Donnerstag, 30. Juni 2011

Ent-sorgen

.. geht manchmal leicht in der Kolonie.
Wenn ich etwas loswerden will, stelle ich es kurzerhand einfach auf die Strasse, vor die Tür.
Gegebenenfalls bzw. meistens hänge ich einen Zettel dran, auf dem steht "Zu verschenken" oder "Zum Mitnehmen", bei manchen Dingen noch eine Kurzerläuterung wie neulich "Funktioniert, muß aber justiert werden ...".
Heute war es ein durchaus nützliches Hardware-Teil, die Info lautete "funktioniert - bis XP, nicht mehr ab Vista etc." - und es hat keine 5 Minuten gedauert, bis es adoptiert war.
Es freut mich, wenn die Dinge justiert und weitergenutzt werden.
Und ich kann auf diese energieunaufwändige Weise von solchen Dingen befreien, die bei mir ohnehin nicht mehr funktionieren und/oder nicht mehr nützlich sind.
Habe gerade eine wunderbar radikale Phase
und ent-sorge
mit Freude.
Übrigens -  war es schon das zweite Mal, daß ich voll funktionsfähige Geräte nicht weiternutzen konnte, weil es keine entsprechenden Sotware-Updates mehr gab .... und sowas ärgert mich dann schon,
Ihr Beutelschneider !!!

Vernehmt also, daß ich als Konsequenz den Hersteller wechseln werde (der eine war inzwischen schon pleite). 

Kürzlich stellte ich auch optimistisch eine alte Tischplatte vor die Tür - sie hatte eine ganz schöne und gerundete Form und so dachte ich mir, die nimmt sicher jemand mit.
Zwei Tage später aber - stand sie plötzlich hier im Treppenhaus.
Hmmhhh ..... erst hatte ich den "Hausmeister" in Verdacht, er habe sie wieder hereingetragen.
Dann fiel mir ein, daß es hier jemanden gibt, der mit dieser Form durchaus etwas anfangen kann -
und habe erst mal abgewartet, wie es weitergeht. Zur Kippe kann ich die Dinge immer noch bringen, wenn mal etwas nicht mitgenommen wird.
Heute - war sie weg.
Ich hab´s gewußt, hurra!

Dienstag, 28. Juni 2011

Frische Minze

Der Geruch von frischer Minze - hat mich diese schöne Begegnung erinnern lassen, die sich in einer anderen Zeitzone auf diesem Planeten abspielte, wo nicht nur de Uhren anders ticken. Sie erfreut noch heute mein Gemüt.

Mein erster Trip nach Kuba.
Soviele Rat-Schläge zuvor ......
so entspannt vor Ort mit lauter wunderbaren kubanischen Menschen -
die mir die Taschen meiner Weste schließen wollen, damit ich nicht bestohlen werde.
Die passen alle auf auf mich.
Und ich liebe sie auch!

Mein erster Trip erfolgt von einem Tag auf den anderen - ich muß jetzt endlich dorthin!
Keine Flüge mehr nach Havanna - schon gar keine nach Santiago -
ich lande also de facto in Varadero -
das ist sowas wie der Ballermann auf der - eigentlich - schönen Insel Mallorca.
Zuächst also nur Touris um mich herum.

Aber selbst mit diesen - habe ich echt Glück bei meinem ersten Trip -
auf  die Insel. Ich suche nach etwas - was in Varadero schwerlich zu finden ist:
Einheimische - Eingeweihte
Wobei - ich schon einige treffe ...... mit denen ich mich sehr entspannt unterhalte und hier und da schwinge ich schon mal die Rasseln oder sitze mittendrin in der kubanischen Unterhaltungscombo im Krokodil-Park an einer Trommel .... Letzteres eher dank einer sehr temperamentvollen, quicklebendigen und hellwachen Münchnerin, die ich bis heute sehr schätze und die ständig "Kontakte macht".
 
Kubaner dürfen nicht ins eigene Paradies - es sei denn, sie kommen, um zu arbeiten - oder aber es sind Privilegierte,  Spitzel zum Beispiel. Ich "darf" auch nicht einfach raus aus dem Paradies um im Land herumzustromern, wie es mir vielleicht belieben täte.Überall die unsichtbaren Augen der Stasi und viel Polizeipräsenz. Inselbewohner, die am Paradiesstrand auftauchen, werden unverzüglich kontrolliert.
Am vorletzten Tag meines sehr spontanen 14-Tage-Übernachttrips in die Touristen-Hochburg .... treffe ich endlich den Meister, den ich dort suchte ....wir verabreden uns für den nächsten Tag .... und rate mal, wer nicht kommt!
Denke ich mir so - als entsprechend konditionierte Deutsche - aufgewachsen in einem Land, in dem die Menschen darüber klagen, daß Züge  oder Flugzeuge einige Minuten (Sekunden?) später eintreffen. Ich gewöhnte mich schnell an die Erfahrung - irgendwo zu sitzen - wo völlig unklar ist, ob es an diesem Tag - oder morgen - oder irgendwann -  nochwas geht, wenn es auch manchmal hart an die Nerven ging - soviel Wind für Nichtigkeiten, manchmal reine Schikane und Wichtigtuerei der zuständigen Entscheidungsträger - nun, ich kehre ja zurück in dieses reiche Land in Europa, in dem vergleichsweise alles reibungslos funktioniert (damals noch ...).

Der von mir sehnlichst erwartete Meister kommt doch noch - etwa eineinhalb Stunden später. Nicht aus Absicht zu spät - es gibt ganz andere Barrieren in diktatorischen Ländern und er hat hart daran gearbeitet, überhaupt kommen zu können, was mir bis hierher noch nicht klar war .... ich teffe ihn an im Gespräch mit der Putzfee - sie sitzen unten auf dem Sofa und betreiben Konversation. Ich hatte mich schon wieder strandtechnisch bekleidet - und freue mich nun sehr - ihn doch noch hier zu treffen!

