Montag, 31. Januar 2011

Nach Kairo bitte ...

Messetango für die Limousine, kurz nach der IMM = Internationalen Möbelmesse beginnt die ISM =  Internationale Süßwarenmesse in der Kolonie.
Ich fahre nicht nur immer noch gerne die verkehrsärmeren Sonntage, sondern auch nach wie vor gerne internationales Messepublikum. Das ist einfach Business - die wollen schlicht transportiert und selten unterhalten werden.
Dennoch kann sich die ein oder andere interessante Konversation ergeben, so auch gestern.
Der hochgewachsene, gutgekleidete und insbesondere sehr höfliche Mann, der an der Messe einsteigt, setzt sich neben mich - die meisten  Business-Leute sitzen lieber hinten. Er sagt auf englisch "Nach Kairo bitte" und outet sich somit. Ich muß lachen - ein anderer Fahrgast fällt mir sofort wieder ein, der vorgab, nach Istanbul zu wollen .... Heimweh eben.
Ich sage "Sehr gerne. Aber Sie wissen schon, daß es zur Zeit dort etwas gefährlich zugehen kann?"
"Ja, das ist mir bekannt."
"Gut, dann kann es ja losgehen ....." wir lachen und er nennt mir sein Ziel in unserer beider momentanen Realität. Natürlich frage ich ihn jetzt, ob er Ägypter ist.  Ja, ist er. Wir unterhalten uns über die aktuellen Geschehnisse in seiner Heimat, er erzählt mir dies und das.
Wir sind beide in der Tat ergriffen von den Geschehnissen, er sicher auf ganz andere Weise und intensiver - dennoch sind wir beide ergriffen.
Und das ist auch, was er beschreibt, nämlich "We would never ever have imagined this !!!"  Sie hätten es sich bis vor kurzem selbst nie und nimmer ausmalen können, was gerade geschieht.
Ich erzähle ihm von einem ägyptischen Geschäftsmann, der mir vor zwei oder drei Jahren sagte, es gäbe kaum einen Ort auf der Welt, an dem ich mich sicherer und unbehelligter bewegen könne, als Ägypten, Kairo inkludiert.l Auch als westliche Frau? Ja, gerade als (westliche) Frau.
Nun sage ich zu diesem angenehmen Zeitgenossen, daß ich das auf Kuba auch kann - aber die Sicherheit ist trügerisch, denn sie basiert auf der Unterdrückung der einheimischen Menschen durch ein totalitäres Regime und auf Militärpräsenz. Er bestätigt das für Ägypten.
Er berichtet, wie beeindruckt er derzeit in Deutschland und in Europa ist über das Interesse an den Geschehnissen in Ägypten. Er habe beobachtet, wie gebannt die Menschen hier den Ereignissen dort folgen - und wie schockiert sie seien. Ich ergänze, daß ich nicht nur sehr überrascht bin, sondern auch explizit den Mut der Leute vor Ort bewundere. Und das bezieht sich ja mittlerweile auf eine sehr weitreichende Region - wer weiß, es mag sogar eine Welle geben, die noch weiter reicht, als sich jemand derzeit vorzustellen vermag.
Und wir kommen auch darin überein, daß die Menschen derzeit überall unterdrückt sind auf diesem Planeten - daher diese Faszination für das, was gerade unerwartet aus Nordafrika kommt.
Es war übrigens eine sehr kurze Fahrt - mit komprimiertem Inhalt. Eine von diesen Fahrten, nach der wir uns gegenseitig bedanken für diese kurze und dennoch intensive Begegnung - aus sehr verschiedenen Perspektiven - dennoch einig.

Kein Sombrero ...

Habe einen Auftrag beim nahen Krankenhaus auf´s Display bekommen. Der Fahrgast steht bereits abholbereit vor der Tür, ohne Gepäck, nur mit einem größeren runden Gegenstand in der Hand, geschätzter Durchmesser 40 Zentimeter. Ich denke beiläufig "... vielleicht ein Karnevelshut, eine Art Sombrero in weiß?" Als der Mann einsteigt, sehe ich, es ist ein Kissen. Er wirft es auf den Beifahrersitz und läßt sich anschließend darauf nieder. "Ach" sage ich belustigt "das hatte ich auch noch nicht bisher, daß es sich jemand erst einmal gemütlich einrichtet und es sich kuscheliger gestaltet mit seinem Kissen."
"Ja, so ist es nicht ganz." meint er und ich erfahre, daß es sich genauer um ein sogenanntes Lochkissen handelt, welches ihm "nach einer rückwärtigen OP am Südpol" aktuell wirklich gute Dienste leistet. "Aha" meine ich "Das Loch in der Mitte war es, wieso ich das Ding zunächst für einen großen Hut hielt."
Was es so alles gibt .....
Wir unterhalten uns über das Phänomen Karneval und das abrupte Aussetzen des Frontalhirns (sofern vorhanden) bei den Mitmenschen - der Mann ist Psychiater und kennt sich aus mit Menschen.

Internationale Süßwarenmesse und Dekadenz vor dem Untergang

Dekadenz war ja immer so ein gemeinsames Merkmal vor dem Untergang ehemaliger "Hochkulturen". Die aktuellen Kreationen der ISM, gestern im Radio verkündet, bestätigen, daß wir nun auch dran sind und ließen mich schallend lachen in der Limousine, es hieß wie folgt: "Neu auf dem Markt sind Schokolade mit Sauerkraut und Schokolade mit Oliven ..."

Erinnerung auf dem Markt ...

Ich kaufe frisches, köstliches Obst und Gemüse auf dem Biomarkt um die Ecke ein, der dort einmal die Woche aufgebaut ist. Nach einer längeren Phase, in der ich nun allerlei Mist gefressen habe - alles, was ungesund und wenig nahrhaft ist und das Ganze nochmal komprimiert, im Selbstversuch - vermeldet mir die Frau Körper nun mit Nachdruck einen Heisshunger auf Rohköstlichkeiten und auf gesunde vegetarische Speisen.  
Ich schaue alles durch und beginne, dem netten und gutgelaunten Verkäufer  meine Wünsche mitzuteilen und dies und das anzureichen. Ich beschränke mich weder noch rechne ich nach .. ich weiß schon, daß das wieder sehr günstig sein wird im Verhältnis zu  den quasi durchweg toten Industrie-"Nahrungs"-
mitteln der Supermärkte. Am Ende vermeldet der o.g. spürbar vitale Mensch "Dann hätte ich jetzt gerne soundsoviel Euros für dieses Tauschgeschäft." und ich antworte "Die gebe ich Ihnen sehr gerne." Genau so ist es - ein Tauschgeschäft. Und ich freue mich über die explizite Erwähnung. Ich gehe ohnehin am liebsten auf den Märkten der Kolonie einkaufen - da ist es nicht nur am frischesten, sondern auch lebendig und persönlich. Und - es gibt regionale und saisonale Lebensmittel. Das sind i.d.R. die, die am günstigsten und für meine Wahrnehmung erstaunlich preiswert sind. 
Geld wurde ja einstmals nur eingeführt, um eben auch indirekt tauschen zu können - und ist daher von Haus aus weder gut noch schlecht sondern lediglich Mittel zum Zweck. Wenn also etwas als "schlecht" bezeichnet werden kann, so sind es Zinsen. Zinswucher also. Und das Horten des Geldes durch einige wenige, welche ihm derart den Zweck als Tauschmittel entziehen. Mir gefallen diese Finanzmodelle gut, die dem Geld eine maximale Umlaufzeit zusprechen - so würde übermäßiges Horten schlicht unmöglich.

