Das hilft wirk-lich, wirk-sam, und es schlägt Wellen - wie der ins Wasser geworfene Stein.

Samstag, 10. September 2011

"Deshalb liebe ich Deutschland so .....

... weil hier immer gefeiert wird." sagt der junge und sehr gut gelaunte portugiesische Eisverkäufer in einem der drei Läden der Stadt, in dem diese Leute 6 Tage die Woche hart arbeiten - für 1.000 Euro im Monat. Ich fuhr mal einen Kollegen von ihm nach Hause zu seiner kranken Frau und wieder zurück, wir waren länger im Gespräch über diverse Gepflogenheiten.
Gerade läuft eine wirklich gute Mardi-Grass-Kapelle durch die City, die Musiker scheinen mir eher Profis zu sein, die sich hier einen Spaß machen und der Rattenschwanz, der hinterherzieht hat auch reichlich Freude. Alle paar Meter bleibt der Umzug stehen und die Leute tanzen. Ob das die "Antipelztierdemo" ist, wegen der der Hexentanzplanz (Neumarkt) und die Zufahrten zu ihm gesperrt sind? Wäre mager ....

Schön jedenfalls an diesem Sommertag, diese durchaus groovende Live-Musik!
Sagt auch der junge Eisverkäufer aus der Fremde - dem es hier in Deutschland so gut gefällt, weil wir soviel feiern. Aha ?! ...... Interessantes "Aussenbild" findet die Zwillingssonne.

Donnerstag, 8. September 2011

Servicewüste Absurdistan: Das Brötchen mit weniger drauf - kostet dann aber mehr ....

Ich gehe früh am Morgen - etwa 6.30 Uhr - in eine Filiale der Bäckerei-Kette mit "H" am Ebertplatz in der Kolonie. Dort sichte ich die belegten Baguette-Brötchen zu fast 3 Euro das Stück. Es gibt nur welche mit Käse und Schinken oder mit Käse und Salami ... und lauter Zeugs wie Remoulade, Tomate, Salatblatt, Gurkenscheibe.
Es gelüstet mich nach einem nur mit Käse - und dem ganzen anderen Zeugs belegtem Teil, also frage ich an, ob ich denn bitte auch sowas nur mit Käse bekommen könne?

"Jaaaaaa" - genervt?! Das wäre dann aber teurer ...
( in mir denkt es laut "HÄ????")
weil - sie müßte dann alles extra berechnen.
Ich denke wieder laut - sie hat wohl keine Lust?!!!!
Ich sage laut - wieso denn das, das wäre doch sinnlos.
Sie könne mir doch eines mit weniger drauf zum gleichen Preis verkaufen? (selbst das ist absurd in sich ....)

"Nein, das geht nicht."
Ich wiederhole - zum besseren Verständnis
"Nein, das geht nicht."
"Nein, das geht nicht."
"Nein, das geht nicht."
"Nein, das geht nicht."
"Nein, das geht nicht."
"Nein, das geht nicht."
"Nein, das geht nicht."

Soll ich jetzt froh sein, daß sie nicht auch noch sagt (was ich auch schon oft hörte):
"Nein, das dürfen wir nicht."
"Nein, das dürfen wir nicht."
"Nein, das dürfen wir nicht."
"Nein, das dürfen wir nicht."
"Nein, das dürfen wir nicht."
"Nein, das dürfen wir nicht."
"Nein, das dürfen wir nicht."

"Ich denke nur "Leck mich doch inne Täsch, du blöde, unflexible  Kuh" und sage laut, das sei mir dann doch in der Tat zu kompliziert am frühen Morgen. Soviel Dummheit (oder Faulheit? oder Starrheit?) - ist fast schmerzhaft.
Ich gehe danach zu einem der Bäckerei-Discounter mit Selbstbedienung - zu denen ich früher nie ging, aus Prinzip, um Arbeitsplätze zu erhalten. Die Dame von der Bäckerei mit "H" am Anfang, dort wo die Brötchen an sich nicht gerade günstig sind - lehrt mich (wiederholt) eines Besseren.
Dort - beim Billig-Back - erwarte ich zumindest weder Service noch sonderlich viel Freundlichkeit.
Und freue mich umso mehr, wenn die, die dort für noch weniger arbeiten und von denen ich keinerlei Freundlichkeit erwarte, mir auch noch ein nettes Lächeln schenken.