Wiir sind dann mit dem Bus für die "Varadero-Sklavem" in das "richtige Kuba"  rausgefahren ... er hat mir erklärt, daß ich jetzt so tun müsse, als sei ich eine Kiubanerin - und er lege den Arm um mich im Bus, damit wir als Paar durchgehen. Ich soll aber besser nicht reden. Ich spiele mit - ohne jegliches Misstrauen - weiß darum, daß er nicht mit mir unterwegs sein darf und seine Berührung ist einfach der Situation entsprechend.

Ich brauche sicher auch nicht reden - habe mehr als genug Eindrücke zu verarbeiten. Wir kommen in Cardenas an  .... dort gibt es Eselstransporter. wir springen auf einen auf. Der unbelannte und dennoch so vertraute Meister - kennt dort Hinz und Kunz und wir treffen auf einen Trompeter. Ja, ein begnadeter Musiker, gratuliert der mir. Wir gehen essen ... in einem sozialitischem Etablissement .....
ich mag den Mann .... er ist sehr lebendig und voll da.

Und mit mir gerade einfach präsent in seiner Stadt unterwegs.
Das Essen - bezahlt er - con pesos cubanos ......
derweil hat er mir ein Lied geschenkt.
Er hat es aufgeschrieben am Tisch,
während wir dort saßen!
Wir haben nicht "auf´s .... gewartet".
Will sagen: Ich wollte gerne, daß er mir etwas auf den Batás beibringt - aber spüre auch instinktiv, daß dazu ein wenig mehr als Technik gehört. Es ist lebendige Musik.
So ist das, wenn mensch etwas Traditionelles wirklich lernen will, finde ich - der Kontext gehört dazu, läßt es erst erspüren.

Wir essen also  -
eines meiner absoluten Lieblingsgerichte: Reis und Kidney-Bohnen.
Was für ein schönes Lied er geschrieben hat in Windeseile.
Jetzt führt er mich eiin wenig durch
die Stadt und stellt mich in verschiedenen und sehr ärmlichen Haushalten  
seine großen Familie vor - er ist der Patron.

Wir sind  in Afrika -  nicht in diesem vielzitierten vorbildlichen Kuba mit dem tollen Bildungs- und
Gesundheitssystem .... das ist alles eine Mär.
Seinerzeit - war ich noch zu dumm, um vieles zu kapieren,
sonst - hätte ich meine gesamte "Habe" dortgelassen.
Ich wuirde gefragt, ob ich vielleicht ein, zwei, drei T-Shirts da lassen kann -
und habe geantwortet: Die T-Shirts, die ich trage - kann ich niemand weitergeben - die will niemand haben."

War völliger Unsinn - sie hätten jeden Fetzen Stoff gut gebrauchen können - aber ich hatte es noch nicht realisiert. Bei meiner nächsten Reise auf die Insel zahle ich Strafzoll wegen Übergepäck und habe unter anderem eine große Tasche voller Klamotten für diese Leute dabei - leidier klappt es mit unserer Verabredung in Santiago nicht, und so verschenke ich es anderweitig. Ich nehme auch jedesmal ein Fahrrad mit, welches mir gute Dienste vor Ort leistet - und lasse es bei darüber glücklichen neuen Besitzern zurück.

Nach dem Essen gehen wir in ein altes, großes Gebäude, es ist wohl eine Musikschule. Musik, Tanz, Kunst ... In einem schönem, sehr großen und angenehm  kühlem Raum lerne ich ein paar Schläge auf den Batá-Trommeln - deshalb bin ich gekommen. Er bringt mir ein wenig "Chachalokuafu" bei .... eine Art "Partyrhythmus für die GötterInnen".
Wir bleiben nicht lange allein - ein paar hübsche Kinder mit ein paar tausend kleinen Zöpfen stecken ihre neugierigen Nasen herein - bevor sie ganz da sind und tanzen.
Als zusätzliches Sahnehäubchen gehe  ich abends mit dem Maestro zu einer echten Bembé, ein Fest für die Götter.
Alle meine Wünsche haben sich erfüllt - und geben mich weiter auf kommende Wege.
DANKE!

Jetzt die Minze -
die erfrischende Minze:
Von Varadero aus wollte ich unbedingt nach Matanzas - das ist das Herz der Rumba - und dort spielen die Leute Samstags am Fluss. Das habe ich den relativ aufgeschlossenen Touri-Bekannten verklickert - und dann waren wir tatsächlich dort,  inmitten meiner heiß geliebten Rumba. Erst passierte stundelang nichts -viel Wind und Wirbel um nichts - "kubanischer Aufbau" quasi - doch wir hatten sofort einheimische und neugierige Gesellschaft und amüsierten uns gut. Irgendwann später sttze ich tatsächlich mittendrin in der Rumba del Sabado in Matanzas.
Zuvor finde ich mich wieder
mit einem wunderbaren Wesen
auf der Strasse
welches taubstumm ist
und mir mit Augen, Händen und Füßen Geschichten erzählt.

Schade - daß ich immer noch diesen
vernichtenden Rest an Miss-trauen habe
auch - wenn ich spüre - es ist alles in bester Ordnung!
Die Freundin aus München bewundert meine "Sprachkünste" mit dem Taubstummen .... sie spricht selbst einiges.
Er verschwindet kurz und bringt uns frische Minze aus seinem Garten, in den er mich so wortgewandt-stumm einlud - und in den ich nicht mitgehen wollte, um mich nicht zu sehr zu verwickeln!
Dennoch - eine von diesen Geschenken, die das Leben und das Herz wirklich reich machen.