Sonntag, 30. Januar 2011

"Bewohner mit Besitz schützen" .....

.... ist immer wieder der gleiche Tenor in den "Qualitätsmedien" - in Phase 4, versteht sich.
Es ist einfach zum Kotzen primitiv aufgebaut - immer wieder wird das gleiche zum Kotzen primitive Schema abgespult:
Phase 1: Erst - berichtet "man" (also die einzigen für deutsche "Qualitätsmedien" zugelassenen und vorgefilterten Bilderberger-Medien dpa und Reuters, von denen abgeschrieben werden darf ) von den Demonstrationen und von der Revolution (bzw.von der Katastrophe), die sich vor Ort entwickelt (bzw. alles mit sich gerissen hat) ...
Phase 2: Angst vor der bösen Muslim-Bruderschaft oder sonstigen geläufig-installierten Feindbildern und Angstbildern (Haiti 01/2010: finstere Voodoo-Kult-AnhängerInnen) wird geschürt, dann  
Phase 3 - kommt der potentielle Erlöser - hier "El Baradey", wie immer geschickt von den Bilderbergern und dann
Phase 4 - werden die einfachen Menschen vor Ort kriminalisiert als plündernde, raubende Banditen
Siehe gleiche Schematas auf Haiti Anfang 2010 .... wo es wahrlich nichts mehr zu plündern gab und nicht nur vom verheerenden Erdbeben übelst traumatisierte Menschen auf widerliche Weise kriminalisiert wurden - während sie tatsächlich obendrein zu ihrem jahrzehntelangen Elend und noch dazu zum akuten Erdbeben-Wahnsinn vom amerikanischem Besatzungs-Militär bedroht und in Schach gehalten wurden.
Und siehe da: Die Retter sind immer "rückkehrende" Exilanten, die seit Jahrzehnten nicht vor Ort waren. Und denen es richtig gut ging im westlichen "Exil".
Der plötzlich überall in den Medien hochkatapultierte El Baradey - hat einen Friedensnobelpreis.
Der US-Osama, äh - Obama auch - nur mal zur Erinnerung an diese komplette Absurdität!
Ad El Baradey: Wer - dazu noch als ehemaliger Chef - in einer internationalen Atomenergiebehörde involviert ist - ist mit Garantie mit sämtlichen Lobbyisten der globalen  Finanz- und Machtmafia verwoben ...
Ist  das denn die einzige Wirklichkeit, daß diese mutigen Menschen, die ihr Leben auf der Strasse riskieren, einen selbsternannten elitären Führer benötigen? Wer hat  dort in Ägypten auf den Strassen unter Einsatz des Lebens nach einem El Baradey gerufen? Wo kommt der so plötzlich her?
Ich fuhr heute in der Limousine einen ägyptischen Geschäftsmann - der erzählte mir u.a., daß der Sohn von Mubarak vor zwei Tagen in London war - zusammen mit Mutti und mit 100 Koffern im Gepäck. Es darf davon ausgegangen werden, daß in diesen Behältnissen größtenteils Besitz zu finden war, der den ägyptischen Bewohnern zuvor seitens der Totalitäten (im Karneval der Kolonie heißen die "Tollitäten" ...) geraubt worden war.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Nochmal Davos .... Tunesien, Ägypten und Jemen

... in aller Kürze: Merkel, Brüderle, Schäuble, von der Leyen und zu Guttenberg sind vor Ort. Ein unübersehbares Aufgebot. Als gäbe es zuhause nichts zu tun ... Bei solch illustrer Reisegesellschaft frage ich mich auch, wieso das nicht Top-Thema ist in den hiesigen "Qualitätsmedien" (rein rhetorische Frage)?!
Nur nochmal als dezenter Hinweis, wo genau Politik stattfindet und welche Marionetten im Vordergrund unseren gnadenlosen Ausverkauf auf Anweisung der weit Mächtigeren (meist Herren) im Hintergrund betreiben. Allerdings scheint es, daß manchmal auch etwas Außerplanmäßiges geschieht, liebe selbsternannte "Elitäre".
Zumindest sieht es in Tunesien und Ägypten gerade so aus. Mubarak soll "hartes Vorgehen gegen Demonstranten" angekündigt haben - ich denke, so entschlossen, wie die Menschen dort sind, könnte es ein Bumerang mit scharfer Schneide für ihn werden.
PS am 27.01.11 - Jetzt also auch Proteste im Jemen. Und die Ägypter haben sich nicht wirklich einschüchtern lassen. Vodafon sperrte auf "Anweisung" der ägyptischen Despoten die Internet- und  Handyzugänge vieler Menschen, um ihnen die Möglichkeit der Vernetzung zu entziehen. (Siehe auch neulich Unternehmen wie Amazon, Paypal, Mastercard u.a. Unternehmen, die Wikileaks den Hals zudrehen wollten). Da sehen wir doch mal schön klar, wer mit wem aufgrund welcher Interessen zusammenarbeitet. Internet ist auch Thema in Davos, aus Perspektive der Unternehmen, versteht sich. Auf "Welt-online" gibt es sogar Extraberichte zum Forum. Was der Gründer des Forums dort in einem Interview zum Besten gibt, gefällt mir übrigens gut - allein mir fehlt der Glaube. Und an einer Stelle spricht er davon, daß dort Gäste "empfangen" werden und ich komme einfach nicht drauf, an was mich das erinnert .... von und zum Teufel nochmal.

Dienstag, 25. Januar 2011

Eine kluge Geschichte des Lebens ....