Apropos - dürfen wir denn alle nicht mehr selbst und/oder logsich denken?
Oder wollen wir nicht mehr?
Schmiert euch doch eure Brötchen irgendwohin ....
"Nein das dürfen wir nicht!"

Dienstag, 6. September 2011

Car Wash


Car Wash -  
Nie gesehen - den Film
aber die Musik gemocht.

Und mein Kindheitstrauma
vom Limousinenlenken
hat sie vermutlich auch genährt.
Der Blinker macht den Rhythmus ....

Just - traf ich auf eine sehr lebendige und
offenherzige Frau aus dem Ruhrpott,
die ich zur Messe fuhr -  mit viel Spaß auf beiden Seiten..
Sie eröffnete mir - das sei früher ihr Traumberuf gewesen-
sie wollte immer Taxifahrerin werden.
Ist nicht das erste Mal - das ich das höre ....

Ich - gratulierte ihr von Herzen -
zu ihrem heutigen Business,
in einer ganz anderen Branche.
Mehr Schönheit und umsatzträchtiger ......

Auch diesem bezaubernden und sehr klugen kleinen Mädchen von zarten drei Jahren -
die es unbedingt ihrem  geliebten Opa auf Kuba nachtun will und bereits in allerjüngsten Jahren ihre Vision hat - empfehle ich keine Nachahmung. Keinem Kind, das an mir vorbeikommt, empfehle ich das - obwohl - seltsamerweise - gerade die Kinder voll auf das "Phänomen Taxi" abfahren.


Und wie es kommt, daß fast jeder Erwachsene neulich im Vorbeigehen in die erste Limousine am Halteplatz hineinschaute, warum und wieso - weiß kein Mensch, wie ich mit einem Kollegen dazu sinnierend feststellte. Wie im Zoo ...

Nochmal zurück zu "Car Wash"-  auch hier gibt es nicht wenige erstaunliche Menschen, immer gut  gelaunt, danke an diese.

Disziplinar-Verfahrens-Androhung .....

..... heute bekam ich sowas. Habe mein Statement abgegeben- und einen Fehler zugegeben. Habe aber auch meine Statistik eingefügt - zu meinem Versehen neulich: 1:20.000.
Will sagen - der Vorwurf lautet, ich hätte einen Auftrag nicht vollständig ausgeführt.
Das - stimmt. War ein menschliches Versehen.
Ein anderer Vorwurf aber lautet auf "unprofessionell" und "unfähig".
Das - stimmt nicht. 
Etwa 20.000 Aufträge habe ich -
mal sehr bescheiden geschätzt-
bisher ausgeführt. Ohne Klagen.
Jetzt - heißt es in einem konkreten Fall von etwa zwanzigtausend -
ich sei unprofessionell und unfähig.
Nun - auch hier heißt die Übung: Kühles Blut bewahren.
Juristisch relevante Antwort verfassen - keine emotionale.
Hab schon fertig.
Schau mer mal.

Es ist nicht mehr weit ....

"... aber es wird noch seeeeehr lange dauern."
entfleuchte mir kürzlich - nachdem ich schon länger mit einer netten Dame unterwegs war, die zu einem unangenehmen Termin mußte.Sie hatte viel Humor.