Montag, 27. Juni 2011

Verquatscht - in der Morgenfrische

Heute habe ich mich im Rahmen meiner manchmal - wenn auch eher seltener - aufkeimenden Kommunikationssucht derart mit einer Fahrgästin verquatscht, daß ich sie reflexartig zum Bahnhof fuhr - um dort zu registrieren, daß sie zwar durchaus in die Nähe wollte - aber dennoch ganz woanders hin .... dort angekommen schaue ich sie an und sage "Auweia .... Reflex, pure Gewohnheitsstrecke!" Wir werden uns schnell einig, daß dies nicht das Fahrtziel ist und ich korrigiere diesen "Aussetzer".
Auch dies lerne ich in der Limousine: Mensch kann sich halt mal vertun und Fehler machen.
Das geschah morgens, vor der großen Hitze, die gefährlicher ist als Regen auf der Strasse. Bei Regen fahren die, die von Haus schon schlimm fahren, noch langsamer und orientierungsloser.
Bei Gluthitze aber - schlafen sie alle komplett. Habe heute verschärft aufpassen dürfen - weil keine Sau mehr hinschaut bei 34 Grad - draußen ...
Stand 80 Minuten in der gleissenden Mittagshitze, bevor ich da wieder weg kam und die Klima anwerfen konnte - schätze mal, es müssen so um die 50 Grad in der Limousine gewesen sein.
Später treffe ich dann u.a. einen Radfahrer, der sich mir unbedingt auf den Kühler werfen will - und kurz drauf einen Fußgänger, der auch nirgendwo mehr hinsieht und einfach auf die Fahrbahn läuft - die Ü-30-Temperaturen scheinen bei sehr vielen Menschen die Hirnfunktionen wegzuschmelzen.
Was mich betrifft - bemerke ich wieder einmal, daß mich diese Temperaturen eher sehr heißblütig und aufbrausend  werden lassen ...

Samstag, 25. Juni 2011

Nur 4 Worte ...

... sagt der Mann schräg hinter mir
auf der Fahrt durch die Stadt.
Habe ihn und seine Begleitung -
vielleicht seine Tochter ?-
am Krankenhaus abgeholt.
Ein Nebeneingang, den ich noch gar nicht kannte
und "irgendwas neurologisches",
sprich:
Mit den Nerven fertig.
Für viele "durchgeknallt".
Wir reden fast nichts auf der Fahrt -
nach ein paar wenigen Worten beim Einsteigen.

Auf einmal sagt dieser Mann
schlicht, einfach, klar und relativ leise:
"Ich kann nicht mehr."

Ja - denke ich - Recht haste !!! -
meine beste Fahrt seit Jahren ...

Nicht wegen Geld und
sicher nicht wegen Spaß
oder interessanten Geschichten.
Endlich sagt einfach jemand die Wahrheit.
Endllich sagt jemand unverblümt einfach,
was er wirklich fühlt.
Und der - gilt - als "verrückt" ....
bzw. "zivilsiert formuliert" als
neurologisch/psychisch/sonstwas
"gestört".

Ich nicke -
wie ein Wackeldackel -
innerlich - dezent, fast unmerklich
und antworte ihm ohne Worte.

Ich bedanke mich
wortlos
für diese Aufrichtigkeit.
Er spricht für soviele,
die es nicht auszusprechen wagen.

Ich heule - ebenso leise -
ein wenig mit.
Mitgefühl,
nicht Mitleid.
Eine Kostbarkeit -
kein Leiden.

Bin beruhigt -
daß ich Mitgefühl überhaupt noch erlebe.
Manchmal
überwiegt die Unberührtheit,
die erforderliche Härte und
nach ein paar Jahren
auch viel Angeödetsein
über Immergleiches -
besonders über die ewig-gleichen,
sinnlos-lamentierenden Klagens
über die natürlichen
Rhythmen
des Lebens.

Kurz vor unserem Ziel -
treffen wir eine Ballung von verwirrten und
orientierungslosen FahrzeuglenkerInnen an
und die Frau neben mir und ich -
lachen -
über diese vielen Verrückten,
die sich völlig normal wähnen.

Der Mann hinter mir verabschiedet
sich ausgesucht höflich -
und ich ebenso.
Es war mir
eine echte Bereicherung.

Selbstironie ....

... gehört mit zu meiner besten Medizin.
Zusammen mit Musiksucht.
Hatte heute eine beeindruckende Begegnung
im Mercedes Benz - mit dem "wilden Osten" ....
Relativ gesehen -
muß der Mann mich für reich gehalten haben.
Auf gewisse Weise -
halte ich mich ja sogar selbst dafür.
Soviele Perspektiven ....
Benz
fahre ich
jedenfalls
de facto -
und nicht zu knapp ...

Samstag, 18. Juni 2011

Kommunikationssucht

Das Wort "Kommunikationssucht"
traf mich heute vormittag an
und setzte sofort Anker auf tiefstem Grund ....
Zwar bin ich mit Suchen und Süchten schon ein wenig bekannt,
doch diese hier war mir nicht wirklich bewußt bis eben.
Was mir bewußt war seit einiger Zeit:
Ich finde nicht mehr viel 
oder anders: nicht ein neues
an Worten, die mich berühren.
Habe zuviel gehört.
Mich überhört- im doppelten Sinne.
Viel zuviel Zeit mit Suchen verbracht -
um nichts Neues zu finden,
als die Sehnsucht nach
...

Mittwoch, 15. Juni 2011

Ist einfach schön ...

Ist einfach schön.
Hab ich das schon gesagt?
Ich würde es glatt nochmal sagen ...

Aber niemals unterschreiben!
Für keine Ewigkeit der Welt.
 Singen tun die übrigens ab etwa 222 ....

Die folgenreichste "Sünde" ...

... die je auf Erden begangen wurde - erscheint mir die Erfindung des Christentums.
Der Lebensfreude-Vernichter schlechthin.
Betonung auf "DER"!

Wobei ein junger Mann in der Limousine gestern meinte, es sei der fundamentalistische Islam - ohne diesen gäbe es  vermutlich 80 Prozent weniger Krieg auf der Welt. Was ich so nicht stehen lassen konnte, denn auch in Irland gab es z.B. lange Zeit absurden Christenkrieg. Und die "Christen" sind es auch, die die Bürgerkriege in vielen afrikanischen Ländern anfachen, um an die Bodenschätze vor Ort zu kommen. Kommunisten und Christen besetzen seit Jahrzehnten unrechtmäßig Afghanistan ... u.v.m.

Also ist es der Fundamentalismus schlechthin, der viel Übel bringt - ob (welche) Religion, Politik, Geld- und Machtgier, Fortschritts- und/oder Wissenschaftsfundamentalismus ist wurscht.