... gefunden im Buch "Der Samurai-Verkäufer" von Hans-Peter Rentzsch:
Im alten Persien lebte ein König namens Zemir. Als er, noch jung an Jahren, zum König gekrönt wurde, wollte er alles über das menschliche Leben wissen. Er beauftragte eine Schar hervorragender Gelehrter aus allen Ländern, einen Bericht über die Geschichte der Menschheit zu verfassen. Die Gelehrten machten sich an die Arbeit und untersuchten gewissenhaft alle Aspekte der Menschheit. Nach 30 Jahren waren sie endlich fertig und hatten ein Werk von 500 Bänden verfasst. Um das Werk zum Palast des Königs zu bringen, waren 12 Kamele nötig.
König Zemir war zu dieser Zeit schon über 50 Jahre alt und erschrak, als er diese Menge von Material sah. "Ich werde diese 500 Bände zu meinen Lebzeiten nicht mehr lesen können", meinte er, "ich bitte euch deshalb um eine gekürzte Fassung." Die Gelehrten reisten wieder ab und hatten nach 10 Jahren eine kürzere Fassung von 100 Bänden fertiggestellt, die sie mit 3 Kamelen zum König brachten. Inzwischen war der König ziemlich gealtert und traute sich auch das Studium der 100 Bände nicht mehr zu. "Macht mir doch bitte eine noch kürzere Fassung" bat er. Es vergingen nochmals 10 Jahre, bis die Gelehrten mit einem Elefanten und zehn Bänden beim König vorsprachen. Der König war nun schon über 70 und halb blind. "Ich werde auch dieses Werk nicht mehr lesen können", sagte er und bat um eine noch kürzere Fassung. Die Gelehrten, die nun auch nicht mehr die Jüngsten waren, brauchten nochmals 5 Jahre, um die Geschichte der Menschheit in einem Band zusammenzufassen. Als sie damit zum König kamen, lag dieser schon im Sterben. "Nun muß ich von dieser Welt gehen, ohne etwas über die Geschichte der Menschheit erfahren zu haben", klagte er. Darauf flüsterte ihm der Älteste der Weisen zu: "Ich werde euch die Geschichte der Menschheit in einem Satz erklären: Der Mensch wird geboren, er leidet, und er stirbt." Nach diesen Worten verschied der König.

Die Spinne mußte raus ....

... als ich sie in der Spüle erwischt habe heute abend. Nicht, daß ich sie nicht mag - manche hatten hier schon für Monate Quartier und ich habe regelmäßig mit ihnen geredet - aber schon seit Tagen denke ich abends bei spärlicher Beleuchtung, ich hätte einen an der Husche, weil sich irgendwas bewegt. Das war sie vermutlich - über den Teppich in meinem äußersten Blickwinkel laufend ....  ein bischen tat es mir leid für sie - ist sie doch ein gutes Zeichen dafür, daß die Räume trocken und gemütlich sind. 

Die selbsternannte Elite feiert sich in Davos ...

... und in D hört man kaum etwas davon. Ich schaue ein wenig "BBC", die berichten in dieser Woche relativ ausführlich und in Interviews mit Exemplaren dieser aufgeblasenen "Elite" darüber, obwohl sie Mainstream sind, und es fallen u.a. so aussagekräftige Worte wie "New Global Leadership".
Es lohnt sich wirklich, sich mal ein bischen internationalere "News" anzuhören - hier in diesem Lande wird soviel gedeckelt, wie ich vor wenigen Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte. Einheitliche Zurückhaltung von Nachrichten, die interessant sein könnten. Auch auf den deutschsprachigen "Google-News". Ahja - Google und Microsoft gehören natürlich mit zum "New Global Leadership".

Montag, 24. Januar 2011

Abstrus

Ich bin auf dem Weg durch mein Viertel, habe frei und will u.a. zum Lottogeschäft, um mal wieder mein Glück zu versuchen. Als ich dorthin komme, steht ein Polizist in der Tür und winkt ab. Der Laden ist gesperrt, es wurde wohl eingebrochen, sieht sehr wüst aus dort und ich denke "Ach du Scheiße, die arme Frau kriegt es auch dicke" - weil das nicht das erste Mal ist. Direkt gegenüber befindet sich ein Taxistand, an dem wir manchmal mit bis zu 14 Wagen stehen. Und es ist der Taxistand, an dem einer meiner definierten Lieblingskollegen seit etwa 30 Jahren ansetzt und fährt. Wochen später - erfahre ich von diesem - daß der Lottoladen u.a. wegen ihm verwüstet und gesperrt war. Es war gar kein Raubüberfall - es war ein Überfall auf ihn, der dort ein- und ausgeht. Ein durchgeknallter, paranoider Ex-Kollege, der ihm schon mehrmals gedroht hatte, war plötzlich hereingestürzt und hat ihm mit einem Hammer den Kopf einschlagen wollen.
Ich staune nicht schlecht über diese abstruse Begebenheit - zähle ich doch diesen Lieblingskollegen vom ersten Tag an zu den geduldigsten, freundlichsten und diplomatischsten Gemütern, die ich kenne. Und auch das - gibt keine Sicherheit. Du steckst halt nicht drin im Leben .....

Ehemalige Goldkutschenlenker

In der vergangenen Woche fuhr ich gleich zwei pensionierte Ex-Kollegen.
Einen hole ich während der Möbelmesse in einem Vorort ab, wir fahren zur Bank und anschließend zu einem "Krebszentrum" auf der anderen Rheinseite. Er ist ein sichtbar älterer Herr mit viel Geduld trotz seiner körperlichen Malesten und trotz des schlechten Wetters - ich kam erst nach knapp 15 Minuten bei ihm an, da ich zuvor an einem beschrankten Eisenbahnübergang ausgebremst worden war und "entschuldige" mich gerne dafür. Das ist immer hilfreich, falls die Kundschaft schon innerlich kocht, um doch noch zu einem friedlichen Konsenz zu kommen ... 
Er hat einen ziemlich schmierigen Stoffbeutel dabei und ich denke "Pfui Deivel". An dem Beutel lese ich, daß er alleine ist. Auf dem Weg zur Bank rede ich an einer Ecke mit mir selbst und sage "Ach, da können wir ja auch hier eine kleine Abkürzung nehmen und eine Ampel sparen..." worauf er meint "Neeeee, soviel Zeit muß sein." Na gut, dann eben nicht.
Als er an der Bank aussteigt, registriere ich seine Geldbörse, die er aus dem Beutel kramt, schwarz und breit. Seinen Gehstock läßt er im Auto. Wieder zurück, frage ich ihn mehr scherzhalber, ob er wohl früher Taxifahrer war - wegen seiner Börse.
Ja, war er. 40 Jahre lang. Und gerne.
Nachdem er in Rente war, ist er noch aushilfsweise weitergefahren, sagt er. Bis zu dem Tag, an dem ihn ein Kollege zum Krüppel gefahren hat. Er erzählt mir, wie es dazu kam. Der Kollege ist - auch laut polizeilicher Untersuchung - mit einem ziemlichen Affenzahn über 40 Meter rückwärts gefahren und hat ihn, der gerade kam, mitsamt Limousine wegkatapultiert. Anschließend hat der Unfallverursacher noch in sämtlichen Instanzen versucht, seinen Job zu retten, trotzdem er bereits an dem tragischen Tag 12 Punkte hatte. Das ist nun etwa 7 Jahre her. Jetzt muß er ins Krebszentrum und bekommt die Ergebnisse mitgeteilt. Na, sage ich, dann drücke ich mal feste die Daumen, daß es gut ausgeht. Und "Da haben sie ja in den letzten Jahren einige Aufgaben bekommen." Ja, hat er. Aus dem schmuddeligen Stoffbeutel holt er ein altes, größeres Schwarzweiß-Foto von seiner Frau und zwei Töchtern und steckt es sich als Glücksbringer in die Brusttasche.
Seine ruhige Art hinterläßt Eindruck bei mir. Ich bin manchmal noch - bzw. bei schlechter Tagesform - zu  ungestüm .... obwohl auch mir schon spürbar eine Lederhaut gewachsen ist im Laufe der Jahre.