Von Nippes nach Vogelsang

Ich hole den älteren Herrn an der Werkstatt in Nippes ab, er will nach Vogelsang. "Zu welchem Vogel?" frage ich ... "Nach Vogelsang." "Jaja, aber zu welchem Vogel?" Vogelsang ist ein zur Nazizeit gebautes Viertel mit Einfamilienhäsusern und sehr engen Strassen, alle nach Vögeln benannt. "Ach so ... Gelbspötterweg. Kennen Sie sich da aus?"  Naja, sage ich, mehr oder weniger. Jeden Vogel - kenne ich nicht. Er sagt mir, wo es genau ist - das ist einfach.
Er ist ein Urkölner von der gelassenen Sorte, sehr entspannt und hat "die Ruhe weg". Eine eher seltener anzutreffende Spezies heutzutage.
Ungebeten erzählt er mir Anekdote für Anekdote, ich amüsiere mich, denn er ist ein Original. Hält sich gar für den ältesten Ureinwohner im Vogelsang - wobei ich da nicht sicher bin, denn ich fuhr schon mal ein ganz anders temperiertes, doch ebenso  angenehmes, gelassenes kölsches Original in dieses Viertel, der war schon älter als dieser Herr, der kurz vor der 80 ist. Seine Lebensabschnitte der Kindheit - sind einfach zu merken, sagt er: Als Hitler die Macht übernahm, wurde er geboren. Da seinerzeit Köln-Vogelsang schwerlich zu erreichen war, hatte seine Mutter noch bis zwei Wochen nach seiner Geburt gewartet und die Eltern waren erst dann mit ihm ins neugebaute Haus eingezogen, als klar war, daß alles gut gegangen ist. Eingeschult wurde er, als der Krieg begann.
Nein, in Nippes, wo ich ihn abhole, kennt er sich gar nicht gut aus.
Das scheint ja doch sehr groß zu sein, dieses Nippes  .....

Und jetzt erzählt er mir diesen alten, kölschen Witz:
Sät d´r Tünnes zum Schäl: "Isch will dat Mariesche us Neppes hieroode." 
Sät d´r Schäl zum Tünn: "Dat kanns do doch nit maache.
Dat hätt doch ald met janz Neppes erümpussiert.""
"Ooch" sät d´r Tünn 
"isch han mir dat Neppes ens anjeluurt - dat es jar nit esu jrooß." 

(Sagt der T. zu S.:  "Ich werde die Maria aus Nippes heiraten." Sagt S. zu T. "Mach das nicht - die hat schon mit jedem in Nippes herumgemacht." "Ach" - sagt T. "Ich habe mir das Nippes mal angesehen - das ist gar nicht so groß.")

Am Ziel angekommen sagt der Urkölner "Da vorne neben dem Roten können Sie halten."  und fügt hinzu "Fast hätte ich jetzt gesagt "Da, wo das blaue Auto nicht steht.""  - wie gesagt, ich habe ihn aus der Werkstatt abgeholt ....

Samstag, 3. September 2011

Suave

Ganz weich  ....   - Son

Der "Internationale Terrorismus" und mein "Taliban-Kollege" ....

Ich begann den Tag heute morgen an eiinem Halteplatz, an dem ich manchmal einen pakistanischen Kollegen antreffen kann.
Der hat einen langem, schwarzen Rauschebart und ein hübsch verziertes "Käppi" auf dem Kopf.  Also optisch gesehen ganz klar die TV-Kategorie "Internationaler Terrorist" und/oder  "Schläfer".
Er läßt sich auch manchmal liebevoll "Ey, Taliban!" rufen von den Kollegen.
Der schläft aber gar nicht.
Der ist wirklich lebendig und hat sehr viel Humor.
Und keinerlei Ressentiments gegen mich "als Frau".
So wie ich keinerlei Ressentiments gegen ihn habe. 
Ist das nicht komisch?!!!
Und ich sage dir - das ist nicht nur nicht komisch -
sondern einfach schön und entspannt.
 