Dienstag, 14. Juni 2011

Jakob Böhme ....

.... gestern in der Limou gehört - danke für den erquicklichen Beitrag!. 

Über den äußeren und den inneren Menschen, über Gott und Natur
und allerlei erlebte Mystik von einem,
der 1575 geboren ward -
und dessen Sprache für mich manches Mal
soviel klarer und tiefgehender klingt,
als unsere heutige.

Montag, 13. Juni 2011

Zu-fall wieder ....

Das muß ein Eingeweihter sein -  schreibe es mal unreflektiert und schon spät -
bei 112"- wo ich schon soviel Schönes sah - und sehe weiter ....Ashé!
Erläuterung nach Ansicht: Vodoo- , Santería- y Candomblé- Gottheiten ... die weitgehend gemein sind mit keltischen, gotischen (huch - ein Eindringling - mal hören, was der will -----), römischen .... achja - mensch - tssss tsss tssss, wie konnte ich bitte germanisch !!!- mit gotisch verwechseln.
Wobei - diese Goten ja auch meine Kolonie besetzt haben einst .... ich werde mal nachsehen- was sie noch alles aufzuräumen haben hier - die Goten .... .
Ich war kurz weg .....
gescannt durch die Ahnen.
Genau HIER wollte ich hin und genau dieses Lebensgefühl nochmal re-kapitulieren .....
Der letzte Tag 
Shake baby baby shake ....

Samstag, 11. Juni 2011

Philan oder Misan ....

Ich bin unentschlossen, wenn ich über die Frage sinniere, ob ich diese Kugel zu gegebener Stunde als Philanthropin oder doch eher als Misanthropin verlassen werde. Vermutlich - wird es sich nicht ganz klären lassen bis dahin und bleibt äußerst wechselhaft. Heute tendierte ich eher zu misan .... und freute mich dafür umso mehr über die wenigen Tiere, die sich offenbarten und über die erstaunlich kraftvollen Pflanzen, die sich immer noch ihre Wege in die degenerierte Welt der Menschen bahnen. Aber wer weiß - vielleicht sind die oft auch schon eher misan und enttäuscht, weil sie gnadenlos ausgerottet werden - und halt einfach wie eh und je nach der Sonne ausgerichtet, wenn sie sich hartnäckig und unerschüttert ihre Wege durch die spärlichen Ritzen im Asphalt bahnen, die ihnen bleiben?
Die Malven blühen wieder zu meiner wiederholten Freude - manchmal schießen sie locker über zwei Meter hoch. Ungebeten - und einfach so, weil sie halt Schönheit verbreiten, wo sie sind. Daß sie es sind, die unter dem kargen Namen "Stockrosen" geführt werden, habe ich erst in diesem Sommer registriert. Paradiesblumen und Wunderwesen ja .... aber doch nicht "Stockrosen".

Heute also eher misantrophisch drauf und sehr wortkarg auf meinem rollenden Arbeitsplatz (Wechseljahres-PMS). Viele Fahrgäste - zum Glück auch eher sparsam an Worten. Einer versucht es dann doch, nicht lange nach einer anderen, die mir heute auch schon ein wenig grenzwertig daherkam. Beides Einheimische. Kölsche. Sooo lustig - daß sie es auf keinen Fall alleine sein wollten und auch kein Schweigen aushielten. Während ich die Dame durchaus noch locker "abliefere" - immerhin habe ich auf ihr Erscheinen fast eineinhalb Stunden warten dürfen. Dennoch nervt sie mich leicht ob des Smalltalks, der mich nicht die Bohne interessiert .... Kategorie "Wird eh unaufhaltsam weiterreden ...."
Während dieser Wartezeit - kommt ein Kollege ans Auto, der im Grunde wirklich symphatisch ist, echt. Dennoch - habe ich auch mit ihm nicht viel zu erzählen. Er kam, weil ihm so langweilig war alleine. Sagt er mir. Ich aber - bin schon solange nicht mehr für Menschen da, denen langweilig ist. Ich tauche in meine ureigene, tiefste Langeweile ein .... um vielleicht sogar noch einmal hindurchzutauchen, wer weiß.  Doch solange sie dauert, bringt sie mir auch was bei.

Der nächste Kandidat, dem langweilig ist, ist ein großer Mann mit großem, kahlen und eierköpfigen Schädel. "Juuuuten Tach!!!"" (Tätätä ....). An dieser Stelle antworte ich noch - mit höflichem, ebensolchem Wunsch. "Vorsicht!" ruft der - völlig unnötig - ein Radfahrer kommt mir beim Anfahren in der sehr belebten Strasse entgegen, den ich schon lange im Auge habe. Ich denke bei mir "Hallo? Wat is dat denn für ne Nummer ... Generalfeldmarschall oder wat?"
"Wohin fahren wir?" - frage ich sachlich.
"In die Dingensstrasse - über soundso und dingens und dann hier und da und dann  .... "
"Jut." (Kenn ich, seine kleine Strasse, ganz gute Fahrt an einem Samstag ....)

"Hachja, dat es e komisch Wedder ...."
Und so weiter und so fort.
Ich habe die Klima an, ziemlich hoch, da mir im Stand einfach die Schwüle in die Kiste kommt.
Nachdem seine Lustigkeit keine Resonanz bei mir hervorruft, fängt er davon an, daß er die Klima ja nicht mehr vertragen kann. Ich sage ihm, er soll doch bitte die Rädchen vom Gebläse auf seiner Seite zudrehen. Drehe insgesamt noch ein wenig runter, wegen Erkältungsgefahr auf seiner Seite. Kenn ich ja selbst, muß man schon aufpassen.

Ob ich schlechte Laune hätte?
Nein.
Ob ich was gegen ihn habe?
Jetzt - ist es ganz aus bei mir ....

Denk doch mal nach -
über deine Grenzüberschreitungen.