Gestern hole ich dann einen weiteren "Ehemaligen" aus seiner Kneipe ab, der war Unternehmer mit zwei Limousinen und hat diese noch zu DM-Zeiten verkauft. Ich frage nach den Preisen - er hat 140.000 DM bekommen für beide Lizenzen und Limousinen. Heute legst du locker 80.000 Euro für eine Lizenz - und fährst weniger ein. Aber das ist ein Extraspezialthema ...
Er gehört zu den Exemplaren der Taxigilde, die noch goldene Zeiten erlebten und gut verdient haben. "Do lief et rischtisch joot - ävver jekümt hammer trotzdem all´" (Da lief es richtig gut, aber geklagt haben wir dennoch alle .... )
Auch er - war gerne Taximensch, 25 Jahre lang, und es gibt wieder einmal keinen Zweifel, daß eine der am höchsten zu schätzenden Qualitäten dieses Berufes in der vielgepriesenen "Freiheit" liegt. Ich werfe ein, daß auch diese zwar, zumindest heute, relativ ist - aber sie ist. Immerhin! Freiräume - gibt es sicher.
Ja - es gibt Vor- und Nachteile. Vielleicht mehr Vorteile .... und vermutlich mehr Spaß als anderswo. Und auch bei ihm stellt sich heraus, daß es sich um eine Art "Hassliebe" handelte. Es geht wohl nicht anders und soll genau so sein.

Manche Tage ...

... setzen sich so fort, wie sie beginnen. 
Sonntag morgen, alles ruhig, die Strassen leer. Ich liebe den Sonntagmorgen in der Kolonie, in diesen wenigen Stunden ist sie einfach ruhig, weit und unschuldig - die meisten schlafen noch oder frühstücken, treiben sich jedenfalls noch nicht draußen herum.
Ich fahre also gerade von zuhause mit dem weltbesten PKW los gen Übernahmeplatz für die Limousine, als ich  an der roten Ampel mit grünem Rechtsabbieger-Zeichen stehenbleibe, weil just hier vier Erwachsene mit zwei Kindern die Strasse kreuzen. Als die auf dem Bürgersteig sind, schaue ich nochmal kurz die Strasse ein und fahre langsam los, habe ja einen grünen Rechtsabbieger .... worauf sich einer der Passanten lautstark aufregt und ruft
"Es ist ROOOOOT !!!!!"
Ich denke "Idiot am frühen Morgen" und lasse mich anfixen, öffne die Tür, um ihm zuzurufen "Ich hab´einen grünen Rechtsabbieger, du Witzbold." Der besteht drauf: "Es ist ROOOT!!!!" Und ich "Du kapierst das nicht, bist zu blöd, oder?!" Fährt sicher kein Auto .....
Wie gesagt - alles weit und breit ruhig, leer, friedlich - nur an dieser Ecke kocht es sinnlos hoch.
Der Tag bleibt so, wird nicht wirklich besser .... Naturgesetz halt (wenn mensch schon eher schlechtgelaunt aufsteht).

Samstag, 22. Januar 2011

Manchmal verliebe ich mich ....

... auf Anhieb in der Limousine. Heute - war es wieder einmal so. Und heute war es ein Mann. Manchmal sind es auch Frauen. Geschlecht und/oder Alter spielen beim Verlieben in der Limousine keine Rolle. Es ist die Energie der Menschen, in die ich mich verliebe. Fremde Menschen auf sehr engem Raum - sind sehr gut spürbar. Charme, Witz, Intelligenz, Humor, Scharfsinn, Lebenserfahrung, Beherztheit, Großzügigkeit, Interesse, Neugier, Lebendigkeit .... all das schwingt.
Und - siehe oben - ist völlig alters- und geschlechtslos.
Es geschieht nicht jeden Tag, daß ich mich verliebe, aber es geschieht. Manchmal sogar viele Male an einem Tag. Und es geschieht öfter und ganz anders als im anderen Leben - denn ich weiß ja, daß die Begegnung nur von sehr kurzer Dauer ist, und so - kann ich sie einfach geniessen. "In der Kürze liegt die Würze."  fällt mir eben ein.
Heute - war es ein Mann, der wohl im Allgemeinen als "ein alter Mann" bezeichnet werden würde.  Den Charme, Scharfsinn und Humor, den er versprühte - werden die wenigsten heute 20-jährigen in ihrem Leben zu verschenken wissen. Es war ein "alter Mann", mit dem ich gerne noch viele Stunden weiterhin scherzend und sinnierend verbracht hätte. Ein Mensch, der etwas zu erzählen hat. Und schweigen kann. Ein Mensch mit Tiefe- und notwendigem Witz. Und jetzt aufgepaßt: Auch noch ein echter Kölscher. Aber mit höchstem Niveau.
Abgeholt habe ich ihn mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn am historisch berüchtigten Friedhof der Kolonie, wo sie von einer Trauerfeier kamen. In der Limousine kochte es ein wenig hoch, weil wohl einiges schief gelaufen war während der Feiern und Reden - man war anderer Meinung als der Pfarrer und andere Vortragende, es ging um viel Menschliches ... je länger es ging, desto mehr mußte ich innerlich lachen, weil es mich an die eigenen verqueeren Erlebnisse auf den vielen Beerdigungen erinnerte, denen ich beigewohnt habe. So lachte ich also irgendwann laut ..... und der ältere Herr fragte mich, ob ich sie auslache? Nein - ich lache immer nur über die Tragikomik des Lebens. Habe eine Anekdote beigesteuert, die Beerdigungsrede für meinen Vater betreffend, dessen Vorname "Hans-Dietrich" lautete - und der Pfarrer sagte "Unser lieber Hans-Dietrich  ..... Achtung: Genscher ...." . 150 Menschen in betroffenem Schweigen, ich schaue mich um im Saal, sitze ja als Tochter in der vorderen Reihe und drehe also meinen Kopf, um als 16jährige Rebellierende in all diese versteinerten Gesichter zu schauen, die so tun, als häten sie nichts bemerkt. Und vieles mehr an dem Tag ...
Dieser beeindruckende Mensch äußert nun in der Limousine seinen Nachkommen gegenüber (die ebenfalls sehr angenehm sind), daß er es gut fand, daß jemand in einer Rede einmal Bezug auf das Jenseits genommen habe - was u.U. an seinem Lebensalter liegen mag - die Jüngeren im Fonds der Limousine regen sich lieber über viele Banalitäten auf.
Was mich so verliebt machte, war seine Mischung  aus wirklich scharfsinnigem Humor, sprühendem Charme  und Tiefgang. Siehe oben - all das war raumfüllend, ein Genuss! Werde sicher noch viele Male an ihn denken, wenn ich durch die City fahre - er wohnt mittendrin.
Übrigens - hatte das Paar im Fonds viel Vergnügen an unserer "Neben-Konversation" vorne
Und  - gab es erstaunlich viel zu lachen auf einer relativ kurzen Fahrt - nach einem relativ traurigen Ereignis.