Heute abend mache ich meine letzte Fahrt und an der Ampel - steht der wieder vor mir. Er hat das gleiche Ziel wie ich, fährt einen Bekannten meiner Fahrgäste, und steigt aus, kommt zu uns und sagt fuchtelnd  "Hey - wieso fährst du mir hinterher?!!!!" Ich lach mich wech ..... und mache noch ein paar Spässe mit den Gästen hierzu und denke wieder einmal, daß die Götter Humor haben. 

Erfolgreiche Begegnung mit völkerverständigtem Freudentanz

Wenn die Zwillingssonne nicht in die Ferne reisen kann - kommt die Ferne eben zu ihr und bringt ihr kleine Abenteuer mit, die es zu bestehen gilt.
Ich fahre den Halteplatz an der Oper an, ein Kollege steht vor mir und direkt neben dem Halteplatz, auf einer sehr stark befahrenen Hauptverkehrsader der Kolonie, steht ein langer und sehr hoher Sattelzug mit Warnblinkanlage. Ein Orientale steht beim Kollegen am Fenster und es sieht aus, als fragt er diesen nach einem Weg. An den Handzeichen des Fragers sehe ich, daß er den Kollegen als Lotsen engagieren will. Scheint der LKW-Fahrer zu sein. Auha .... Der Kollege - ein alter Hase - steigt aus und kommt zu mir. "Der will in die Dingensstrasse und will gelotst werden, aber der kann ja nicht einmal deutsch. Und ich mache sowas nicht mehr ...."   "Ja" antworte ich, "das kenne ich. Ich habe auch mal einen LKW gelotst und am Ende mußte ich mit dem um den kompletten Autboahnring, um in das Viertel zu gelangen." Der Kollege und ich schließen uns gemeinsam kurz, wo es eventuell klappen könnte. Hier liegt die Betonung ganz eindeutig auf "könnte", mit viel Glück. Der Kollege bekommt eine Fahrt - ich kümmere mich weiter um den Fahrer, dessen Sattelzug 4 Meter hoch ist - und damit bleibt er in der Kolonie alle paar Hundert Meter vor einer zu niedrigen Brücke hängen. Ich bekomme auch eine Fahrt in diesem Moment - und muß entscheiden, ob ich wirklich Lust habe auf einen solchen Stunt. Ich gebe dir Fahrt weiter ....
Ich frage ihn, wo er herkommt. Aus Marokko. Wow, denke ich, ganz schön weite Strecke - und jetzt bleibt er kurz vor seinem Ziel hier hängen.Kurz überlege ich, ob ich nicht lieber mal via Zentrale nach einem marrokkanischen Landsmann funken lasse wegen der Sprache .... aber wir verstehen uns ganz gut - auch ohne deutsch, ohne englisch. Geht doch. Mit Händen, Füßen, Augen, Kopfbewegungen .... Ich schreibe ihm auf, wieviel Euro ich für´s Lotsen von ihm bekomme. Er gibt sie mir gerne.  Um ihn erst einmal wieder in die richtige Fahrtrichtung zu bringen, muß er mit mir ums Karree, durch sehr enge Strassen, gerade heute am Samstag sehr belebt. Aber das - macht ihm nicht wirklich etwas, denn das sind erstaunlich gute  Fahrer, ja, manchmal geradezu Akrobaten, wie die diese Riesen-Fahrzeuge durch enge Räume manövrieren. Da ich damals schon mal einen Fahrer aus Osteuropa gelotst habe, kann ich in etwa einschätzen, ob er den Drahtseilakt meistern wird, den ich ihm zumute, oder besser nicht. Er meistert das mit Links. Die junge Frau fällt mir wieder ein, die ich beobachtete, wie sie ihren großen LKW mit Hänger - das ist wieder eine andere Nummer - rückwärts aus einer sehr engen Einbahnstrasse manövrierte, ohne mit der Wimper zu zucken. Chapeau! Heute fiel mir nach langer Zeit auch wieder ein, daß ich mal in der Branche gelernt habe, Speditionskauffrau, vielleicht daher auch ein wenig "Zugang".