Denk mal drüber nach - wem du sonst noch auf die Schnelle
so viel "Persönliches" zumuten willst, wie den Taxi-Menschen ....
selbst deine Stammwirtin und deine Domina wollen das nicht hören -
und bei denen läßt weit du mehr Geld.
Wenn du bei uns ankommst -
fängst du wieder an zu verhandeln
oder hast keines mehr und prellst die,
die am Ende dieser Kette sitzen.
Und für die paar Kröten erwartest Du auch noch Lang- und Demut?
von dieser Zunft - die du eh für blöde hältst
und über die soviele lustige Witze gemacht werden,
weil wir ja angeblich alle zu doof sind - für alles Mögliche ...
und doch brüstet du dich regelmäßig damit,
daß du ja neulich mit diesem Taxifahrer gesprochen hast .....
welch eine Größe,
sich derart herabzulassen.


"Mensch, jetzt haste aber einen Scheiß-Fahrgast erwischt ..."
kommt als nächste Provokation, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Bei mir schlägt das weiter in die komplette Gegenrichtung:
Ich rede ums Verrecken nicht mehr - kein Wort.
Hier gucke ich noch einmal geradewegs rüber und sage
"Was bitte genau soll ich jetzt darauf antworten?"
Er könne ja auch gerne ein anderes Taxi nehmen, sagt er - und ich denke "Ja.  Durchaus. Vielleicht eine gute Idee... " Aus meinem Mund höe ich nur "SIE reden doch die ganze Zeit solches Zeug  - ich sag doch gar nichts!"
Schweigen.
Sehr eng in der Limousine ...
Meine Übung, wie immer: Nicht anzapfen lassen energetisch.
Ich merke, daß sie mir immer widerlicher werden - 
diese Menschen, die mir so plump vertraulich kommen.
Besonders diese Typen, die erst plump vertraulich daherkommen -
und mich dann "abstrafen" wollen, wenn sie auf Granit beißen.

Noch zwei, drei weitere Versuche kommen auf dem Weg."
"Erzählen Sie doch mal einen Schwank aus Ihrer Vergangenheit."
"Nein. Das möchte ich jetzt nicht."

Jetzt wird der große eierköpfige Mann beleidigend und meint, sowas Beklopptes wie mich hätte er ja noch nie erlebt. Mein Schweigen ist mittlerweile eisern - und ich überlege kurz, ob ich ihn hierauf raussetzte und ggf. auf mein Salär verzichte, denn es wird dann garantiert eine lautstarke Szene geben. Drama baby drama- oder kühle Nerven? Letzteres ....

Zweiter Versuch: "Was ist denn das hier für eine Taxi-Nummer, aha, die soundso, das werde ich mir merken. Sie werden noch von mir hören! Und zwar geich - ich werde gleich anrufen ...." bei der Zentrale, meint er, um sich über meine Person zu beschweren. Ich denke "Du kannst mich mal - oder besser: Eben nicht!" und überlege noch eine Millisekunde, ob ich ihm noch meinem Nachnamen sage, damit er diesen in seine "Beschwerde" (?!?!) über mich einfliessen lassen kann ....bzw. rhetorisch einfliessen lasse, damit er begreift, wie lächerlich das ist.

Solch eine "Drohung" habe ich schon viele Monde nicht mehr gehört. In den ersten Jahren öfter- besonders, als wir noch einen Ausweis mit Namen und Bild ans Armaturenbrett pappen mußten - weil angeblich ein Kollege mal übergriffig geworden sei. Damals habe ich mich gefragt, wo denn die Beschwerdestelle ist, die meine Beschwerden über Kundschaft entgegennimmt, die sich nicht benimmt und übergriffig wird?
Ein Italiener hat sogar mal behauptet, ich hätte ihn nicht zum Flughafen fahren wollen. Er hatte soviel Gepäck dabei, daß es nicht einmal in meinen damaligen Kombi passte und er einfach ein Großraum-Taxi bestellen mußte für seinen Prüll ... was für eine alberne Beschwerde! Jede(r) von uns fährt doch sehr gerne mal eben zum Aeropuerto hinaus.

Jedenfalls entscheide ich mich, auch auf diese Provokotionen des Haarlosen neben mir nicht anzuspringen.
Siehe oben. Es langweilt mich - und ich bin es müde geworden, mich zu erklären oder herumzuzanken mit denen, die nach Aufmerksamkeit gieren und nicht einmal während 10 oder 15 Minuten mit sich sein können.
Ich biete Fahrdienste an - Kabarettt und Unterhaltung kostet mehr!

Wenig später höre ich ihn wieder - aber anders.
"Da vorne geht es dann gleich rechts in die Dings ... zweite Straße nach Dings (ja, weiß ich)."
Ich antworte korrekt "Jaaaa."
"Nein, hier noch nicht - hier ist ja noch nicht das Dings ....."
Weiß ich, doch Eierkopf -  geh mir doch nicht wieder auf den Senkel - ich fahre halt mal anständig nur 40 in der 30er Zone ....
Gut, daß ich nie im Leben auf die Ratschläge von damaligen Freunden gehört habe, die mir empfahlen,  mir doch eine Knarre zu besorgen, für "meine Sicherheit"! (als ich noch Wirtin war .... also mit Kneipe und für Schmarotzer) Ich habe schon damals gesagt - das ist nichts für mich - ich habe die Neigung, vorhandenes Werkzeug auch zu benutzen - ich würde einfach zuviele Leute damit erschießen.

"So, jetzt hier rechts und dann gleich ...."
"Jaaaaaaaaa ....." (besonders langes, am Ende stimmlich hochgezogenes "A" steht für entsprechendes Schimpfwort).
"Ja - hier können wir halten. Was macht es denn?"
"Das macht schnick Euro schnuck" zeige ich ihm meine Zähne, natürlich formell höflich, große scharfe Zähne - die sich nicht mehr ausbeissen an "Gesprächsvampiren". 
Der Eierkopf, der mir eben noch drohen wollte, gibt mir ein gutes Trinkgeld -
und reicht mir die Hand zum - wie er sagt: "Frieden".
Ich schlage ein.
Ich mag ihn nicht sonderlich,
aber Frieden finde ich gut.
Für den Frieden.
Nicht, daß es mir leicht fällt -
aber für den Frieden muß es sein.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Von Henry Miller ....