Den kleinen Jungen ....

... hole ich um kurz nach 7 morgens zuhause ab und bringe ihn in eine psychiatrische Tageseinrichtung der kolonialen Uniklinik. Fahre als Springerin zur laufenden Möbelmesse eine andere Limousine und schnappe mit dieser eine "Krankenfahrt" an vierter Stelle, nachdem ich gerade den Knopf zum Anmelden am Halteplatz gedrückt habe. Ein schöner Anfang!
Der kleine Junge, den ich abhole, ist ruhig und freundlich, redet hier & da ein bischen und da er sehr leise spricht, hake ich kurz nach, ob er mit sich selbst spricht oder etwas sagen möchte - es sind eher Selbstgespräche.
Als wir an seinem Ziel angelangt sind, sagt er plötzlich laut und gut verständlich "Hoffentlich muß ich nicht noch einmal mit Ihnen fahren." Ich staune nicht schlecht und frage zurück "Wieso willst du das nicht, war es so schlimm?" - und bin sehr erleichtert über seine Antwort, die nichts mit mir aber mit der Technik zu tun hat: "Das war so laut."
Recht hat er! Keine Ahnung, was genau diese Limousine hat, aber sobald ich bremse und zum Stehen gekommen bin, fängt das komplette Teil zu vibrieren und zu klopfen an und wird laut wie ein Trecker. Die Bremsleistung selbst ist nicht beeinträchtigt, das habe ich als allererstes am Morgen getestet - dennoch ein erstaunliches Phänomen. Ich schalte also an diesem Tag jedesmal im Stand auf N oder P ... damit die Kundschaft sich nicht unnötig besorgt.
Fahre nachmittags sogar in die Werkstatt - und siehe da:
Der Vorführ-Effekt, zu ganzen 100 % !!! Nichts vibriert ....
Der nette, mir bereits bekannte Werkstattmensch wirft den Kompressor an und ich sage "Da!!! Genau so hört es sich an, nur minimal leiser!" Wir versuchen nochmal, die Limousine ans Rütteln zu bringen - nichts. Auch die anderen Kleinigkeiten ... bleiben quasi unerledigt, ein sinnloser Werkstattbesuch, wären der gute Mann und diese mit herrlichen Dingen vollgestopfte kleine Werkstatt nicht einfach an sich eine Visite wert und hätte er nicht so einen hervorragenen Kaffee zu bieten. (Ich bin da vorbelastet - meine beiden ersten Geliebten waren KFZ-Spezialisten und ich habe Jahre in diesem Ambiente verbracht, mit viel Öl-, Sprit- und Dieselgerüchen, Geräuschen von  knarrenden Ratschen, die in Windeseile Muttern lösen und wieder befestigen, mit durch Kompressoren erzeugtem Hochdruckgeräusch etc. pp. .... )
Als ich aus dem Hof rausfahre und das erste Mal bremse .... is klar, oder?!!! Über den netten kleinen Jungen und seine trockene Bemerkung lache ich noch den ganzen Tag.

Freitag, 21. Januar 2011

Das arme Kind ....

... das mich zur Mutter bekäme - dachte ich mir so als Pubertierende und sorgte für die kommenden Jahrzehnte dafür, daß potentiellen eigenen Nachkommen solches Schicksal erspart blieb. Heute, also heute an diesem Tag, aber auch heute, kurz vor den Wechseljahren, hat es sich nochmal bewahrheitet, daß das arme Kind unter mir gelitten hätte .... Habe eine Schulfahrt in der Mittagszeit bekommen und hole einen Jungen mit Down-Syndrom von seiner Schule ab. Er ist fit - und geht mir auf die Nerven mit vielen Fragen alá "Was ist das hier - und das - und das - und das ....?" Ich sage heute nur soviel: "Hey - du fährst doch jeden Tag mit einem Taxi und weißt das schon längst alles. Punkt."
Habe einfach keine Lust mehr auf viele Spielchen - und seines gehört gerade dazu. Ihm ist offensichtlich langweilig und er möchte unterhalten werden. Da hat er just Pech ... Als er beginnt, während der Fahrt an der Tür herumzufummeln und zu spielen - explodiert dieser Vulkan, der manchmal wie eine Stichflamme hochschnellt und ich werde sehr sehr autoritär, gehe in die Bremsen und herrsche ihn an, daß er ja seine Finger von der Tür lassen soll, sonst kriegt er viel Ärger mit mir.  Bin selbst mal wieder erstaunt über diesen Vulkanausbruch - allerdings verstehe ich bei sowas keinerlei Spaß. Er scheint es begriffen zu haben und flucht noch ein bischen vor sich hin mit erstaunlich üblen Schimpfwörtern ....
Wie gesagt: Was für ein Segen, daß ich nicht geworfen habe - die armen Kinder! Bezieht sich allerdings nur auf solche Situationen, in denen ich definitiv keinerlei Spaß verstehe - ansonsten fahre ich die sehr gerne und habe viel Freude an ihren trefflichzen, scharfen und unzensierten Aussagen ("Kindermund tut Wahrheit kund").

Mittwoch, 19. Januar 2011

Wegweiser zu Mascha Kaléko ....

.... ich bedanke mich hier bei "Cantharis"  für das Gedicht von Mascha Kaléko, welches ich heute vormittag dort las, um mich anschließend in diese Dichterin zu vertiefen. Auf dem Blog kann ich mich nicht bedanken und die E-Mail funktioniert auch gerade nicht, wie sie schreibt. Daher hier: Danke für den Wegweiser zu den Worten von Mascha Kaléko, die ich zuvor nicht kannte - zumal ich bislang (bis auf Leute wie Kästner und/oder Roth) eher selten an Lyrik und/oder Gedichten interessiert war. Diese aber - treffen mich direkt ins Herz und rühren an der Seele, so daß ich meinen ohnehin vagen Tagesplan verworfen habe, um beim Lesen ihrer Gedichte reichlich Tränen zu vergiessen. Nicht unbedingt aus Traurigkeit - vielmehr ob ihrer Trefflichkeit, Schärfe, Würze und Schönheit, den teils ironischen Humor nicht vergessend, der über sich selber lachen kann. Dann sah ich, daß die Dame am gleichen Tage Geburtstag hat wie meine Person - und fühlte mich noch mehr verbunden - auch, wenn es nicht von Bedeutung ist. Man sagt ihr viel Melancholie nach - die mir gut bekannt ist, trotz Humor, oder eher, weil zu beidem ein Ausgleich erforderlich ist. Das ich nun ihre Zeilen lese und aufsauge, läßt mich zum ersten Male explizit diese alte und oft unwillkommene Begleiterin "Melancholie" schätzen. 
Da die Texte von Frau Kaléko streng urheberrechtlich geschützt sind - wie ich im Netz las - möchte ich hier einfach auf sie hinweisen, da sie sicher noch mehr Seelen erfreuen kann. Wohlgemerkt habe ich den Tip auf dem o.g. Blog gefunden und stammt er nicht von mir - darüberhinaus darf ich erwähnen, daß man z.B. auf "Youtube" vertonte Gedichte von Mascha Kaléko findet. Hier eine Seite im Netz für sie. 