Die Einkaufsmeilen der Innenstadt haben wir locker hinter uns gelassen. Ein bischen Bammel habe ich - vor der ersten Unterführung, an die wir gelangen werden. Es ist eine Art magische Schwelle für das Gelingen der ganzen Aktion. Und vor allem: Wenn er da nicht durchkommt, steht er ganz blöd da und kann nicht mehr vor und nicht mehr zurück. Vor der magischen Schwelle bremse ich ein und mache die Warnblinkanlage an. So tut er es. Ich zeige ihm die Unterführung und frage ihn, ob er da durchkommt? Wie hoch die sei? Keine Ahnung, ich gehe mal gucken ... ich laufe hin - und kein Schild weist auf die Höhe.
Ich resigniere, leicht frustriert, gebe ihm sein Geld zum Großteil wieder  und sage ihm, daß ich nun die Polizei anrufen werde, damit sie ihn rückwärts rauslotsen, indem sie kurz die Strasse absperren. Tue ich auch - der Beamte nimmt das auf und meint, es könne aber dauern, sie hätten heute viel zu tun. Ich erkläre das mit Händen und Augen und Gesten dem geduldigen Marrokkaner. Der - gibt mir mein Geld wieder zurück und gibt nicht auf - er geht jetzt selbst mal gucken. Ich soll ein Auge auf seinen LKW haben .... läuft zum Tunnel, kommt zurückgelaufen und meint "Ja, das wird gehen." Läuft um sein monströses Gefährt herum, nimmt irgendwelche großen Radabdeckungsteile runter und schafft so nochmal einen Spielraum von etwa 20 cm, die er an Höhe ablassen kann mittels Hydraulik Wow! Ich freue mich wie eine Königin, er freut sich ebenso - und es geht weiter. Die Polizei informiere ich, daß sich das erledigt hat - die freuen sich auch.

Jetzt geht es auf die Stadtautobahn raus und mir wird fast übel, als ich die erste Unterführung erblicke, da hängen sogar noch irgendwelche Extrateile oben dran, damit sie niedriger ist, als sie ist ....  Das ist wirklich schwer abzuschätzen ohne entsprecheden Routine, ob das jetzt paßt. Es paßt. Ich gebe Gas, um im Rückspiegel zu beobachten, wieviel Spelraum da jetzt noch ist zwischen Sattelzugspitze und Tunneldecke.  Viel ist es nicht - aber es paßt. Hurra! Dann - wird es auch mit den anderen Brücken auf der Autobahn klappen. Ja, es klappt.
Noch ein Knackpunkt ist zu meistern, er kommt nach der Abfahrt. Ich rufe Allah an - er möge uns durchlassen durch die letzte Unterführung - Allahu akbar. Ja, die Götter sind einverstanden.

Der Rest - ist ein Kiinderspiel und selbst die Zielstrasse ist breit genug, daß er um die Ecke kommt mit dem Teil. 
Angekmmen - steige ich aus und werfe die Arme hoch, so wie mensch es tut, wenn er zum Beispiel einen Wettkampf gewonnen hat. In diesem Fall haben wir den Wettkampf gegen die Kölner Infrastruktur gewonnen.

Der Mann aus Marrokko ist ebenfalls sichtlich erfreut und noch mehr erleichtert. Dem fällt regelrecht ein Stein vom Herzen - und mir auch. Ein ganz anderes Universum mit so einem Sattelzug! Vor llauter Erleichterung und Freude über die gelungene Aktion fallen wir uns kurz lachend in die Arme und er bedankt sich tausendmal. Ich bdanke mich auch - denn ich freue mich, jetzt eine gute Lotsenroute für LKW´s zu wissen - sofern sie noch ein wenig absenkbar sind. Werde dem Kollegen, der sowas nicht mehr machen will, demnächst berichten, daß die Strecke etwas taugt.