... nur kurz gestreift, berührt -  weggeschmolzen..
Aus Versehen - also per ZU-FALL -
hat die Buchhändlerin den "Wendekreis des Steinbocks"
statt des Krebses geordert.
Ich nehme es dennoch,
denn schließlich gibt es ja keine "Zufälle" -
oder eben nur solche.
 
Die ersten Seiten bereits spiegeln kristallklar,
was ich für das Leben halte
und wie ich es auch oft erlebte .
Genial, wie er die Essenz beschreibt. 
Das Leben - ist - einfach
Und darumherum -
tanzen irgendwelche Geister,
die sich für real halten und es in eine Form bringen möchten.
Das absolute Chaos - in eine Form bringen wollen.
In eine formelle, zeitliche, strukturelle Schablone ...
die es in Wahrheit nicht gibt.
Ebensowenig wie selbstgewählte Schick-sale 
im Chaos.,
Er hatte recht vor über 70 Jahren,
dieser Heinrich Müller,
wenn er damals behauptete,
daß seine Generation noch schlechter und verdorbener
sei vom Charakter
als die vorhergehenden.
Weil wir immer mehr wissen, als die vor uns.
Ich habe es noch zu meiner Mutter sagen können,
bevor sie starb:
"Im Grunde - sind wir heute viel übler drauf,
als ihr damals -
immerhin konntet ihr noch behaupten,
 ihr hättet von nichts gewußt."

Wie es sein kann,
daß so ein grandioser Geist
als vorwiegend pornografisch
abgehandelt  und - gehalftert wird,
obwohl er noch ganz Anderes mitzuteilen hatte 
als Ficken, lecken, Möse und stecken ...
ist für mich sonnenklar.
Du mußt große und freie Geister und Seelen klein halten,
begrenzen,
stigmatisieren ....
sie sind sonst wie ein Virus:
Nicht aufzuhalten. 

Darüberhinaus - ist diese Sprache des Fickens und Leckens,
die immer mal wieder dazukommt
einfach von grundauf ehrlich und lebendig.
Wer seine Triebe und das Verlangen verleugnet -
ist der schlimmste Despot.

Anders als Heinrich Müller, der mir ansonsten so sehr aus dem Herzen und Seele spricht -
würde ich nie in Gottes Fresse schlagen wollen.

Nicht einmal oft in andere Fressen.
Manchmal denke ich zwar im vorübergehenden Zorn so etwas bei mir -
und bin auch furios -
plutonisch gnadenlos.
Doch -
ihr GötterInnen  -
danke -
habt ihr mir oft genug gezeigt,
wen ich damit am Ende schlagen würde:

Ich würde mir einfach nur selbst in die Fresse schlagen.
Ob ich Gott oder einen armen Teufel erwische - ist wurstig.

Gerade gestern war mein allererster Gedanke beim Erwachen
aus der Realität des Traumes in diesen Traum der Realität:
Das Göttliche derart zu unterschätzen,
wie es (in mir) gerade geschieht auf Erden -
sprengt komplett meine Schädeldecke.

Ich war sehr einverstanden mit dieser Sprengung.

Es gibt da so eine seltsame kleine Verschworenheit unter "PlutonikerInnen" -
der Herr Müller ist auch ein solcher -  ebenso wie ich es bin -
die sich nicht einfach beschreiben läßt.
Am einfachsten noch so:
"Geh runter - rein .... -  in die Triebe - in deine Getriebenheit -
scheiß auf alle Ängste - tauch durch oder verrecke."
....

Hommage an Lotti Huber - und eine von ihr an die Menschen in der Kolonie

Lebendig ist sie !!!
hier mit 83 Jahren
aber was ist schon Zeit
gegen Temperament!

Dienstag, 7. Juni 2011

Fundstück ...

Dorlamm meint

Dichter Dorlamm läßt nur äußerst selten
andre Meinungen als seine gelten.

Meinung, sagt er, kommt nun mal von mein,
deine Meinung kann nicht meine sein.

Meine Meinung – ja, das läßt sich hören!
Deine Meinung könnte da nur stören.

Und ihr andern schweigt! Du meine Güte!
Eure Eurung steckt euch an die Hüte!

Laßt uns schweigen, Freunde! Senkt das Banner!
Dorlamm irrt. Doch formulieren kann er.

© Robert Gernhardt

Montag, 6. Juni 2011

Ascoltame ... prenditi un huomo i tua vita debbe essere felice ... oder so

An einem sonnendurchfluteten Halteplatz mitten in der an diesem Sonntagnachmittag unbelebten Innenstadt erlaube ich mir, den Motor und damit die Klima bei etwa 34 Grad weiiterlaufen zu lassen .... ah, das tut gut! Und der gute Lauf heute tut auch gut. Mal sehen, was hier passiert - ein gefährlicher Platz, an dem ich entweder Glück haben werde oder aber übelst hängenbleiben kann. Ich fahre die Rückenlehne zurück, geniesse die Kühle und entspanne mich. Herrliche Sonntagsruhe, sogar hier, auf einer der Haupt-Trassen durch die Kolonie !
Zack - Glück gehabt. Keine drei Minuten vergangen und schon - ein Einsteiger. Die haben wir am liebsten, ganz ohne Anfahrt, einfach losfahren ....
Ein schlanker Mittdreißiger, dunkler Typ, Akzent.
"Paaascha bitte" (für die, die es nicht wissen - das ist der offizielle Kölner Puff).
"Ja, gerne." sage ich aufrichtig - Hauptsache, die Kiste rollt!
Und ich rekapituliere nochmal in Windeseile, daß ich es am Anfang meiner Limousinenlenkerinnentätigkeit eher verwerflich fand, wenn die Herren in den Puff oder auf den Stassenstrich wollten. Ich hatte damals noch eine Meinung dazu - und das war wahrlich anstrengend!
Heutzutage ist mir das eher wurscht und ich habe ja schon ein paar Mal erwähnt, daß es sich auch in dieser Parallelwelt meist einfach nur um durchaus freundliche Menschen handelt ... jede(r) mit einer ganz eigenen Geschichte.
Der Fahrgast neben mir stöhnt etwas über die Hitze - in gemischten Brocken aus deutsch, englisch und italienisch. Aha, ein Italiener. 40 Grad in Mailand, schon seit ein paar Wochen. Soso .... dann werden es auf Sizilien wohl 50 sein. Ich antworte - wenn überhaupt - auf deutsch, englisch, italienisch und spanisch. Wir verstehen uns blendend (Hä? Wat will er jetz sagen?). Ich fühle mich erinnert an längst vergangene Tage, in denen ich mich in einen Calabresen verliebte, der in Rom lebte und wahrlich wie ein Zigeuner aussah - Schlagzeuger von Profession und seit dem sechsten Lebensjahr, ein sehr guter!  Und einen Kopf kleiner als ich - eine echte Herausforderung.
Auch sprachlich - nach einem halben Jahr sprach und verstand ich nicht nur italienisch sondern auch nach wenigen Tagen im Süden härtesten Dialekt! Ansonsten gehöre ich eh zu der Spezies, die sich mit Händen und Füßen, Herz und Augen unterhalten kann - wenn ich möchte.