Jetzt noch dieses "Rezept", es beginnt mit "Jage die Ängste fort ....."  und stammt aus einer anderen dunklen Zeit als der unsrigen heute, doch enthält es nach wie vor viel Weisheit.

Tragikomisch

Neulich hatte ich wieder einen von diesen Tagen in der Limousine, an denen ich sehr entspannt war und aus dem Lachen nicht mehr rausgekommen bin - egal, wie sehr die geschätzten Fahrgäste sich bemühten, mir ihre Situation als tragisch zu schildern. Wie bereits hier oder dort erwähnt: Ich lache nicht aus Gehässigkeit - aber schon über uns Menschen. An diesem Tag wollte mir gar einer nicht abnehmen, daß ich durchaus (und nicht einmal selten) auch "schlecht gelaunt" sein kann. "Sie lachen doch nur." stellte er fest.
Gesünder isses jedenfalls, spürbar ...
"Ob du lachst oder weinst - es ist die gleiche Lebenszeit" - alte asiatische Weisheit

Dienstag, 18. Januar 2011

Zeitmaschine

Seit Monaten werde - langsam: wurde - ich durch eine Art Zeitmaschine gedreht. Ich gehe nochmal in die vielen Winkel dieser Existenz zurück - mit allen Sinnen. Praktisch gesehen bedeutet das: Ich feiere tatsächlich nochmal Abschied von dem, was war. Noch praktischer: Ich rieche, schmecke, höre, sehe, fühle  nochmal alles, was ich als Kind, als Jugendliche, als junge Frau und bis hier mit den Sinnen aufgesogen habe. Und sicher, darüber hinaus, in vielen vorherigen und zukünftigen Leben - die parallel dazu laufen.
Auf einer Parallelspur bin ich dieser Zeit weit vorausgereist und denke gleichzeitig zurück an künftige Strukturen, die das Patriarchat als "ausbeuterisch-barbarisch" in die inzwischen telepathisch (per Hirnfrequenzübertragung, also wieder wie früher, ohne Geräte, z.B. in Atlantis) übertragenen Informationen zur Historie der Menschheit   einordnen und als "in keinerlei Weise erstrebenswert, da auf illusorischem Mangeldenken begründet". Es heißt, "mit dem Ende von Dollar und Euro fiel auch das patriarchale System und fand die Spezies Mensch zu ihren seit wenigen Jahrhunderten und speziell in dieser mechanischen und materiellen Epoche unterdrückten, natürlichen Fähigkeiten zurück.". Über das Mangeldenken in dieser Zeit lachen unsere Nachfahren.

Sarrazin, Hells Angels und Parallelwelten

Der Sarrazin sollte mal ein Buch über die "Integration von Rockerbanden" schreiben, finde ich. Danach - wären wir ihn schnell  los. Sah gestern einen Bericht über die Parallelwelten diverser Rockercliquen in Deutschland und USA. Komisch, daß die keiner integrieren will .... oder nicht? Bekanntermaßen beherrschen diese Vereinigungen (nicht nur) hier in D einen großen Teil der gutgehenden Geschäftszweige Glücksspiel, Drogenhandel und Prostitution. Und das im Grunde völlig offen. Die Verteilung der Anteile regeln sie untereinander auf ihre ganz eigene Weise. Wenn mal was ist - treten "Staranwälte" für sie ein. Schätze mal, die werden mit reichlich Koks und schönen Frauen beliefert im Gegenzug. Kurz gesagt: Es gibt soviele Parallelwelten, mit denen wir u.U. nie in unseren begrenzten Leben in Kontakt kommen - und auch nicht müssen. Wieso dann - cui bono - dieses ständige "Muslim-Bashing" in den Medien?

Eiertanz

Ein Schild im Schaufenster der Imbissbude preist heute "Chicken" an. Eine alte Frau kommt um die Ecke, liest es und wiederholt laut "Chickähn?! - Öm Joddes welle ...." (Kölsch für: Um Gottes willen, also etwa "Nein, danke"). Ich muß lachen.
Also, was den aktuellen Dioxin-Skandal betrifft, da würde ich mir echt keine Extra-Sorgen machen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß das Zeug schon seit Jahren verarbeitet und verfüttert wurde - blöderweise kam es jetzt mal wieder raus. Fressen tun wir das eher schon lang. Auch Vegetarier kriegen ihren Anteil am Gift über die Verköstigung von Milchprodukten, denke ich.
In einer ARD-"Qualitätsjournalismus"-Sendung am Sonntag, Highnoon, sagte eine "Qualitätsjournalistin", daß wäre doch eh alles nur Hysterie, wir nähmen doch sowieso Dioxin über die Atemluft auf. Und Schwangere? Na, die sollen das ganze Zeugs halt nicht essen während der Schwangerschaft. Ach sooo ....dann ....
Gerade läuft eine Pressekonferenz mit Frau Aigner und Kollegen - sie haben einen "Dioxin-Monitoring-Plan" gemacht, mit "Backup". Nichtssagende Neusprech-Neurotiker, tzzzzz ....
Bei "Aldi-Süd" gibt es jetzt "fTrace" = Totes-Fleisch-Tracking = damit geht man via Handy oder PC ins Netz, um die Daten der toten Fleischklumpen nachzuverfolgen: "Schlachtdatum, Zerlege-/Verpackungsdatum, Ort der Herstellung, woher die Tiere stammen" (aus Datenschutzgründen werden die Namen der Landwirte im Netz nicht genannt, heißt es). Wie krank sind wir im Hirn inzwischen? Das war eine rhetorische Frage.
Interessieren würde mich das Geldvolumen, daß nun durch die angeordnete Pflicht-Haftpflichtversicherung (so heißt das) per Gesetzgebung als neue Einnahmequelle an die Versicherer abgeführt wird.
Wie, das Schweinefleisch ist auch verseucht? Ja, was glauben denn die Damen und Herren, die im Mega-Discounter ein Kilo Fleisch für 3 Euro erstehen? Was soll denn da sonst drin sein außer viel Dreck? 
Wir bekommen genau das, was wir mit unserem Konsumverhalten einfordern und verdienen.
Nur die Tiere, um die es sich hier handelt, und von denen kaum die Rede ist, die tun mir leid.