Der Mann aus Marrokko fragt mich, ob er wohl in dieser Strasse stehenbleiben könne - ich antworte einfach mal mit Ja, denn es ist eine ruhige Sackgasse, in der im Grunde kaum jemand etwas zu tun haben wird am Wochenende. Er hat jetzt zwei Tage Zeit, denn er wird erst am Montag bei der Firma (ab)laden können. Morgen bin ich zum Kaffee eingeladen.
Ich schreibe ihm noch ungefragt eine Quittung, vielleicht bekommt er ja die Euros wieder - und steige nochmal aus, um ihm diese zu geben. Er steigt auch nochmal aus, um mir ein Geschenk zu bringen. Es ist wirklich pure Freude.
Ein Dritter, der in diesem Schauspiel zwischen Sattelzug und Limousine eingeklemmt ist, schaut sich das alles seelenruhig an, ohne jegliche Ungeduld. 

Für mich ist es so eine Art "Kurzurlaub", eine Gelegenheit, wieder einmal zu erleben, daß es auch ohne viele Worte eine Art "Grundverständigung" zwischen Menschen gibt. Diese funktioniert über Präsenz, Interesse, Aufmerksamkeit, Mimik und Gestik, Augenblicke, Ausdruck von Emotion .....
Und ich freue mich, mich ein wenig revanchieren zu können für die Freundlichkeit, die ich so oft fernab von zuhause erleben durfte mit den Menschen vor Ort.  Dieser Mensch - wird ab heute mit Sicherheit eine gute Erinnerung an "Deutschland" haben, die er zuhause erzählen kann. Und ich - will sowieso schon immer mal nach Marrokko ....ich werde mich seiner Geduld erinnern und seiner Freundlichkeit - und so kann ich es dort vor Ort ebenfalls wieder antreffen. Übrigens - sagte er noch, wir seien beide sehr gute Fahrer. So isses.
Salem aleikum - Aleikum salam ....

Freitag, 2. September 2011

Hölle am Morgen und am Abend - dazwischen ruhiger

Heute morgen fuhr ich mit meinem Fahrrad einem wundervollen Sonnenaufgang und einer Limousine entgegen, die ich seit drei Wochen nicht mehr gefahren habe. Als ich ankam, fand ich nicht nur fast schwarze Felgen vor, sondern auch einen Zettel vom Nachtfahrer, auf dem stand: "An die Tagschicht - Bitte Auto waschen und Tanken !!!"
"Jaaaaa", denke ich so, überall ins Klebrige und Angeranzte fassend, ob Lenkrad oder Schaltknüppel oder Konsole oder Türgriffe ... "mit dem Waschen - da ist was dran."
Brauche heute länger als sonst, um an den Start zu gehen - einfach aus Unverständnis, wie Mann sich in dem Siff wohlfühlen kann. 
Habe schon gar keine Lust mehr, mit der Parasitenschleuder überhaupt loszufahren, doch die Waschanlagen sind noch geschlossen. Später stehe ich 10 Minuten zu früh an der Waschanlage mit dem SIFFBRATZEN - und zur besten Zeit am Morgen, wo ich besser rollen sollte. Aber das hier - ne ..... und ich bin nicht überempfindlich.
Das Leben revanchiert sich mit guten Fahrten. Danke!

Ein wenig geschockt bin ich aber immer noch - gerade auf diesem Wagen lief es sonst wirklich sehr kollegial. Nun ist der eigentliche Nachtfahrer immer noch in Urlab und die Kollegin vom Tage ebenso, sie kommt erst Montag wieder. 
Die Aushilfen haben scheinbar ernstliche Schwierigkeiten, simple Gepflogenheiten zu begreifen - zum Beispiel, daß hier die Nachtschicht tankt. Ich denke mir zum Thema Waschen "Schau, ich war drei Wochen nicht mehr hier - das war doch genug Zeit, um den Wagen einmal durch die Waschanlage zu ziehen?" Egal ... ich brauch´s für mich in jedem Fall anders als derart widerlich versifft - und nehme es so gelassen, wie es eben geht. Es ist mein einziger Tag heute auf diesem Wagen - morgen fahre ich wieder einen anderen, und vielleicht fange ich von vorne an.