Also … ich glaube, ich war eben ein wenig nostalgisch …. Schwärmerisch, begeistert, lebendig, lachend, geniessend, scherzend, auch nachdenklich, gemeinsam und in geselligen, generationsübergreifenden  Runden über das Leben sinnierend, interessiert, etwas vom Anderen wissen wollen, etwas von sich geben, die Schönheit hervorhebend - immer die Schönheit des Lebens hervorhebend. La Belleza!

Aber genau das war und ist noch meine vorwiegende Erfahrung mit den Menschen aus sonnigen Ländern und Kulturen – es findet ein ganz anderes Gespräch statt. Einfacher: Es findet ein Gespräch statt, kein Monolog. Und die Fragen sind anders. Die Reihenfolge der Fragen ist ganz anders. Sie wollen wissen, was du magst, was du gerne tust, was du geniesst, was dich wirklich interessiert.
Auf Kuba habe ich es nochmal wieder und anders erlebt. Italiener lieben Kuba ….
Andere Latinos – haben auch diese ganz andere, aufmerksamere Gesprächskultur.
Viel mehr im Leben …. viel weniger im Jammern.

Ja - und jetzt zurück zum Italiener .... der muß ja nur wenige Worte in seiner Sprache singen, um mich zu verzaubern. Haha ... ein Scherz, und doch so wahr!
Wir betreiben also ein wenig Konversation in o.g. Kauderwelsch unter Zuhilfenahme der äußeren Gliedmaßen - worauf ich mich glatt verheddere und den falschen Weg nehme in meinem endlich mal wieder gefordertem Naturell - muß wieder zurückdrehen - no problema - ich fahre wirklich über eine rote Ampel und drehe genau bei der Polizei bei - ich amüsiere mich innerlich, ohne, daß er Bescheid weiß, worüber genau. Denke noch  leise - tja, eigentlich schade, daß der jetzt in den Puff geht - gaaanz leise nur denke ich das, er kann es nicht hören.

Auf dem weiteren Weg – entschuldigt sich der Italiener indirekt dafür, daß er nicht gesehen hat, daß der Taxifahrer eine Frau ist …. Ich sage, kein Problem.  Wirklich,  ich fahre auch gerne zum Puff, wenn am Abend mein Umsatz stimmt. Und solange sich die Herren mir gegenüber adäquat gebären – bin ich durchaus friedlich.
Ob ich verheiratet sei und Familie habe?
Nein.
Ah – gut …. kein Ärger abends nach der Arbeit.
Genau, sage ich, kein Ärger, wie wahr!
Findet er gut.
Ja, ich auch.
Punkt.
Wir sind uns einig.
Beim Pascha angelangt, bietet er mir an, per cortesia, mich anzurufen, damit ich ihn abhole später.  Ich überlege kurz – und lehne dankend ab …. Sage ihm, ich habe keine Ahnung, wo ich nachher bin. Und so – ist es auch in der Tat bei mir … ich fahre nur sehr selten auf Anruf oder, anders gesagt, erst ab einem gewissen Salär - dann aber gerne. Einen anderen schönen Italiener fuhr ich mal nach außerhalb zu einem Etablissement, das war eine nette Strecke und dem bot ich daher gerne von mir aus an, ihn wieder aufzulesen, als er mich fragte, wie er denn später wieder zurück in die Kolonie käme.

Ist ganz süß, dieser Italiener ….denke ich nochmal bei mir.
Vielleicht so eine Art angenehmer Kunde bei den Damen im Pascha?!
Quien sabe?
Zum Abschied gibt er mir noch einen lebensweisen Ratschlag vorm Puff:
Ich soll mir einen guten Mann suchen,
der mein Leben leichter macht –
und mit dem ich ebendieses geniessen soll.
„Ascoltame!“
(Hör mir mal gut zu - was ich dir jetzt sage ....)

Hmmm …. Die Wege der GötterInnen sind unergründlich.
Der nette Italiener könnte ein freundlicher Bruder des Merkur gewesen sein ….
Der sich als Hermaphrodit mal wieder einen Scherz erlaubte.
Nimm Dir einen Mann –
und Dein Leben wird richtig gut -
vorm Puff.
Hahaha ….
Manchmal finde ich das Leben einfach genial- ironisch!

By the way - meine Dienste waren sofort wieder gefragt vor der Tür, ich fuhr eine sehr beeindruckende, sehr reife Dame dieses Gewerbes mit ihrem Fifi a casa.  

Dickentauwetter ...