Der Handleserin in der Limousine neulich ....

.... habe ich eine sehr klare Ansage gemacht auf ihren aufdringlichen Vorschlag, mir aus der Hand zu lesen:
NIX DA !!!
Es war eine Großmutter mit knapp zweijährigem, sehr bezaubernden Enkel und einem jungen Onkel dazu, die ich vom Kinderkrankenhaus abholte. Sie hätte sich gerne etwas mit meiner Dummheit dazu verdient ... aber sie hat auch verstanden, daß ich definitiv keinen Wunsch hatte nach ihren "Prognosen". Dennoch fing sie an zu reden, obwohl sie nur meine Handaußenseiten am Lenkrad sah und nicht meine Linien:  "Ah, du wirst eine große Überraschung erleben (Ah, welch eine Überraschung !? - wo doch das ganze Leben voll davon ist) - aber in der Liebe hast du kein Glück (ich trage keinen Ehering ... und schätze mal grob und vielleicht noch zu optimistisch für die übrigen 20 %, daß etwa     80 % meiner Mitmenschen nicht wirklich im dauerhaften Liebesglück schwelgen)."
Ich werde ärgerlich und sage: "So - das reicht jetzt. Ich lese mir meine Hand selber - dafür brauche ich niemanden!"
Einen Moment herrscht Stille.
Dann die vorsichtige Frage "Wirklich?"
und meine Antwort "Ja."
"Dann kannst du ja meine Hand lesen?!"
"Den Teufel werde ich tun!"
Das Thema ist geklärt.
Ich stelle fest - daß mich die alten Zigeunerinnen nicht mehr beeindrucken - und das ist gut so. Die wissen nämlich - auch nicht mehr als ich. Zwei von der Sorte - haben mir schon genug Übles vorhergesagt, einst. Und ich meine das durchaus so: Ich kann meine Hand selbst lesen. Und wie ich neulich schon mal sagte: Es ist auch das Beste, das eigene Horoskop selbst zu lesen - alle Anderen interpretieren zuviel von ihrem eigenen Zeug und ihrer Weltsicht da hinein.

Donnerstag, 13. Januar 2011

2011 - Moral und Gewissen 1

Sitte, Anstand .... 
Ich werde dich schon mores lehren ....
Klar?
Moral = Von außen vorgegeben,
aufoktruiert, an-dressiert.
Gewissen = Wissen?
Von innen heraus?
Das weiß ich für mich -
ohne, daß mir jemand etwas dazu sagt.
Moral ändert sich.
Das Ge-Wissen .... ist eher wie
ein Diamant, ein Kristall.
Es kristallisiert sich
immer mehr heraus -
was (für mich) wichtig ist,
was ich
mit meinem Ge-Wissen vereinbare. 
Was für mich gewiß = ge-wichtig ist -
ist dieser Diamant,
der sich zeigt,
sobald alles Unwichtige
= Aufoktruierte = Moral
wieder abgeworfen
und abgeschliffen ist.

Prädikat: Sehr erhellend - "ARD-exclusiv - Der Drückerkönig und die Politik" - In nur 30 Minuten weißt du Bescheid über die Verflechtungen zwischen Big-Business, privaten Riester-Rürup-Rentenversicherern, aktuellen & vergangenen Änderungen in der "Gesundheitspolitik" u.a.

"Wenn sie duftende Rosen haben wollen, müssen sie im Herbst stinkende Jauche darüber kippen. Und das Komische ist:
Je mehr das stinkt, desto schöner duftet das hinterher" ...
... sagt der Herr Carsten Maschmeyer gleich zu Beginn dieser Reportage - und das sagt schon viel über ihn - die so klar die Verquickungen zwischen ihm und seinen FreundInnen aus den ersten Reihen der Regierungsbänke, quer durch alle Parteien, zeigt.

Natürlich alles auch medienwirksam inszeniert -
Wetten Das!. 
Hier siehst du, wie deine "Riester-und/oder Rürup-Rente" versandet und du siehst und hörst u.a. auch ein paar harsche Worte, wie sie der Herr Riester spricht.

Und dann nimm mal diese Reportage nur als ein Beispiel für die Formen der Verquickung von Politik und Privatwirtschaft - siehe  Finanz- und Bankenjonglagen allerorten. Danach - sollte jede(r) wissen, wem von den "Offiziellen" er noch vertrauen möchte, falls er so etwas überhaupt noch tut. Was dumm genug wäre.
Eingedenk der aktuellen "Euro-Schirm-Trancen" (hier ein trefflicher Blog und Blogbeitrag zur Wortwahl seitens der uns Verarschen-wollen-den) - verwandelt sich der Herr Maschmeyer schon wieder in einen eher harmlosen Kleinbetrüger ... 
Danke an die Macher - es gibt eben doch noch (wenige) Sternstunden auch bei den offiziellen Medien!

Als beobachtende Zwillingssonne muß ich allerdings hinzufügen, daß ich nicht unbedingt  immer Mitgefühl mit den Betrogenen habe, aus mehrerlei Gründen. Zunächst einmal haben die meisten von uns jahre- bzw. jahrzehntelang ihre Gelder solchen Leuten anvertraut, weshalb von Haus aus schon eine Neigung zum Harakiri vorhanden sein muß. Auch - und aktuell gerade - bei Geldangelegenheiten gibt es schließlich ebensoviel Eigenverantwortung wie in anderen Bereichen des Lebens auch.
Wieso vertrauen ältere Damen irgendeinem Sparkassenfuzzi -zigtausende Euronen an, kultivieren aber bei jedem Schritt vor
die Tür ihre neurotische Handtaschendieb-Phobie (oder gehen mißtrauisch davon aus, daß der/die TaxifahrerIn bestimmt einen Umweg fährt, um solcherart äußerst mühselig einen geschätzten Fahrgast um ein paar Cent zu betrügen ...)?
Zum Anderen war die Motivation bei vielen dieser sogenannten "Kleinanleger" die gleiche, wie bei den großen Haien: Gier und Geiz. Macht also nur einen quantitativen Unterschied.

Sonntag, 9. Januar 2011

COFFEE - not to go but - TO DANCE

Lecker Kaffee - zum Singen und Tanzen mit N.O.H.A.
Stark belebend ....
PS: Auf der rechten Seitenleiste bei Youtube etwa soviel Café-Song-Variationen wie Kaffee-Variationen
im Café ...

Intime Aufzeichnungen und Bekenntnisse ....