Am Nachmittag telefoniere ich mit Tochter und Sohn des Unternehmers, der selbst in Urlaub ist. Berichte  auch von diesem klebrigen, fast in den Lack eingeschmolzenem Siff der letzten drei Wochen.

Bin froh, als ich diese siffige,anstrengende Energie am Abend abstelle und mit dem Rädchen nach Hause tuckel. Da aber - wieder Alarm - insbesondere geht es um einen fehlenden Schlüssel.
"Ich hätte doch mir dies und das denken können, sollen".
Und nun - brauche Mann dringend den "meinigen" Schlüssel - der einer der beiden Original-Schlüssel ist.
Und - jetzt geh ich ab !!! - ich hätte doch mitdenken solen, wo doch der wichtige Schlüssel nicht da gewesen sei.

Genau - wo ich doch seit vielen Monden einen Originalschlüssel beherberge und nutze und mich um seinen Zwilling nicht die Bohne schere ... soll ich auch hier noch den Kollegen, die nur Dreck hinterlassen, das Hirn und den Arsch  hinterhertragen?
Ne.
Nu is Ende.

Ich höre mich selbst sehr laut am Telefon werden, einen Brüll lassen
- nachdem ich bereits mehrfach zuvor sagte "Hey - wie wäre es, wenn du genau DEN anrufst, der den fehlenden Originalschlüssel versaubeutelt hat - statt weiter mit mir hier herumzufucken?!"
Wir brüllen uns hier - zum zweiten Male heftig an.
Die Zwillingssonne - brüllt - um Kühle zu schaffen - wenn nicht sogar Eiseskälte - und der
Skorpion am anderen Ende - ist halt ein Skorpion .. hmmpffff.

Der radikale Zwillingssonnen-Brüll lautet wie folgt:
"So - jetzt reicht es mir aber!
Ich habe jetzt Feierabend - und bin nicht mehr erreichbar."
Ende der Durchsage - Hörer auf Station.

Kurz darauf - habe ich nochmal friedlich mit einem weiteren im Grunde sehe netten Miglied der Unternehmerfamielie gesprochen, etwas ruhiger ... und noch kürzer darauf stellte sich heraus, daß mein Original-Exemplar des Zündschlüssels nun doch nicht mehr benötigt. Ja - da freue ich mich aber jetzt sehr, lasse ich mich ironisch antworten.

Für mich -war es heute abend sehr interessant, einen finalen Brüll zu lassen und den Hörer zu werfen - völlig uninteressiert an jeglichen Konsequenzen und absolut in dem Wissen, mein Bestes getan zu haben. Punkt.
Und ich mag die Menschen dieser Familie wirklich, mit denen ich einen Limousinen-Nutzungs-Vertrag habe.

Was ich nicht mag: Den Kollgen ihren Arsch und ihren Dreck hinterherzutragen. Oder gar ihr Hirn - welches ich heute ersetzen sollte. Denn - Ich hätte mir doch alles denken können/sollen  ... und das an einem Freitag abend.
Ja - genau - und ihr mich auch.

Donnerstag, 1. September 2011

Fundstück .....

In the heat of moment -
Willy de Ville 
Habe ich zig-tausendmal gehört und mich im Tanz dazu geschüttelt.
Aus einem Film mit dem Titel "Cruising" -
ein Film über homosexuelle
Körpertauschgepflogenheiten
den ich mir nie ansah.
Aber ich mochte den Soundtrack.
"Cruising" heißt übersetzt einfach "Herumfahren",
paßt also auch gut zum Taxifahren.