... und immer noch kein Gramm abgenommen - sagt die wirklich sehr dicke, große und schwitzende Frau, die einsteigt.
Heute bin ich überwiegend maulfaul - es ist mein vierter Tag in drückender Hitze bzw. Schwüle auf der Strasse, bei erstaunlich viel Lärm und ich habe Kopfschmerzen davon und von dem permanenten Wechsel von heiß auf kalt - Hitze beim Warten und dann ratzfatz runterkühlen mit der Klima, etwa 15 Mal heute .... das erfordert gute Abwehrkräfte.
Auch gegen sinnfreien und kräftezehrenden Smalltalk bzw. - wie es heute gemäß des Naturgesetzes des vermehrten Auftretens von ähnlichen Phänomenen mehrmals vorkommt - gegen Selbstgespräche von Kundschaft, die gerne ihre Geschichte(n) loswerden möchte, aber Dich nicht einmal wirklich registrieren und schlicht drauflosplappern.
Hauptsache loswerden, die Brocken, die da im Hals sitzen, schnell auskotzen in der Limousine, was weg ist, ist weg ...
Nicht, daß die sehr dicke Frau nicht nett wäre auf ihre Art - sie nervt halt nur gerade, weil sie nichts merkt. Sich nicht einstellt auf den anderen Menschen - also in diesem Falle auf meine Person. Und sie ist heute nicht alleine damit.
Bei dem schönen Trinkgeld, was diese Menschen mir manchmal freundlicherweise  geben - denke ich öfter - die haben es wirklich nicht gemerkt, daß ich gerade gar keine Lust hatte auf ihre Geschichten .... 
Hmmppffhhh  ... reicht schon als Kommentar bei diesen, die gerne nur etwas loswerden möchten.

Ganz anders dagegen die Konversation mit dem freundlichen Italiener gestern, den ich zum Puff fuhr ... muße ichä de Extra-Postä schreibe ....

Samstag, 4. Juni 2011

Das lachende Cabrio

Ich fahre zu der Adresse auf dem Display - da schau her, ein Parkplatz direkt vor der Haustür des Mietshauses. Hinter mir steht ein schwarzes Cabrio mit geöffnetem Verdeck und der Inhaber setzt sich gerade ans Steuer - als die Tür aufgeht und ein Mann herauskommt. Dieser stutzt und steuert dann auf das Cabrio zu. Ich denke "Ah, ok, ein Freund von dem, noch nicht mein Fahrgast ..." und beachte die beiden nicht weiter - bis der Fahrer des Cabrios plötzlich schallend zu lachen beginnt. Ich gucke den an - der guckt  mich an - und ich stimme ein!
Es ist doch der Fahrgast - der sich, hackezu und knalldicht, für das Cabrio entschieden hat - der braucht auch in der Tat frische Luft!
Der Cabriolist kriegt sich gar nicht mehr ein vor Lachen - und ich auch nicht, es steckt wahrlich an. Ich rufe ihm noch zu "Dat hatt´ isch auch noch nit bislang ....", während der Mann mit der Fahne einsteigt und sagt, man könne es ja mal versuchen .... Ich meine nur "Naja, Taxen sind ja in der Regel elfenbeinfarben - äh - hell lackiert." und amüsiere mich noch.
Es geht quer durch die Kolonie in einen Vorort, eigentlich eine schöne Fahrt vom Salär her.Der Typ duzt mich vertraulich und fragt aber gleichzeitig - mehr rhetorisch - ob das denn in Ordnung wäre. Ich antworte ihm, daß ich es vorziehe, von ihm gesiezt zu werden. "Ach, dann bist Du jetzt die erste Taxifahrerin, die ich nicht duzen darf." Tja - so spielt das Leben halt, manchmal gibt es Änderungen im Plan.
Ich sage kurz, daß wir uns ja schließlich nicht kennen - daher bitte "Sie" - in anderen Berufsgruppen sei es schließlich auch nicht Usus, die Leute einfach so zu duzen. Punkt.
Doch - in seiner schon ..... ich erwidere nichts mehr. Bin innerlich noch bei dem lachenden Cabrio.
Der Typ neben mir fängt an zu nerven - er gehört zu den Energievampiren. "Ach, entschuldigen SIE bitte!" Auf der 27 Euro-Fahrt hat er am Ende etwa 50 Mal "Entschuldigung" gesagt und explizit "SIE" .... und einmal hat er mich fast gekriegt, weil er mindestens so blöde nervt wie ein kleines Kind. Aber dann fiel mir der lachende Cabrio-Mann wieder ein ... und das zauberte ein breites Grinsen auf mein Gesicht. Dieser Energie-Vampir und Möchtegern-Provozierer war einfach nur langweilig. Und ihm - war sehr langweilig, er wollte gerne unterhalten werden und Aufmerksamkeit (ab-)ziehen.
Inzwischen - unterhalte ich mich aber lange nicht mehr mit allen.
Das schallende Lachen dagegen - habe ich noch ein paar Stunden amüsiert gehört.

Überwiegend heiter ...

... trotz temporärem Kollabieren an sonnendurchfluteten Halteplätzen, an denen sich die Limousine blitzschnell auf 50 Grad Innentemperatur erhitzt.
Zeit, den detaillerten Schattenplaner für die Sommermonate zu kalkulieren - um welche Uhrzeit findet sich an welchem Halteplatz ein schattiges Plätzchen und auf welcher Position genau - und mit welcher Sternenkonstellation jeweils ....
Heute hatte ich auch ohne vorgenannten Kalender einfach einen sehr guten Lauf, selbst an den unverhofftesten Orten. Raztfatz wieder am Start und immer schön weit, zum Flughafen oder auf die diametral entgegensetzte Seite der Kolonie, einmal auf Wunsch gar im Schnellflug über die heute ausnahmesweise freie Autobahn, welches ein hübscher Bogen ist. Dann .... knickt der Lauf ein und ich warte ungelogen in dieser Hitze 140 Minuten auf die nächste Fahrt. Nach etwa 100 Minuten wurde ich doch wieder etwas ungehalten, trotz erfreulicher Vorlage am Vormittag. Die Laus auf Leber halt, die zu.ange dort sitzt, und die viele gestaute Energie.
Stelle heute die Limousine früher ab - werde nicht mehr eine Stunde in der drückenden Schwüle auf die nächste Fahrt warten. Es ist auch so ein guter Tag heute - vom Umsatz her und besonders, wenn ich gleich ins Kühle gelange! Vielleicht - gibt es ja morgen ein herrliches Gewitter. Und einen noch besseen Lauf. Danke.