--- eines längst verstorbenen und doch so (be-) "greifbaren" Mannes namens Samuel Pepys  haben mir den heutigen Nachmittag in der Limousine versüßt und veredelt.
Völlig gebannt lauschte ich im "Deutschlandfunk" der Buchempfehlung zu den sehr lebendigen und menschlichen Tagebuchaufzeichnungen dieses einst in England lebenden Mannes, dessen persönliche Aufzeichungen aus den Jahren 1660 bis 1669 uns (dank akribischer Feinarbeit diverser Mitmenschen) wohl erhalten geblieben sind.
Als ich zuhörte, dachte ich nur: Den kenn´ ich .... so lebendig schreibt er sein Tagebuch und so menschlich.
Hier der ausführliche Link zum Beitrag - alle gesprochenen Worte des Nachmittags schriftlich.
Ich werde wohl seine Tagebücher weder erstehen noch jemals in dieser Ausführlichkeit lesen (über 4.000 Seiten), bin dennoch nachhaltig zutiefst beeindruckt oder besser: berührt von den wenigen Auszügen, die mir erhellen, daß sich die wesentlichen Bedürfnisse und Triebe auch vor fast dreieinhalb Jahrhunderten nicht essentiell von den heutigen unterscheiden.
Und sicher auch nicht vor dreieinhalbtausend Jahren ...

Freitag, 7. Januar 2011

Die Wunschfee ist gestorben ...

Gestern las ich es im Netz - gegen Ende des Jahres 2010 ist Bärbel Mohr mit 46 Jahren an Krebs verstorben. Nun könnte man natürlich der Häme frönen und sagen, da hat das Wünschen nix genützt. Aber so ist es ja bei allen bisher: Der Schnitter kommt pünktlich, wenn der Sand durchgelaufen ist. Darüberhinaus ist es auch nur eine von sovielen Illusionen, daß ein Leben länger dauern sollte, als es eben dauert. Dennoch kam mir dieser Gedanke, daß die Sache mit dem Wünschen wohl nicht recht funktioniert hat. Oder vielleicht doch? Die wahren Wünsche und Lektionen finden sich nicht an der auf Mammon, Konsum und herkömmliche Liebes- und Familienbande konditionierten Oberfläche, sondern weit tiefer.
Gestern kam auch ein Buch von Hermann Meyer mit dem aufschlußreichen Titel "Der Tod ist kein Zufall".
Die Beschäftigung mit dem Unbewußten erscheint mir gerade
mal wieder immens spannender und ergiebiger als die mit dem vermeintlich Sichtbaren.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Wo Engel sind ....

... gibt´s auch Dämonen.
Weil: Keiner will alleine wohnen.

Das Leben ist ein Mischpult .....
schau, wo die Regler gerade stehen.
Manchmal - stehen sie für Momente auf Null -
und der Atem geht weiter, ohne Reiter.
Wenn du zurückkommst, darfst du dich wundern.
Über alle Ge-Schichten, die jetzt gerade geschehen.

Meine Tage werden immer mehr zur Nacht -
hätt ich bis neulich so nicht gedacht.

Die wilde Jagd - läßt mich nicht ruhn -
läßt mich nicht träumen, will was tun.
Die Stille erzählt -
unerhört,
durch nichts gestört,

Odin reitet der Percht voraus -
diese macht ihm, darauf, den Garaus -
kurz danach reitet sie ihm voran, 
und er - entschlossen - kriegt sie dran.
So geht dieser Tanz -
seit ewigen Zeiten
es geht einfach -
um die Freude am Reiten.

Was ist eigentlich los?

Was ist das für eine seltsame Grundstimmung, die sich da über soviele Gemüter legt? Klimakatastrophen - wählen Sie bitte ihren Favoriten zwischen Überhitzung und Eiszeit - Armaggeddon, Weltuntergang, finale Kämpfe zwischen Gut und Böse .... früher made in Hollywood, heute made for and by everybody via Internet.
Für mich subjektiv umso erstaunlicher, je besser es den Klagenden auf materieller Ebene geht. Aber vielleicht ist gerade das beängstigend, denn die haben schließlich noch was zu verlieren - und zu verteidigen.
Ne, meine Welt geht nicht unter.
Die Welt wird bleiben.
Kann sein, daß der Mensch nicht mehr allzu lange bleibt Das fällt dann unter Artensterben. Bei mir persönlich schlicht unter "Tod".
Neulich habe ich es schon in einem Kommentar erwähnt: Ich bin nicht sicher, ob wir wirklich zu den erhaltenswerten Arten zählen. Im Moment würde ich eher sagen: Nein. Zuviel Reptilienhirn in Betrieb und die anderen 99 % Kapazität nicht einmal schwach belichtet. Und zu den 1 % Reptilienhirn, die in Betrieb sind, kommt die Tatsache, daß es wirklich besser wäre, fröhlich miteinander zu fressen und zu ficken - statt Kriege gegeneinander zu führen.
Andererseits heißt es ja, wir befänden uns in Zeiten von Wechsel und Aufbruch - und den gibt es nicht für lau, sonst wäre es kein Wechsel. Wie Einstein sinngemäß sagte, können wir die anstehenden Probleme nicht auf die gleiche Art lösen, auf die wir sie geschaffen haben.
Wir müßten also wirk-lich umdenken, umfühlen, uns völlig neu strukturieren und auf qualitativ neue und bislang nie so umgesetzte Werte hin ausrichten, dem Mammon entsagen und ein wohl-wollen-des Miteinander für jedes Mitwesen kreieren.
Die bereits hinlänglich bekannte Seite der Medaille ist: Krieg, Vernichtung, keine Einsicht daraus, Wiederaufbauphase und dann wieder von vorne, seit ewiger Zeit. Könnte sein, daß das ein Ende findet aufgrund der gestiegenen Vernichtungskapazitäten?! Oder eher noch, weil die Welt keine Lust mehr hat auf so eine kaputte und primitive Spezies und sie kurzerhand runterkatapultiert.
42 also (siehe oben rechts im Blog).
Oder aber: Es entsteht wirklich mal was Neues.
Könnte ja auch sein.
Dafür aber - muß das Alte tatsächlich gehen, sich definitiv als sinnlos erweisen. Das tut es ja gerade an allen Ecken und Enden. Der Eimer leckt schon sehr lange. Und das muß nicht Armaggeddon sein .... etwas Neues kostet eben das Alte. Und daran, am gewohnten Althergebrachten, hängen wir irgendwie alle, so erkläre ich mir die rundum tönenden Weltuntergangschöre - die die schon wabernden düsteren Gedankenwolken noch verstärken.
Wohlwissend, wenn auch oft genug widerwillig, daß Transformation - eine lange Weile dauern und durchaus schmerzhaft sein kann.
Schau mer mal!

PS: Guckst du mal Nachrichten von vor paar Jahrzehnten -
da ging die Welt auch schon unter.
PSPS:  Ich war 16 Jahre, als der Krieg um Bodenschätze und Drogen in Afghanistan begann - das ist nun fast 32 Jahre her. Erst sind die Russen eingefallen, dann wurden die Taliban von den Amis ausgebildet und gegen die eigenen Leute entsandt, dann kamen die Amis persönlich und jetzt kommen auch noch pomadenverklebte, wangengerougte Guttenbergs und Kerners mit Kamerateam . Alles unter den Deckmänteln von immer wieder neuen, erfundenen Lügengeschichten. Nur mal so zur Erinnerung .....!